
ELSE ADMIRE, der singende Metzger aus Breitengüßbach, ist in seiner Heimatgegend um Bamberg längst schon eine lokale Berühmtheit. Es gibt kaum eine Party, wo man ihn, ob nun mit oder ohne Einladung, nicht trifft , und ebenso selten verlässt er solche noch auf beiden Beinen stehend. Ein Typ also, wie man ihn in fast jeder Stadt trifft , wenn er nicht eines Tages zufällig die Gitarrenspielerei entdeckt hätte und von diesem Tage an sein Publikum mit feinsinnigen Klängen zu erfreuen gedachte. Während er live meistens alleine auf der Bühne steht, hat er sich vor Kurzem ein paar Begleitmusiker, die BREITENGÜSSBACH DOLLS, angemietet, um seine erste Hitsingle „Metzgereiverkäuferin" einzuspielen, eine Mischung aus HELGE SCHNEIDER, LOKALMATADORE und deutschem Schlager. Leider befindet sich ELSE ADMIRE, der von sich selbst behauptet, er sei der erste Metzger, der auch intellektuell reden könne, seit der POPKOMM auf einem äußerst zweifelhaften, drittklassigen Polit- und Esoterik Trip. Vor dem Interview vertraute er mir noch an, dass er froh sei, dass ihm sein Unterbewusstsein plötzlich ins Bewusstsein gerutscht ist. Dies ist wohl auch nicht weiter verwunderlich, denn bei so wenig Bewusstsein muss ja auch massig Platz für's Unterbewusstsein vorhanden sein. Doch dazu mehr im folgenden Interview mit einer wahren Kultpersönlichkeit.
Herr Admire, es geht los...
Ich bin ganz schön aufgeregt.
Dann erzähle uns doch erstmal Deinen bisherigen Lebenslauf.
Ist dir da nichts besseres eingefallen? Ich denke, ich soll ein Interview geben. Ich bin hier doch nicht bei einem Amt.
Wie bist Du damals zu dem ungewöhnlichen Künstlernamen ELSE ADMIRE gekommen?
Da frägst Du am besten jemanden, der es weiß.
Wie und warum bist Du zum Punker geworden?
Werde Du mal die ganze Zeit ausgelacht, dann wirst Du auch zum Punker.
Und wie erklärt sich Deine Liebe zum Schlager?
Werde Du mal die ganze Zeit ausgelacht, dann wirst Du auch zum Schlagersänger.
Deine Musikerkarriere hat ja bei einem Sängerwettbewerb im Vorprogramm von KING ROCKO SCHAMONI begonnen. Wie ist es dazu gekommen ?
Falsch. Er war im Nachprogramm von mir. Ich erzähle jetzt erst mal die ganze Geschichte. 1987 bekam ich eine Gitarre geschenkt und habe meine ersten Konzerte gegeben. Fast jeder, der meinen ersten offiziellen, plakatierten, öffentlichen Konzerten beiwohnte, war enttäuscht und verärgert. Kurz gesagt, ich habe noch nie ein Live-Konzert gesehen, auf dem so viele Becher geflogen, wo so viele Flüssigkeiten, Beschimpfungen und Enttäuschungen, auf einem Haufen zusammengekommen sind. Von einem Kumpel hörte ich dann später, daß KING ROCKO SCHAMONI ohne Vorband durch Deutschland tourt und im Vorprogramm einen Sängerwettbewerb laufen hatte, bei dem jeder, der meint etwas zu können, mitmachen konnte. Das Konzert im Zapfendorfer „Top Act" war dann ein riesiger Flop, denn es waren nur etwa 20 Leute da und trotzdem hat ROCKO dem Publikum noch eine Kiste Bier spendiert. Jedenfalls hat damals noch so ein Kabarettist und eine andere Band mitgemacht, aber ich war wieder mal der Schlechteste. Ich habe dann natürlich nur gewonnen, weil ein paar Kumpels von mir dort waren und die haben logischerweise alle für mich gestimmt. Allerdings musste ich danach auch noch jedem von ihnen ein Bier spendieren. Zur Endausscheidung bin ich dann nach Hamburg gefahren und habe dort wieder gewonnen , weil ich der Schlechteste war. Wer das nicht glaubt, kann es übrigens in der Zeitschrift „Die tobende Mumie" nachlesen. Dort steht es so ähnlich drin.
Der Hauptpreis dieses Wettbewerbs war dann ein Song von Dir auf der nächsten ROCKO SCHAMONI-Maxi. Wie ist es also weitergegangen?
