© by Britta BoehleSeit gut 20 Jahren ist das in der Nähe von Verden ansässige Label Break The Silence Records ein Garant für gute Veröffentlichungen – sei es bei der Bandauswahl, der liebevollen Aufmachung, aber auch bei der klaren politischen Positionierung. Labelmacher Ballo ist seit den frühen 1990ern aktiv, zunächst als Veranstalter von Gigs im JUZ Dampfmühle in Verden, als Herausgeber des Folter-Fanzines oder als Schlagzeuger bei Bands wie PSYCHISCH INSTABIL, GASHEBEL, RASTA KNAST, INNER CONFLICT, KILLBITE und derzeit bei AD NAUSEAM. Sein erstes Label Harmony Records startete er schon 1996. Wir nahmen den runden Geburtstag von Break The Silence zum Anlass, um mit Ballo über seine Anfänge im DIY-Punk und sein Label zu sprechen.
Was waren die Gründe, neben deinen Bands, deinem Fanzine noch ein eigenes Label zu gründen?
Das fing 1993 an. Mein alter Kumpel und Fanzine-Kollege Christoph – wir haben damals zusammen das Folter Fanzine rausgebracht – hatte zuvor einen Tapesampler veröffentlicht, und von dem war ich so angetan, dass ich auch so was machen wollte. Das ist für mich bis heute ein unfassbar gutes Medium, um neue Bands kennenzulernen. Und so setzte ich mich an meinen Schreibtisch und schrieb alle möglichen Bands an, per Brief übrigens, und fragte nach Songbeiträgen. Als ich alles beisammenhatte, stellte ich einen Sampler am Tapedeck zusammen und vervielfältigte dann die Kassetten. Schnell bastelte ich noch ein Cover und ein Beiheft mit Infos und Songtexten. Und dadurch, dass mein Musikgeschmack sehr vielseitig war, waren da auch viele verschiedene Bands dabei, von Pop-Punk über Deutschpunk, Hardcore bis Geknüppel. Das ist bis heute so, ich mag’s bei der Musik gerne abwechslungsreich. Ein Jahr hat das Projekt gedauert und so habe ich 1994 den Sampler mit dem Titel „Livin’ In The 90ties ... Punk Will Never Die“ als 90-Minuten-Kassette veröffentlicht. Ich bin gar nicht mit dem Kopieren hinterhergekommen, so groß war das Interesse. Ich glaube, ich habe am Ende fast 400 Tapes unter die Leute gebracht. Dadurch habe ich auch viele Kontakte zu Bands, Labels und Vertrieben bekommen, Leute kennengelernt. Ich hatte im Anschluss noch ein bisher unveröffentlichtes Live-Tape der Göttinger Anarcho-Punk-Band DUNKLE TAGE rausgebracht. Das war zu der Zeit übrigens eine meiner absoluten Lieblingsbands. Und da habe ich ähnlich viele Tapes abgesetzt.
Hattest du Hilfe oder machtest du das allein?
Bei uns in Verden habe ich Shaky von BARBARENMUSI kennengelernt, der war gerade in unsere Stadt gezogen, hatte einen kleinen Vertrieb gestartet und wollte ein Label gründen. Durch ihn habe ich so Leute wie Horsti von Nasty Vinyl oder Isleif von Bad Taste Records aus der Hannoveraner Ecke kennengelernt, und auch die KORRUPT-Leute aus Bremen. Die hatten alle schon Platten veröffentlicht. Da habe ich mir erklären lassen, wie das so funktioniert, und 1995 habe ich zusammen mit deren Hilfe die erste Single von einer mit mir befreundeten Band namens PORCH aus Wangen im Allgäu veröffentlicht. Ich habe mir die heute noch mal angehört, geile Single. Schöner melodischer Skate-Hardcore! Und wenig später eine EP der UK-Punks CONTEMPT, für die ich zeitgleich auch eine Tour organisiert habe. Ich habe mir dank des genialen Hefts „Buch dein eigenes beficktes Leben“, in dem viele Kontakte von Veranstaltungsorten und Vertrieben aufgeführt waren, ein kleines, aber ergiebiges Netzwerk aufgebaut. CONTEMPT waren zusammen mit PEACE OF MIND aus Göttingen und POPPERKLOPPER aus Trier unterwegs, das war die erste Tour, die ich organisiert hatte. So fing das alles unter dem Namen Harmony Records an. Unter dem Labelnamen habe ich dann noch weitere Platten und Sampler veröffentlicht, unter anderem mit SICK ON THE BUS, PEACE OF MIND und DEKADENZ. Das Ganze wurde Anfang 2000 in Gasrecords umgetauft, weil wir mit unserer Band GASHEBEL unsere Platten selber rausbringen wollten. Und seit 2004 heißt das Label nun Break The Silence.
