COVER-IKONEN: Shawn Kerri

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CIRCLE JERKS Skank Man (1980)

Ein stiefeltragender Kerl mit kurzgeschorenen Haaren in zerfetzten Klamotten, dazu Nietenarmbänder, Kettengürtel und verrenkte Arme in einem wilden Sprung: Der Slamdancer aka Skank Man oder Skank Kid ist das Abziehbild des südkalifornischen Hardcore-Kids der frühen 1980er in voller Aktion. In dieser Form festgehalten wurde die später zum CIRCLE JERKS-Maskottchen avancierte Zeichnung von Shawn Kerri (Shawn Maureen Fitzgerald) erstmals als Illustration und Teil einer insgesamt sechsstufigen Slamdance-Anleitung auf dem Textblatt des 1980 erschienenen CIRCLE JERKS-Debüts „Group Sex“. Die erste kolorierte Version folgte auf dem Backcover des Nachfolgealbums „Wild In The Streets“. Finanziell beteiligt an Erlösen aus der Verwendung des Skank Kids als Bandmaskottchen wurde Kerri einigen Quellen zufolge nicht, ihre Rechte soll sie zur Vermeidung einer juristischen Auseinandersetzung an die Band abgetreten haben.
Das ist allerdings längst nicht die einzige Legende, die sich um Kerri rankt, denn je nach Lesart fliegt sie spätestens seit Mitte der 1990er komplett unter dem Radar. Über ihren aktuellen Verbleib gibt es widersprüchliche Angaben: Manche behaupten, sie sei an den Folgen eines jahrelangen Drogenmissbrauchs gestorben, andere wollen herausgefunden haben, dass sie nach einem Verkehrsunfall durch bleibende Hirnschäden geistig schwer beeinträchtigt in Isolation lebt, wieder andere berichten von einem dramatischen Treppensturz, der Kerri in Alkoholabhängigkeit und Tod geführt haben soll.
Klar ist, dass sie nachweislich bis in die frühen 1990er Beiträge in diversen Untergrund-Comicmagazinen wie Cracked, Hustler, Cocaine Comix oder Commies from Mars veröffentlichte. In diesem Zusammenhang dürften ihre Strips in CARtoons, einem überdrehten Comicmagazin über die US-Muscle-Cars- und Hot-Rod-Szene, am bekanntesten sein. Der Animationskurzfilm „Adventures On The Isle of Adolescence“ (veröffentlicht 1994, entstanden aber schon ab 1987) ist das letzte im Netz auffindbare Lebenszeichen.
In den frühen 1980ern war sie außerdem ein zeichnerisch sehr aktiver Teil der SoCal-Hardcore-Szene mit einer besonderen Vorliebe für Totenschädel (1980 als kultiger Onepager festgehalten in ihrer persönlichen „Skull Hall of Fame“ inklusive Skull-Buchtipps), die sie auf diversen Flyern, Plattencovern und Konzertplakaten verewigte. Neben dem bereits erwähnten Skank Kid stammt auch das 1980 für einen Flyer gestaltete (inoffizielle) GERMS-Iroschädel-Logo aus ihrer Feder. Was tatsächlich mit Shawn Kerri passiert ist, bleibt wohl vorerst ein Mysterium. Vermutlich will oder wollte sie das auch genau so. Denn wie sie selbst in einem 1988 geführten, leicht anarchischen Interview mit dem CARtoons-Magazin feststellte: „I’m a sick puppy.“

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