Polydor bzw. Mark Chung vom Freibank Musikverlag, haben mir 300 Mark für die Aufnahmen geschieht, die ich natürlich gleich anderweitig verbraucht habe, denn für DM 300 kann man sowieso nicht ins Studio gehen. Ich habe lieber eine handelsübliche Kassette genommen, bin in den Keller gegangen, auf „Play" und „Aufnahme" gedrückt und einfach drauflosgejamt. Ansonsten bin ich jetzt auf dieser Maxi-Single „Nackt in Las Vegas" vertreten, die leider auch als CD erhältlich ist. Diese Platte hat sich angeblich über 5.000 mal verkauft, aber ich habe davon keinen Pfennig gesehen, genauso wie Freibank und ROCKO SCHAMONI. Lediglich Polydor hat damit wohl Kasse gemacht, weil das ja ein riesiger Konzern ist.
Deine Texte zu Songs wie „Fahrscheinkontrolle" oder „ Ordnungswidrigkeit" tragen ja stellenweise sehr autobiographische Gesichtszüge. Hast Du eigentlich oft Stress mit den Hütern von Gesetz und Ordnung?
Stress mit Bullen habe ich natürlich schon oft genug gehabt. Ich kann da mal ein Beispiel nennen, obwohles da viele gibt. Also ich sitze da am Gabelmann in Bamberg, wo sich Persönlichkeiten treffen und gesellschaftlich verweilen, d.h. es wurde kräftig gesoffen. Wir tranken Wein, es wurde lautstark und Flaschen gingen zu Bruch. Ein Auto mit Polizisten, sogenannten Staatsdienern, hielt an, und der erste Spruch, der aus dem Auto heraus-schallte, lautete: „Asylantenpack und sich dann hier den Arsch vollsaufen." Punkt!
Ansonsten fährst Du aber textlich mehr auf dieser Fun-Punk-Schiene?
Widerspruch. Ich mache keinen Fun Punk. Fun-Punk gibt es gar nicht. Das ist eine Erfindung der Bravo. Ich mache Musik mit Aussagekraft. Wer meine Texte lustig findet, kann dar über lachen, wer sie versteht, kann darüber nachdenken. Mit Fun-Punk lassen sich die ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN abstempeln, aber ich nicht.
Bei Deinen Live-Auftritten verarschst Du ja das Publikum stellenweise auch recht derbe. Hast Du da schon mal eine auf's Maul bekommen?
Eigentlich nicht. Es gab bisher nur verbale Attacken bezüglich des Themas Sexismus. Faschismus komischerweise noch nicht, Christenverfolgung auch noch nicht. Die Leute hören halt meine Texte, finden sie witzig, aber kapieren den Inhalt meiner Worte nicht.
Du bist ja dafür bekannt, bei Deinen Konzerten auch immer prima Frauen abzuschleppen. Wie ist es denn um Dein Sexualleben bestimmt?
Also, was mein Sexualleben betrifft, da bin ich völlig offen. Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, egal wie er aussieht oder was für ein Typ er ist, wird begehrt. Bei mir persönlich sieht es so aus, dass ich meistens nur auf Show gemacht habe, so mit „Hey Babe, Hey Babe, blablabla" und das interessante dabei ist, dass Frauen noch echt so naiv sind und auf die plumpeste Anmache reinfallen. Sehr billig. Und dann bin ich ein Sexist, sehr komisch.
Ursprünglich bist Du aber ausgezogen, um Rockstar zu werden?
Ja, aber jetzt bin ich einer und habe keinen Bock mehr darauf.
Wie ist es zu dieser seltsamen Wandlung gekommen?
Jeder, der Musik macht, der das Musikgeschäft kennt, weiß, wie das Musikgeschäft ist. Jeder hat die Möglichkeit, sich da einzuordnen oder etwas dagegen zu tun. Ich kenne das Business jetzt mittlerweile sehr genau und ich find's scheiße. Sobald sich Musik mehr als ein paar tausend mal verkauft, sobald jemand anderes als der Künstler alleine daran verdient, hat das nichts mehr mit Kunst zu tun. Ich scheiße auf die GEMA, ich scheiße auf jeden Manager, der jetzt ankommt und mich promoten will und ich scheiße auf jeden, der mir jetzt einen Werbevertrag anbieten will. Ich steige einfach aus, denn ich habe die Möglichkeit.
Aber Du warst in der GEMA drin?
