CREEPING DEATH

Foto© by Addrian Jafaritabar

Gemeinsam stark

Als wir kurz vor der Deadline dieser Ausgabe mit Gitarrist Trey telefonieren, steht dieser gerade auf einem Parkplatz und verabschiedet sich von seinen Mitmusikern. Die Band hat soeben eine Tour mit CARCASS, SACRED REICH und MUNICIPAL WASTE hinter sich. Gleichzeitig steht der zweite Langspieler „Boundless Domain“ in der Startlöchern.

Ihr werdet von Oldschool-Death-Metallern oft noch als „Hardcore-Kids, die Death Metal spielen“ abgestempelt. Was sagst du nach all den Jahren noch dazu?

Ist mir ziemlich egal. Jeder da draußen hat seine Meinung. Mir geht es ehrlich gesagt darum, mit meinen Mitmusikern zu jammen und Spaß zu haben. Man kann nicht jeden zufriedenstellen, also versuche ich das erst gar nicht.

Nun kommt aus Texas derzeit richtig viel guter Death Metal. FROZEN SOUL und ihr seid in dieser Hinsicht die Flaggschiffe. Was ist bei euch im Wasser? Woher kommen all die guten Bands aus eurem Bundesstaat?
Haha. Wir sind quasi geografisch isoliert. Wenn du so willst, sind wir 24 Stunden von beiden Küsten entfernt. Wir haben zum Beispiel am Sonntag die Tour beendet und sind soeben erst angekommen, wie du siehst. Zu jeder Küste ist es eine ganz schöne Strecke. Wir bleiben hier also oft unter uns. Da ist es unumgänglich, dass man sich gegenseitig beeinflusst und so etwas ganz Eigenes entsteht. Egal ob Hardcore, Metal oder Punk – hier in Texas schert es niemanden, ob die Musik irgendwo anders spannend ist. Alle interessieren sich nur dafür, was innerhalb des Staats angesagt ist. Was national passiert, ist egal. Es ist wirklich einzigartig. Jeder hilft jedem, wo er kann.

Gibt es also zwischen den einzelnen Band gar keine Rivalität? Basiert alles auf Inspiration und Support?
Absolut. Die Flut hebt alle Boote. Wenn eine Band durchstartet, kann diese den Spot wieder auf andere lenken. Wenn du auf Tour gehst, bringst du deine Freunde mit, damit diese strahlen können. Die Musikszene ist wesentlich angenehmer, wenn man sich gegenseitig unterstützt .

Lass uns einen Schwenk zum Album machen. Die Songs darauf finde ich wesentlich vielschichtiger und besser strukturiert als noch auf euerem Debüt. War das ein Ziel von euch?
Wir hatten einfach mehr Zeit, uns mit dem Material zu beschäftigen. Wir haben die EP und die LP quasi gleichzeitig geschrieben. Alle Touren waren gecancelt und wir hatten daraufhin mehr Zeit fürs Schreiben. Deshalb konnten wir mehr über Dinge nachdenken und die Sache vielschichtiger machen. Außerdem hatten wir das erste Mal die Gelegenheit, mit einem Produzenten zusammenzuarbeiten. Auch er hatte ein paar Ideen, auf die wir sonst wahrscheinlich nicht gekommen wären. Kleine Dinge, eine Ebene hier oder ein zusätzlicher Part da, haben den Liedern geholfen.

Du sprichst von Adam D von KILLSWITCH ENGAGE. Ich war ein bisschen überrascht, als ich gelesen habe, das er euer Album aufgenommen und produziert hat. Wie seid ihr mit ihm in Kontakt gekommen?
Er ist so gesehen mit uns im selben Management. Er kam auf uns zu und wollte mit uns zusammenarbeiten. Es gab tatsächlich mehrere Leute, die auf uns zukamen. Wir haben uns dann aber für Adam entschieden. Gerade unser Bassist ist ein großer Killswitch-Fan. Wir alle mögen die Alben, die er produziert hat. Die klingen alle wirklich gut. Natürlich assoziieren ihn viele mit KILLSWITCH ENGAGE und Metalcore, aber George „Corpsegrinder“ Fisher von CANNIBAL CORPSE ist zum Beispiel einer seiner engsten Freunde. Mit dem hat er sogar eine eigene Band, SERPETINE DOMINION, die ich cool finde. Er kennt sich im Death Metal aus und hat auch viele Freunde in der Szene.

Hat Adam euch erklärt, warum er ausgerechnet euch produzieren wollte?
Weil er einfach unsere Musik mochte. Er hatte seit langer Zeit keine andere Band mehr produziert. Es war für ihn eine Herzensangelegenheit. Ihm war es wichtig, ein Projekt zu übernehmen, hinter dem er voll stehen kann.

Kam über ihn auch die Corpsegrinder-Connection zustande? Der singt ja bei „Intestinal wrap“.
So ungefähr. Aber auch der ist in unserem Management. Die kamen auf uns zu und fragten uns, ob wir daran interessiert seien, ein Feature mit ihm aufzunehmen. Das haben wir natürlich nicht ausgeschlagen.

Wie war am Ende die Arbeit mit Adam? Hat er euch gedrillt und zu Höchstleistungen getrieben oder war es eine entspannte Angelegenheit?
Wir hatten sehr viel Spaß, ehrlich gesagt. Adam ist sehr akribisch, gleichzeitig nimmt er dich aber auch gerne mal Hopps. Man lacht viel mit ihm. Einige werden sich in so einer Umgebung nicht wohl fühlen, unser Gitarrist A.J. und ich kommen aber aus einem Sportumfeld. Da bist du es gewohnt, dass du angetrieben wirst, um deine Bestleistung abzurufen. Ich kann es wertschätzen, wenn jemand versucht, mich zu fordern und zu fördern. Ich habe auch eine Lieblingsanekdote: Nach wiederholt schlechten Aufnahmeversuchen hat er sich irgendwann zu uns umgedreht und gemeint, wenn man meine rechte und A.J.s linke Hand kombinieren würde, hätte man zumindest einen guten Gitarristen bei ­CREEPING DEATH. Wir sind komplett vor Lachen zusammengebrochen.

Du bist ein sehr guter Stichwortgeber: Lass uns über A.J. sprechen. Das ist das erste Album, bei dem er für euch spielt. Wie prägt er den Sound?
Wie jeder in der Band hat er einen sehr ausgewählten Musikgeschmack und Interessen, die er mit einbringt. Er schätzt viele Bands, die ich zum Beispiel gar nicht höre, aus denen er Inspiration zieht. Er mag vor allem so dreckig klingendes Zeug. Bands wie UNDERGANG oder VASTUM. Außerdem ist er ein super Gitarrist und ein toller Typ, mit dem ich gerne abhänge.