
Als musikliebhabendes Individuum in Frankfurt und Umgebung führt man ein ambivalentes Leben. Einerseits gibt es so gut wie täglich irgendwo in unserem Ballungsraum, wenn man diesen großzügig auslegt, irgendetwas auf die Ohren. Zwischen Kassel und Karlsruhe oder Mainz und Hanau gibt es viele wunderschöne kleinere und größere Venues. Andererseits drängt sich die Elektro-Hochburg Frankfurt einem auch nicht gerade auf, wenn man nicht ständig auf der Suche nach der nächsten Live-Perle ist. Besonders das „Mal-Eben-So“ Musikerlebnis für Kurzentschlossene gibt sich doch eher rar.
Da erscheint es doch umso wichtiger, der begierigen Meute da draußen den Dreikönigskeller am Frankfurter Museumsufer näher zu erläutern respektive ans Herz zu legen. Im Schatten der Dreikönigskirche, eigentlich genau in der Mitte der Stadt, fast am Mainufer gelegen, befindet sich eben dieser direkt am Eisernen Steg. Über den Eingang im Hof, in dem im Sommer nun auch Feste oder „die Hofkneipe“ stattfinden, gelangt man in das eigentlich zu kleine, jedoch wohlig vollgeschwitzte, geschichtsträchtige Gewölbe, in dem sich in den letzten Monaten doch so Einiges getan hat.
Zum Inventar gehören mittlerweile eine auffallend gute PA sowie ein gut ausgestattetes DJ Pult. Und auch der über die Stadtgrenzen bekannte Glitzer-Backdrop der Bühne wurde liebevoll saniert. Außerdem trifft man auf eine stetig wachsende Anzahl illustrer Stammgäste, die sich so gar nicht in den modischen Kommerz-Mainstream der Stadt einfügen, sondern „den Keller“ eher in einer der alternativen Hochburgen des Kontinents vermuten lassen.
Doch woher kommt der frische Wind im Keller? Seit September 2024 leitet Conny Sabais die Geschicke im DKK. Während ihrer Zeit hinter der Theke des Frankfurter Feinstaubs und des DKK selbst erkannte sie früh die Seele des Kellers. Als sich beim Austrinken der Kult-Bar Backstage im Frankfurter Nordend die Gelegenheit bot, teilte sie ihre Idee dem damaligen Betreiber Niko mit und als der Keller ein gutes Jahr später in existenziellen Nöten war, stieg sie ein und packte an.
Gemeinsam mit ihrem Mann Tobi, ein paar helfenden Händen aus der Szene und auch Niko, der weiterhin an Bord ist, nahm sie sich dem wichtigsten Bereich, den Live Events, an. Neben der Neuverkabelung und der Inbetriebnahme der neuen PA- und Lichtanlage hat auch das Booking an Fahrt aufgenommen. Von Punk bis Hardcore, von Stoner bis Bluegrass – weit über 100 Bands hat der Keller in den letzten zwölf Monaten in seinem Gewölbe begrüßt, eine wilde Mischung großartiger Live-Bands aus der ganzen Welt. So hat sich der Keller über die letzten Monate zu einem Ort entwickelt, den man schnell mal „aus Versehen“ aufsucht, um noch kurz zu sehen, was so los ist.
Highlights der letzten Wochen und Monate waren u.a. SPLIT DOGS, DEVILS, MUCK AD THE MIRES, THE ROXIES, LOMBEGO SURFERS, VIBRAVOID, GEWALT oder THE MOVEMENT. Also Leute, geht raus, hört Musik, seid großartig und nett zueinander.
Dreikönigskeller
Färberstraße 71
60594 Frankfurt am Main
[email protected]
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thorsten Biela