Wenn ich bis zum 22.12.1994 kein Geld überwiesen habe, kommt von der GEMA eine Mahnung und dann wohl ein Zahlungsbefehl. Nach der ersten Mahnung schreibe ich denen einen persönlichen Brief, mit der Aufschrift „Gebühr bezahlt Empfänger". Falls der Brief zurückkommt, sage ich: „Ihr habt die Annahme verweigert. Ihr hattet im Jahre 1993 über 119 Milliarden Markt Erträge (Prust! d.T.). Ich habe nichts". Für mich hat Geld keinen Wert mehr, seit ich Industrielle auf der Kölner Musikmesse namens POPKOMM, präsentiert von VIVA, gesehen habe, bzw. VIVA präsentiert die POPKOMM. Schwachsinn, denn das ist alles dasselbe. Das ganze System ist total verstrickt. Ein Sender wieVIVA oder MTV gehört nicht unwesentlichen Konzernen, was das Weltgeschehen betrifft. Wer das nicht glaubt, ist naiv. Man muss sich jetzt aber noch die Aggressivität dieser Zeilen dazudenken, damit ihr wirklich checkt, was Sache ist.
Seit Du auf der POPKOMM gewesen bist, lehnst Du Geld völlig ab. Du arbeitest momentan auf dem Bau für umsonst. Wie sieht Dein Leben jetzt so aus?
Ich arbeite nicht für umsonst. Ich arbeite freiwillig dort und bekomme, was ich will. Ich will aber nicht viel, ich stelle dort keine Anforderungen. Ich bekomme etwas zu Essen und zu Trinken. Was zum Anziehen ist gar nicht mehr nötig. Was ich will, ist mein seelisches und körperliches Gleichgewicht wiederherzustellen und beizubehalten. Das kann ich nur machen, indem ich mich selbst um mich kümmere. Jemand der denkt, er könne mich kontrollieren , wie z.B. staatliche Institutionen, sprich Ämter, können mich nicht kontrollieren. Ich bekam einen Brief, da stand drauf: „Mit freundlichen Grüßen...Ihr Kreiswehrersatzamt". Mittlerweile habe ich den Wert der Worte begriffen. Ein Kreiswehrersatzamt ist ein Gebäude und kann gar nicht freundlich grüßen. Inzwischen bin ich ausgemustert, da ich amtlich nicht als wehrdienstfähig zähle.
Und was ist mit dem Geld, das dir nichts bedeutet?
Es gilt ja Zeichen zu setzen und Zeichen kann man nur setzen, indem man etwas tut. Ich kann keine Zeichen setzen, indem ich nur ein Feuerzeug anzünde. Wenn ich sage, dass Geld mir nicht wichtig ist, ich es aber trotzdem benutze, dann setze ich kein Zeichen. Ich lehne jeden Umgang mit dem Medium Geld ab, und zwar strikt.
Du wohnst auch noch daheim bei deinen Eltern, aber wie stellst Du Dir das vor, wenn Du mal von Zuhause ausziehen willst?
Ich wohne nicht zuhause. Mein Zuhause ist jede deutsche Großstadt. Freunde hat man überall. Mein registrierter Wohnort ist zwar Breitengüßbach , aber ich habe auch die Möglichkeit umsonst irgendwo anders zu wohnen und zwar problemlos. Es ist nur wichtig, dass mich genügend Leute kennen. Ich nutze die Mietwohnung meiner Eltern lediglich über Nacht als Unterkunftstätte.
Und wie willst Du ohne Geld Deinen täglichen Suff finanzieren?
Ich gebe da z.B. ein Interview für eine Zeitschrift namens Ox und da steht die Bierkiste im Eck. Wenn ich ein Bier will, nehme ich mir es einfach, ohne zu fragen.
Das funktioniert zwar heute, aber was machst Du morgen?
Mal schauen, vielleicht kommt morgen das „ZAP" oder das „Trust". Vielleicht auch das „Scumfuck", die haben bestimmt mehr Bier als ihr. Oder mal sehen, wieviel Bier die „Bild-Zeitung" hat. Außerdem kriege ich ja für meine Arbeit auf dem Bau immer eine Kiste Bier. Wenn jemand zu mir nach Hause kommt, der findet bei mir immer ein Bier, falls am Abend vorher niemand mit großem Durst da war, das ich ihm dann auch gerne anbiete. Außer er mag kein Bier, dann kann ich ihm höchstens ein Glas Wasser anbieten.
Alkohol spielt in Deinem Leben sowieso eine sehr große Rolle. Hattest Du eigentlich jemals Angst, zum totalen Alkoholiker zu werden?
