© by Sara AlmgrenIn dieser Rubrik befragen wir Menschen aus der Szene zu ihrer Nutzung von (nicht nur) sozialen Medien. Die bestimmen unser aller Leben, aber es wird erstaunlich wenig darüber geredet, wer was wie nutzt. Diesmal beantwortet Dennis Lyxzén von REFUSED unsere Fragen.
Bitte verrate uns, welche Social-Media-Plattformen du privat und geschäftlich nutzt, in welchem täglichen zeitlichen Umfang, und warum diese und warum jene kaum oder nicht.
Also, ich nutze die üblichen Verdächtigen. Ich hab Instagram und Facebook und bin seit kurzem auch bei Bluesky dabei. Ich würde sagen, dass ich Social Media zu 95 % für „geschäftliche“ Zwecke nutze. Ich poste selten was über meinen Alltag oder persönlichere Sachen. Ich poste etwas über Shows, die ich spiele, Alben, die rauskommen, und so was. Das heißt auch, dass ich nicht viel Zeit mit Social Media verbringe.
Welche Quellen nutzt du, um dich musikalisch zu informieren?
Informationen über neue Musik und Kunst bekomme ich in der Regel, indem ich ausgewählten Personen, Bands und Plattenlabels folge, die mir auf Plattformen wie Instagram gefallen. Ich schaue selten in Blogs und Online-Magazinen vorbei. Aber ich nutze Allmusic und natürlich Discogs, wenn ich mich in meine Plattensammlung vertiefe.
... und welche für politische und gesellschaftliche Themen?
In Sachen Politik versuche ich, Bluesky zu nutzen, bin aber noch neu dabei. Außerdem folge ich dem linken französischen Magazin Le Monde Diplomatique. Ich folge auch ein paar YouTube-Kanälen, die sich mit Politik beschäftigen, wie zum Beispiel Zeteo.
Und wie sieht es mit Printmedien aus?
Gedruckte Medien kaufe ich immer noch, wenn ich sie finden kann. Ein großartiges schwedisches Magazin heißt Trauma, und Le Monde Diplomatique lese ich sogar größtenteils in gedruckter Form.
Welches Nutzungsverhalten hast du bei dir selbst beobachtet über die Jahre?
Ich habe in den letzten Jahren meine Zeit in den sozialen Medien reduziert. Das endlose Scrollen und die Suche nach schnellen Kicks sind nicht so toll, vor allem für jemanden, der sich generell schwer konzentrieren kann. Ich finde, dass es einfach Zeitverschwendung ist, ohne richtigen Grund auf sein Handy zu starren.
Deine Prognose: Wohin geht die Reise in Sachen Informationsquellen?
Ich versuche, selektiver zu sein, was ich online mache und wie ich mich verhalte. Ich habe die meisten meiner Streamingdienste gekündigt, mir einen Blu-ray-Player gekauft und meine DVDs vom Dachboden geholt. Ich nutze Streamingdienste für Musik nur, wenn ich auf Reisen bin und das meine einzige Option ist. Auch bei den Bands, in denen ich spiele, versuchen wir, uns so aufzustellen, dass wir nicht von Streamingdiensten abhängig werden. Das erste Album von VÄNNÄS KASINO gibt es immer noch nur auf Vinyl, auch das BACKENGRILLEN-Album, das später in diesem Jahr erscheint, wird nur auf physischen Tonträgern und vielleicht auf Bandcamp erhältlich sein. Ich habe das Gefühl, dass wir als Musiker zu Gefangenen der Streamingdienste werden, die sich im Allgemeinen einen Dreck um uns und unsere Musik scheren, und dass wir dankbar sein sollen, dass sie uns auf ihre Plattform „aufnehmen“, damit sie Milliardäre werden und sich Waffensysteme kaufen können. Ich habe echt keine Ahnung, wo das alles noch hinführt. Es scheint, als wollten die Leute nur schnelles Entertainment, niemand liest lange Artikel und niemand ist wirklich daran interessiert, etwas zu lernen. Ich liebe Bücher und ich liebe physische Medien im Allgemeinen, aber bei der Geschwindigkeit, mit der sich alles entwickelt, scheint niemand mehr Zeit dafür zu haben. Ich schätze, wir bewegen uns auf eine Art Idiokratie zu, in der die Leute zu allem eine Meinung haben, aber zu nichts die Fakten kennen.
Zum Schluss: Wo vertrödelst du gerne deine Onlinezeit ganz sinnfrei und rein zum Spaß?
Ja, ich verbringe auch gerne manchmal etwas Zeit online. Mein Lieblingskanal auf YouTube, den ich regelmäßig verfolge, ist Red Letter Media.
© by - Ausgabe # und 22. Oktober 2020