Warum die Umbenennung?
In Verden bei Bremen hatte sich eine große und vor allem sehr aktive Nazi-Szene etabliert. Hauptdrahtzieher war damals der Nazi-Anwalt Jürgen Rieger aus Hamburg, der in Dörverden-Barme. dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, ein Nazi-Schulungszentrum im Heisenhof eröffnet hatte, nachdem er aus Hetendorf bei Celle mehr oder minder vertrieben worden war. Und das wollten wir nicht hinnehmen. Wir hatten in Verden eine große Demo und haben dazu ein kleines Festival organisiert, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, und die Bürger dafür zu sensibilisieren, was da gerade vor sich geht. In Verden starteten die Nazis die sogenannte „Schulhof-Offensive“ und quatschten die Kids voll und versuchten, sie auf den Heisenhof zu locken. Menschen, die versucht haben, sich dem entgegenzustellen, wurden von den Nazis bedroht oder angegriffen. Ein Nazi hat einem Antifa mit einem Zimmermannshammer lebensgefährlich verletzt, die Nazis haben Autos angezündet und eine Lehrerveranstaltung der GEW in Verden angegriffen und die Teilnehmer geschlagen und bedroht. Da war Anfang 2000 richtig Nazi-Terror hier in Verden. Wir haben fortlaufend Demos und Konzerte organisiert und irgendwann kam unser Kumpel Berry an und wollte dem Ganzen, was wir da machen, einen Namen geben. Er hatte die Idee mit „Break The Silence“. Unter diesem Slogan haben wir die Veranstaltungen laufen lassen im JUZ Verden. Wir hatten auch einen Tapesampler als Benefiz mit dem Titel „Break The Silence“ veröffentlicht, auf dem alle Bands vertreten waren, die uns im Laufe der letzten Zeit beim Kampf gegen die Naziumtriebe geholfen hatten. „Break The Silence“, „Das Schweigen brechen“ – das war unser Motto!
Mit welchen Platten hast du damals angefangen?
Durch die ganze politische Arbeit hatte mich irgendwann Henne von RAWSIDE kontaktiert. RAWSIDE waren eine der Bands zu der Zeit, die uns immer unterstützt haben, und wir sind ihnen bis heute dankbar. Irgendwann saßen Henne und ich zusammen vor dem JUZ und ich meinte zu ihm, dass es schade sei, dass die „Police Terror“-LP nicht mehr erhältlich sei und die Leute sogar bis zu 70 Euro bei eBay dafür bezahlen würden. Henne meinte nur, legt ihr doch die Platte wieder neu auf. Und das war 2005 die Geburtsstunde von Break The Silence Records. Das passte auch vom Anspruch und vom Menschlichen her. Danach kam noch die LP der Bremer Punkband CHISPAS als Gemeinschaftsproduktion mit zig anderen kleinen Labels heraus. Das war der Startschuss für das Label.
Schon recht früh hast du Bands aus Argentinien und vor allem Brasilien veröffentlicht. Wie kamen die Kontakte zustande?
