DEAD END KIDS

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Glitzerpunks

Die drei sächsischen Glitzerpunks haben im September mit „The Power Of Now“ ihr viertes Album herausgebracht und ganz nebenbei auch noch die „Church of Glitzerpower“ gegründet. Caro, Fatima und Charlie sind mit der neuen Platte weiterhin kreuz und quer durch das Land auf Tour und wer die Band noch nicht live gesehen hat, sollte dieses unbedingt nachholen, denn neben schweißtreibender Glitzerpower hat die Band auch inhaltlich einiges zu bieten. Wir sprachen mit Gitarristin Caro über die Entstehung des neuen Albums.

Wie sind denn die ersten Reaktionen auf das neue Album ausgefallen?

Die sind bisher durchweg positiv. Zunächst müssen wir aber sagen, dass wir selbst mit dem Album, so wie es sich entwickelt hat, sehr zufrieden sind. Manchmal weiß man ja am Anfang noch nicht so genau, wo es hingehen wird, aber wir können von unserer Seite sagen, dass wir sehr glücklich mit dem Gesamtpaket sind, und das scheint auch bei den Leuten so anzukommen. Auch die Texte wurden bisher von den Hörer:innen gelobt. Bis auf eine Person, die die Texte als zu sperrig bezeichnet hat, aber da weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, was das bedeuten soll. Falls das heißt, dass die Texte einfach nur anders sind als üblicherweise im klassischen Pop/Rockzirkus, wäre das ja auch etwas Schönes. Ich selbst habe da gar nichts zu meckern, weil ich finde, dass wir uns produktionstechnisch sowie textlich und musikalisch ein ganzes Stück weiterentwickelt haben. Wir haben viele neue Dinge ausprobiert, Synthesizer eingesetzt, Uli Sailor das Saxophon einspielen lassen ... Da ist es natürlich umso schöner, wenn das Konzept am Ende aufgeht und das Ganze den Leuten gut gefällt.

Wie entscheidet ihr, wann es Zeit ist, ein neues Album aufzunehmen? Habt ihr irgendwann genug Stücke zusammen und beschließt, jetzt ins Studio zu gehen?
Nein, eigentlich nicht. Ich bin ein sehr strukturierter Mensch, und das Erste, was nach der Veröffentlichung des letzten Albums „Heiß und dreckig“ feststand, war der Studiotermin für das neue Album. Ich versuche immer, so grobe Kalkulationen von Zeitplänen zu machen und wusste ziemlich schnell, in welchem Zeitraum es günstig wäre, neue Songs zu veröffentlichen. Dann haben wir zuerst geschaut, in welches Studio wir überhaupt gehen wollen, was für uns interessant sein könnte, und haben dann den Thies in der Tonbrauerei besucht und bei ihm eine Probesession gemacht. Gleich danach haben wir die Studiotermine geblockt, obwohl wir noch gar nicht wussten, ob wir bis dahin überhaupt genug neue Stücke zusammen haben. Manche Bands haben ja einen so unfassbar großen Output, dass sie hundert Ideen auf zehn Songs eindampfen müssen, aber bei uns ist das tatsächlich nicht so. Es gab genau diese 14 Lieder und keines mehr, deshalb sind wir auch so froh, dass diese Songs so gut zusammen funktionieren.

Wie läuft der Prozess des Songwritings bei euch in der Band ab?
Prinzipiell hat da jeder von uns seine eigene Herangehensweise. Fatima und ich schreiben die Texte und dann haben wir meistens auch schon die Akkorde und Gesangsmelodien zu den einzelnen Parts im Kopf. Das nehmen wir zu Hause auf und laden die fast fertigen Songs mit Strophe und Refrain in unsere Cloud hoch. Dann sagen wir Bescheid, die anderen können sich das anhören und Rückmeldung geben, ob sie mit der Songidee etwas anfangen können oder nicht. Meistens steht oder fällt die Sache damit, ob Charlie sich vorstellen kann, zu den Stücken die Leadgitarrenparts aufzubauen. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass Charlie sich auch mal nichts vorstellen konnte und wir den betreffenden Track im Übungsraum trotzdem noch mal gemeinsam angefasst haben, weil wir der festen Überzeugung waren, dass aus der Idee doch noch etwas werden kann. Man musste nur mal genauer hinhören, in welche Richtung sich das eigentlich entwickeln sollte. „Z-Promis“ ist so ein Beispiel, wo ich den Text in zehn Minuten geschrieben hatte, die Gesangslinie war fertig und auch die Akkorde standen fest, dass sich daran im Übungsraum nichts mehr geändert hat. Wir mussten nur noch sehen, wie wir den Song spannender machen können, so dass es kein klassischer Punkrock-Schinken wird, sondern einen ganz bestimmten Vibe bekommt. Das Lied war sehr schnell geschrieben, wohingegen „HDGDL“ ein wirklich fürchterlicher Prozess war und mit Abstand das Lied, das mir in jeglicher Hinsicht die meisten Nerven geraubt hat. Ich war von der Melodie am Anfang des Songs so überzeugt, dass ich es unbedingt schaffen wollte, um dieses Lick herum ein Stück zu schreiben. Ich fand das so geil, aber am Ende war es eine der schwersten Geburten, die wir als Band jemals hatten. Jetzt sind wir mit dem Endergebnis sehr zufrieden, aber der Weg dahin war extrem schwierig und hat einige Sorgenfalten in meinem Gesicht hinterlassen.

