
Die französische Metal-Szene wächst und gedeiht. Da wir hier häufig nur die großen Namen und Aushängeschilder mitbekommen, ergibt es durchaus Sinn, sich näher mit der Szene unserer Nachbarn zu beschäftigen. Man könnte überrascht werden, findet auch Thomas, Schlagzeuger von DUST IN MIND.
In den letzten Jahren erlebt Metal in Frankreich einen regelrechten Boom. Würdest du dem zustimmen? Wie siehst du die Szene?
Auf jeden Fall, die Metal-Szene hierzulande ist mittlerweile stark gewachsen. Dabei entstand eine ganze Reihe an Bands, die die verschiedensten Stile erkunden und dennoch eine starke Identität bewahren. Was hier in Sachen Metal passiert, scheint jetzt auch international mehr Beachtung zu finden, was großartig ist! Aus der Perspektive von DUST IN MIND ist es inspirierend, Teil eines so dynamischen und kreativen Umfelds zu sein.
Setzt euch das auch ein bisschen unter Druck, hier mithalten zu müssen? Ist das vielleicht sogar etwas Gutes, weil es euch dazu antreibt, innovativ zu bleiben?
Da existiert definitiv eine Art Druck, aber der ist eher motivierend als stressig. Immer wieder zu erleben, wie Bands starkes Material veröffentlichen, spornt uns an, uns ständig zu verbessern und uns selbst herauszufordern. Es ermutigt uns, mehr zu experimentieren und nicht in unserer Komfortzone zu verharren. In diesem Sinne ist es ein sehr positiver Druck – er hält die Kreativität am Laufen und hilft uns, als Künstler zu wachsen.
„HCNO“ ist ein Konzept-Album. Kannst du uns etwas über die Idee dahinter erzählen? Ist das Thema damit abgeschlossen oder werdet ihr es in Zukunft wieder aufgreifen?
Das Album erzählt die Geschichte eines Einzelnen, ist aber so angelegt, dass sich jeder damit identifizieren kann. Im Kern geht es darum, seinen Platz in der Welt zu finden. Und dafür muss man sich selbst hinterfragen. Der wahre Kampf findet nicht mit anderen statt, sondern oft in einem selbst. Man muss in der Lage sein, sich selbst ehrlich zu begegnen, bestimmte Muster zu durchbrechen und sich neu zu erfinden. Es ist ein komplexer und heikler Prozess, der Zeit und Erfahrung erfordert. Das ist nichts, was man mit 15 durchmacht. Wenn man älter wird, gewinnt man an Überblick und beginnt, sich mit seinen Fehlern auseinanderzusetzen. Das Album begleitet diese Reise, durch Höhen und Tiefen und auch schwierige Momente, in denen man gezwungen ist, sich mit Dingen zu konfrontieren, denen man lieber ausweichen würde. Das kostet enorm viel Energie. In gewisser Weise ist es sogar ein egoistischer Prozess, weil man sich nach innen wenden und auf sich selbst konzentrieren muss. Aber sobald man endlich seinen Platz gefunden hat, breitet sich ein Gefühl der Ruhe aus. Man erreicht einen Punkt, an dem man mit sich selbst im Reinen ist, sich selbst versteht und akzeptiert. Von da an ist man in der Lage, anderen etwas zurückzugeben. Bis man diesen Punkt erreicht hat, hat man eigentlich nichts zu bieten, weil die gesamte Energie nach innen gerichtet ist. Auf dem Album geht es um diesen Kreislauf: seinen Platz finden und diese Energie dann wieder teilen. Es ist ein ständiger Austausch. Und ja, dieses Album ist nur der Anfang. „HCNO“ ist das erste Kapitel von etwas Größerem. Alles ist miteinander verbunden und wird sich weiterentwickeln. Im Kern ist es eine recht umfassende Geschichte, mit der sich jeder auf seine eigene Weise identifizieren kann.
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #92 Februar/März 2022 und Marcus Buhl
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Sebastian Koll