Ich habe von 2008 bis Ende 2010 bei der Band RASTA KNAST getrommelt und dadurch entstanden die Kontakte nach Brasilien. Wir waren dort 2009 auf Tour und ich habe mich in die Szene und die Leute da verliebt! Es sind tolle Freundschaften entstanden. 2010 hatte ich einen ziemlichen Nervenzusammenbruch, ich war down, ausgebrannt, ich musste mal weg, und bin dann quer durch Südamerika gereist, vom Norden Brasiliens, Venezuela bis runter nach Argentinien und Uruguay ... das hat mich menschlich sehr geerdet. Die Leute da sind soooooo nett. Kleine Situationsbeschreibung: Ich hatte mit meinem Fahrzeug eine Panne irgendwo im Nirgendwo, nach circa zwei Stunden kam ein Bauer mit seinem Lkw vorbei. Er nahm mich mit zu sich nach Hause und meinte, das Auto machen wir morgen heile, jetzt essen wir erst mal was. Ich habe da einen der schönsten Abende meines Lebens verbracht, wir saßen mit der ganzen Familie zusammen und aßen und tranken. Und das, obwohl die anscheinend auch nicht die Reichsten waren. Jeder hilft jedem, alle haben Respekt voreinander. Ich habe bis dato so etwas noch nicht kennengelernt. Ich war auch in einigen Favelas unterwegs, die Armenviertel in Südamerika, was sehr beeindruckend war, und mich richtig geerdet hat. Dagegen sind die Probleme, die wir hier in Europa haben, minimal. Wirklich! Ja, wir haben auch Krieg derzeit in Europa. Aber in Südamerika oder in Afrika, wo ich dann im Anschluss war, da ist ständig Krieg, Mord und Totschlag. Durch diese ganzen längeren Reisen habe ich unglaubliche Erfahrungen gemacht und Menschen kennengelernt. Sehr fasziniert hat mich die brasilianische Punk-Szene mit ihren unglaublichen Bands wie AGROTÓXICO, AÇÃO DIRETA, FLICTS, ARMAGEDOM, RATOS DE PORÃO, CÓLERA, MALDITA AMBEÇÃO, ÓDIO SOCIAL, ROT, INOCENTES, OLHO SECO, QUESTIONS ... Aber auch die Szene in Argentinien und Uruguay mit Bands wie BOOM BOOM KID, FUN PEOPLE, HERMANOS DE LA MENTE FURIOSA, LOS INVASORES, SETIEMBREONCE, LOS VIOLADORES, ARGIES ... das ist schon ein großartiges Gefühl, weil das alles herzliche Menschen sind. Ich habe auch in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo Kontakte in die Underground-Musikszene. Da bin ich gerade auch am Planen.
Nach welchen Kriterien wählst du die Bands für deine Veröffentlichungen aus? Gab es schon mal Enttäuschungen?
Das einzige Kriterium, das ich habe, lautet: es muss mich umhauen! Ich muss Feuer und Flamme sein. Worauf ich keinen Bock habe, sind diese „Bettel-Mails“, wo mich Leute anschreiben, die ich null kenne, ob ich nicht Lust hätte, mit 350 anderen Labels ihre Platte zu veröffentlichen. Die ignoriere ich. Ansonsten wenn mir die Musik gefällt. Und es muss auch nicht unbedingt Punk oder Hardcore sein. Das kann alles Mögliche sein, ich muss halt nur „on fire“ sein. Natürlich gab und gibt es auch Enttäuschungen, aber darüber sage ich hier nichts, da ich das als zu persönlich empfinde, das gehört hier nicht her.
Wie viele Platten hast du schon rausgebracht?
Wenn ich ehrlich bin, weiß ich es gerade auch nicht, da ich eine Katalogisierung anhand von Nummern kategorisch ablehne. Aber so grob dürften es schon um die 80 Veröffentlichungen sein. Die Auflage variiert immer so zwischen 300 und 1.000 Exemplaren.
Auf welche Scheiben können wir uns dieses Jahr noch freuen?
Als Nächstes kommen im Herbst 2025 DIAZ BROTHERS aus Sunderland/UK. Das sind ehemalige HDQ- und ANGELIC UPSTARTS-Leute mit supergenialem Pop-Punk. Dann die SENSE/BOMBE-Split-LP mit Punk aus Bremen und Hamburg, plus eine Scheibe mit den genialen SHITSHOW, ebenfalls aus Hamburg. Das wird eine Granate, eine der besten Bands derzeit, High-Energy-Punk’n’Roll mit einer grandiosen Sängerin. Und für 2026 ist die Wiederveröffentlichung der „Kalashnikov Blues“-LP von POPPERKLOPPER zum 30-jährigen Jubiläum geplant, sowie eine neue Platte der FLICTS aus Brasilien.
Worauf legst du generell Wert bei deinen Veröffentlichungen?