Ist das neue Album mit Songs wie „Wieder“ oder „Hanami“ schwermütiger ausgefallen als die Vorgänger?
Das ist interessant, dass du das sagst, weil ich das Album gar nicht als besonders schwermütig wahrnehme. Das liegt wahrscheinlich daran, dass für mich andere Lieder viel präsenter sind als die zwei von dir genannten. Die zwei Songs sind natürlich düsterer als zum Beispiel „Angriff der Yogi-Ritter“, aber in allen Songs von uns gibt es ja diese kleinen, ironischen Momente, die für das gewisse Augenzwinkern sorgen, das wir ja auch bei unseren Live-Auftritten haben. Wenn ich mich auf der Bühne zu Fatima umdrehe, bin ich manchmal wirklich schockiert, was für einen aggressiven Blick sie beim Spielen draufhat. Ebenso gibt es Fotos von mir, auf denen ich so hasserfüllt aussehe, dass ich kaum glauben kann, dass ich das bin. Aber sobald der Song zu Ende ist, lachen wir ja eigentlich schon wieder und ich glaube, es ist dieser gute Mittelweg bei uns, dass wir trotzdem immer noch ein Augenzwinkern haben. Wir versuchen immer noch, allen Dingen etwas Positives abzugewinnen.

Nach dem bunten Gatefoltcover von „Heiß und dreckig“ wirkt das Artwork diesmal deutlich düsterer. Welche Idee steckt dahinter?
Nachdem die ersten Plattenhüllen doch sehr knallig ausgefallen sind, habe ich mir gesagt, ich fände es schon sehr cool, in Richtung Schwarzweiß zu denken. Einfach damit sich das Album auch deutlich von den anderen abhebt, außerdem hält ja immer quietschebunt auf Dauer auch keiner aus. Ich habe mich im letzten Jahr privat aus Spaß ganz viel mit Linoldruck beschäftigt und irgendwann habe ich mit dieser bestimmten Madonna gearbeitet und schließlich meinen Druck bei uns in die Chat-Gruppe gestellt, weil ich das Motiv ganz spannend fand. Während der Songwritingprozess und die Arbeit am Artwork so parallel liefen, haben wir uns gefragt, wie wir jetzt diese Madonna mit dem Glitzerpower-Motiv verbinden können, und so ist das Konzept der „Church of Glitzerpower“ entstanden. Unsere Labelmama Tüddel von RilRec und Pedi haben das Cover dann gemeinsam gestaltet. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können, denn es sind so kleine Gimmicks, die diese Madonna zur Glitzerpowermadonna werden lassen. Da sind die Flying V-Gitarren auf dem Gürtel oder auch unsere Augen, die als Collage mit hinein geschnippelt worden sind, und so hat das Ganze zusammen mit der heiligen Schrift, die wir als Textbeilage beigefügt haben, für die „Church of Glitzerpower“ einfach eine runde Sache ergeben.

Wie sind die Aufnahmen in der Tonbrauerei in Berlin für euch gelaufen?
Wenn wir ins Studio gehen, ist das Wichtigste für THE DEAD END KIDS immer der Kuchen. Ohne Kuchen geht nichts im Studio. Auch wenn wir live unterwegs sind, ist das Wichtigste immer die Essensversorgung. Aber im Ernst, wir haben unsere Parts nacheinander eingespielt, also zuerst hat Fatima die Drums eingespielt, dann Charlie die Bassparts und danach kamen die Rhythmus- und Leadgitarrenparts dran, wobei es bei diesem Album eine große Besonderheit gab. Ich hatte mir im Oktober 2024 den Radiuskopf gebrochen und im November wollten wir ins Studio gehen. Der Radiuskopf ist dafür verantwortlich, dass man den Arm drehen kann und der Arzt hat mir natürlich direkt das Gitarrespielen verboten. Ich hatte das große Glück, dass wir schon im Juni für ein Wochenende bei Thies im Studio gewesen waren und ich immerhin vier Songs bereits im Kasten hatte. Bei den anderen zehn Songs musste Charlie alle meine Parts übernehmen und ich habe nur daneben gestanden und Anweisungen gegeben. Charlie hatte also eine extreme Doppelbelastung, während ich als „Feelgood-Managerin“ unterwegs war und dafür gesorgt habe, dass es allen gut geht und wir ausreichend mit Kaffee und Essen versorgt sind.

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