Ich mag es, wenn Platten schön aussehen und eine aufwändige Gestaltung haben. Und wenn meine Veröffentlichungen erschwinglich sind. Aber in erster Linie muss mir das gefallen, was die Bands oder Künstler machen. Dabei muss es aber nicht unbedingt politisch sein. Wenn eine Band Liebeslieder schreibt oder über Saufen und Fußball singt, und das in Verbindung mit der Musik gut klingt, dann habe ich kein Problem damit. Klar dürfte sein, dass ich keinen Bock auf rassistische, diskriminierende Aussagen habe. Das gehört für mich zum Selbstverständnis. Da achte ich natürlich drauf. Und damit will ich auch nichts zu tun haben. Außerdem veröffentliche ich nur Tonträger von Bands, die auch noch existieren. Ich habe keine Lust, das Demo von anno dazumal der Band XY zu veröffentlichen. Da mangelt es den meisten Labels an Ideen, habe ich das Gefühl. Das überschwemmt den „Markt“ mit so vielen überflüssigen Veröffentlichungen. Mich nervt das schon manchmal. Da werden verschollene Aufnahmen einer Band aus dem Keller geholt, um den Rotz dann noch mal auf Vinyl zu pressen. Was für eine Rohstoffverschwendung. Ich möchte mit den Bands ja auch arbeiten und ihnen aktiv helfen, das ist mein Anspruch.
Du machst das Label ja „nebenbei“. Jemals darüber nachgedacht, dich ganz auf das Label zu konzentrieren?
Daran habe ich null Interesse. Da müsste ich Kompromisse eingehen, auf die ich keinen Bock habe. Ich kenne einige Labelkollegen, die versuchen, davon zu leben, bei den wenigsten klappt das. Und dann würde auch der Spaß auf der Strecke bleiben. Und in dem Metier, in dem ich mich mit Break The Silence Records bewege, lässt sich sowieso nichts verdienen. Ich habe einen Vollzeitjob und das Label betreibe ich als Liebhaberei. Ich kooperiere auch oft mit anderen Labels, wie zum Beispiel mit Anne und Christian von Attack Records, mit denen ich die erste FRONTALANGRIFF-LP gemacht habe, oder die LP ihrer Band STACHEL. Und ganz viel kooperiere ich mit Jef von AGROTÓXICO und FLICTS, der ja in Brasilien sein Label Red Star betreibt und unter anderem D.O.A., NEW MODEL ARMY, RATOS DE PORÃO oder RASTA KNAST veröffentlicht. Eine tolle Kooperation gibt es auch mit Mass Production aus Frankreich. Vincent ist ein absoluter Schatz! So eine Art der Zusammenarbeit wäre schwierig, wenn ich das als Job ansehen würde.
Mit welchen Bands würdest du gerne mal was machen?
Da gibt es endlos viele Künstler und Bands. Ich habe ja schon ein sehr breit aufgestelltes Roster an Bands mit allen möglichen Facetten. Pop-Punk, Streetpunk, Anarcho-Punk, Hardcore, Crust ... ich hätte Bock, die Palette noch etwas zu erweitern, da ich ja selber auch ganz viel unterschiedliche Musik höre wie Ska, Reggae, Metal, Rap, Industrial, Dancefloor, Pop. Allerdings habe ich kein Interesse daran, dass sich Bands bei mir bewerben. Ich bekomme im Monat zig Anfragen, ob ich deren Album veröffentlichen möchte. Das nervt mich tatsächlich. Meistens gehe ich auf die Bands zu und frage, ob sie mit mir zusammenarbeiten möchten. Shakehands und dann läuft das.
Mit welchen Problemen hast du zu kämpfen?
Probleme gibt es eine ganze Menge. Erst letztens hatte ich ordentlich Ärger mit der GEMA. Das hätte mir fast das Genick gebrochen. Da kam aus dem nichts eine Rechnung von mehreren tausend Euro. Ich musste mir da tatsächlich rechtlichen Beistand holen. Die GEMA hatte unterstellt, dass bei einer Veröffentlichung Lizenzrechte geltend gemacht werden, weil wohl der Name eines Musikers bei der Anmeldung aufgetaucht ist, der bei der GEMA gelistet ist. Das war ein unnötiges Hin und Her. Letztendlich stellte sich das als unwahr heraus. Ich habe mitbekommen, dass das gängige Praxis ist mittlerweile. Die GEMA verschickt einfach Rechnungen, dazu noch Drohgebärden und Mahnungen. Da ging mir teilweise echt die Düse. Die Methoden sind wirklich ähnlich wie bei der Mafia. Und mich kotzt an, dass die tatsächlich rechtlich am längeren Hebel sitzen und ich in der Beweispflicht stehe. Das sieht man gerade an der Verschärfung der GEMA-Auflagen. Als Veranstalter kann ich auch ein Lied davon singen. Kleine Clubs ächzen unter dem enormen Druck solcher Institutionen. Und jeder zittert vor der nächsten GEMA-Abrechnung. Was Tonträger angeht, spürt man auch den Anstieg der Rohstoffpreise. Machen wir uns nichts vor, Vinyl-Schallplatten sind mittlerweile ein Luxusgut. Und nachdem so Schwachmaten wie Helene Fischer, METALLICA und diese ganzen Majors auf den Geschmack gekommen sind, ihren ganzen Backkatalog wieder auf Vinyl zu veröffentlichen, werden die Preise dementsprechend weiter steigen. Und kleine Labels fallen hinten über. „Kleine“ Labels sind da irgendwie der Fußabtreter ... so kommt es mir oft vor.
Du machst viel Vinyl. Wie steht es um andere Formate?
Ich habe tatsächlich auch schon einige CD-Produktionen gemacht. Zum Beispiel habe ich für AGROTÓXICO, ÓDIO SOCIAL oder FLICTS parallel zum Vinyl auch die CD-Versionen gemacht, weil die Bands auf Tour waren. Ich habe auch CD-Only-Veröffentlichungen gemacht wie von der Band SCARRED SOCIETY aus Birmingham/UK, weil die das wollten, und die CD sich erstaunlich gut verkauft hatte. Von HEALER OF BASTARDS aus Birmingham gab es auch parallel CD-Veröffentlichungen. Ich selbst habe gar nichts gegen CDs, wenn diese auch dementsprechend aufgemacht sind, also mit Booklet, und die Spielzeit einer CD mit 80 Minuten voll ausgenutzt wird. Bestes Beispiel waren tatsächlich immer Weird System aus Hamburg, die sehr viel Herzblut in ihre CD-Releases gesteckt haben. Ich finde, CDs sind ein wirklich gutes Medium, viel für wenig Geld! Nur leider wurde in den 1990ern ganz viel Blödsinn mit der CD gemacht. Viel zu teuer verkauft ... und irgendwann waren CDs einfach nur noch überteuerter Ramsch. In vielen Ländern wird übrigens kaum bis kein Vinyl verkauft. Ich stelle das immer wieder fest, dass LPs Luxuswaren sind. Wenn ich zum Beispiel in Frankreich oder Großbritannien unterwegs bin, da kaufen die Leute tatsächlich lieber CDs, weil sie günstiger sind, was ich auch verstehen kann. Vinyl hat für mich seinen Reiz in der Haptik, ich lege gerne Schallplatten auf. Am besten finde ich tatsächlich LPs mit Klappcover – da stehe ich voll drauf. Allerdings habe ich mich von der 7“-EP weitestgehend verabschiedet. Ich werde auf Break The Silence keine Singles mehr veröffentlichen, weil der Preis einfach nicht mehr stimmt. Mittlerweile ist die Herstellung einer Single zu teuer, ich sage es ganz plump, du bekommst nichts mehr fürs Geld. Und die Leute kaufen echt selten 7“s. Ich selber habe auch einen großen Teil meiner Single-Sammlung verkauft. Vinyl-LPs sind übrigens auch schon schwierig zu verkaufen, was aber auch mit dem Überangebot an Veröffentlichungen zu tun hat. Und die Rohstoffpreise für Vinyl, da bin ich mir ziemlich sicher, werden steigen wegen des Zollchaos. Schallplatten sind eben ein Luxusgut geworden, das sich viele nicht mehr leisten können. Ich versuche noch, meine Veröffentlichungen halbwegs fair anzubieten, aber ich glaube, dass sich das bald nicht mehr rechnet, das tut es eigentlich jetzt schon nicht mehr.
Welche sind deine Lieblingsbands?
Meine Lieblingsbands und -künstler sind allen voran natürlich die, die ich selbst veröffentlicht habe, wie JUGGLING JUGULARS, AGROTÓXICO, STACHEL, TRUST ISSUES, DIAZ BROTHERS, RESTMENSCH, FRONTALANGRIFF, RAWSIDE ... Es gibt aber auch viele andere tolle Bands wie F*CKING ANGRY aus Bonn oder THE PILL aus Frankfurt, die sind derzeit eine meiner absoluten Lieblingsbands. Gnadenlos gut! Ich bin ganz großer Fan von Jello Biafra und allem, was er macht oder gemacht hat. DEAD KENNEDYS sind ganz wichtig, oder GUANTANAMO SCHOOL OF MEDICINE, die Projekte mit MELVINS, Mojo Nixon, D.O.A. oder NOMEANSNO. Ich liebe aber auch NOFX für alles, was sie gemacht haben. Mittlerweile habe ich auch mein Faible für alten Ska wiederentdeckt, ich fahre voll auf Laurel Aitken ab, THE SPECIALS, THE SELECTERS oder MADNESS. Dann verspüre ich auch ein großes Interesse gegenüber altem brasilianischen Samba, wie von Bezerra da Silva. Es darf aber auch gerne mal was à la NAPALM DEATH auf die Fresse geben, eine Band, die ich, seitdem ich härtere Musik höre, sehr schätze. In letzter Zeit höre ich auch ganz viel CHUMBAWAMBA oder PRODIGY. Ich lege mich da nicht so fest. Und natürlich liebe ich alte Punk-Klassiker wie DESCENDENTS, ASTA KASK, TERVEET KÄDET, THE DAMNED, LEATHERFACE, ANGELIC UPSTARTS, TOXOPLASMA, BUTTOCKS, ANGESCHISSEN, MOTÖRHEAD oder TON STEINE SCHERBEN. Und letztens ist mir wieder aufgefallen, wie gut ich eigentlich Udo Lindenberg finde, nachdem ich den Film gesehen hatte. Außerdem möchte ich euch die Bremer Punkband UNWUCHT unbedingt ans Herz legen und SASCHA UND DIE HERINGE aus Emden. Die finde ich supergeil!
Was ist deine Motivation, nach 20 Jahren weiterzumachen?
Ein Label ist ja eine Entdeckungsreise. Und solange es was zu entdecken gibt, wird es wohl auch Break The Silence Records geben. Das ist meine Motivation.
Planst du eine Geburtstagsfeier für dein Label? Du veranstaltest ja auch Konzerte.
Ich hatte zum zehnjährigen Jubiläum 2014 schon ein Festival in Oldenburg im Alhambra organisiert, zwei Tage lang, da hatte ich alle möglichen befreundeten Bands eingeladen wie BAMBIX, CHAOS UK, ALARMSIGNAL, VLADIMIR HARKONNEN, JUGGLING JUGULARS, INNER CONFLICT und was weiß ich noch alles. Das war geil, aber auch anstrengend. Da habe ich eine Woche gebraucht, um wieder klarzukommen. Wer weiß, vielleicht, vielleicht nicht, oder im kleinen Rahmen. Ich habe da noch keine Idee. Aber ich behalte das im Hinterkopf und vielleicht fällt dann auch der Groschen.
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Diskografie
V.A. „Tributo Ao Fogo Cruzado“ (CD, 2020) • SOCIAL EXPERIMENT „Anatomy Of Action“ (LP, 2021) • FRONTALANGRIFF „s/t“ (LP, 2021) • PISSCHARGE „Anatomy Of Action“ (LP, 2021) • CLUSTER BOMB UNIT „Raw Punk Commando“ (7“, 2021) • JUGGLING JUGULARS „Who’s Talking?“ (7“, 2022) • NEON NEON „Rot“ (LP, 2023) • PISSCHARGE „Crecimiento Es Muerte!“ (LP, 2023) • AGROTÓXICO „Era Do Caos“ (LP, 2023) • AÇÃO DIRETA „Na Cruz Da Exclusão“ (LP, 2024) • ÓDIO SOCIAL „Influenzas Sombrias“ (LP, 2024) • RESTMENSCH „Clown“ (LP, 2024) • STACHEL „StechReiz“ (LP, 2024) • TRUST ISSUES „Too White To Be Real“ (LP, 2024) • JUGGLING JUGULARS „Thirst For Hope“ (LP, 2025) • SIMBIOSE „Hope“ (LP, 2025)
© by - Ausgabe # und 8. November 2021
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Triebi Instabil