Ja natürlich. Früher bin ich immer noch besoffen zur Arbeit getrampt oder besser noch, mit dem Skateboard gefahren. Heute trinke ich nur noch in Gesellschaft.
Und früher war das anders?
Eigentlich nicht. Das Problem ist, ich bin immer in Gesellschaft. Ich kriege halt oft Geschichten von Dritten über mich zu hören und da frage ich mit oft, wer sich denn den Schwachsinn nun wieder ausgedacht hat. Davon weiß ich dann immer gar nichts. Oder die Sache mit Partys. Da wache ich morgens auf und frage mich, was mache ich hier, wie bin ich hierher gekommen. Das einzige woran ich mich noch erinnern kann, ist eine Party und ein geklautes Fahrrad. Dann gehe ich raus, kann mich nicht orientieren, stelle fest, dass ich auf irgendeinem Dorf bin, laufe zum Ortschild und trampe heim. Alkohol ist im Prinzip trotzdem eine Scheißdroge, denn er macht aggressiv.
Du willst deine Ansichten ja nun auch der breiten Öffentlichkeit zugängig machen und hast auch schon mal etwas von zukünftigen Fernsehauftritten erzählt. Gibt es da mittlerweile schon konkrete Pläne?
Nein, es bringt einfach nichts, im Fernsehen nur ein Musikvideo zu zeigen. Das läuft sowieso nur nebenbei. Was wirklich zählt sind Aussagen. Deshalb will ich lieber in Talkshows reinkommen. Ich warte nur noch auf Angebote und die kommen auch garantiert.
Dein neuester Plan ist die Regierung zu stürzen.
Nein. Das waren meine Pläne von gestern. Und Adenauer sagte ja schon: „Was geht mir mein Gerede von gestern an". Was aktuell ist, und dafür braucht man mich nicht für einen Utopisten zu halten, ich werde mich jetzt aktiv für den Weltfrieden einsetzen. Ich habe da auch schon verschiedene Konzepte, aber man wird mich für verrückt oder schizophren erklären, wenn ich jedem einzelnen diese Konzepte erläutern werde. Der Sturz der Regierung besteht darin, mit den Staatsdienern, sprich Politikern, Kontakt aufzunehmen und sie zu fragen, für was sie stehen. Der deutsche Staat, wie er in den Medien dargestellt ist, existiert so nicht.
Du hast auf der POPKOMM mit Deiner Single ja ganz gut für Furore gesorgt. Sind daraufhin schon Angebote gekommen?
Ja. Und ich habe alle abgelehnt. Weil es um Geld ging und ein Kultstar kann man nur sein, wenn man kein Geld verdient. Kult hört da auf, wo es mit Geld anfängt. Und wenn jemand behauptet, Glen Danzig wäre Kult, ist er für mich nur dumm. Wenn er meint, die SEX PISTOLS seien Kult, meinetwegen. Aber wenn jemand sagt, John Rotten, jetzt heißt er ja John Lydon, sei Kult, der ist dumm. John Lydon mit seiner Band P.I.L. ist auf Virgin Records. Er hat künstlerische Freiheit, aber seine Person wird vermarktet, egal was er macht. Wird sie nicht mehr vermarktet, sinken die Verkaufszahlen und er ist weg vom Fenster. Dasselbe gilt für die TOTEN HOSEN. Wenn die jetzt über Nacht Jazzmusik machen würden, ohne Texte, nur instrumental, würde es keine Sau mehr kaufen. Wenn die nichts verkaufen, sagt die Firma „Solche Typen brauchen wir hier nicht. Fristlos gefeuert". Auch wenn es einen Vertrag gibt. Es gibt da so viele Klauseln und jemand, der die Verträge kennt, weiß wie man sie brechen kann. Wer nun doof ist, so als junge Band. Beispiele sieht man jeden Tag auf VIVA, die unterschreibt halt dann irgendwie so einen Vertrag und sind meiner Ansicht nach selbst dran schuld. Die bewegen sich im industriellen Kapitalismus.
Was machst Du jetzt eigentlich mit Deinen ganzen restlichen Singles? Verkaufen kannst Du sie nun nicht mehr, da Du ja kein Geld mehr annimmst.
Schon mal was von tauschen gehört? Ja, und verschenken auch. Aber natürlich nicht an jeden, denn da könnte ja jeder kommen. Ich habe einer Firma namens We Bite das Angebot gemacht, die Schablonen für die Vinylpressung der „Metzgereiverkäuferin"Singles, beim Masteringstudio in München kostenlos anzufordern, die Singles zu pressen, ihren „We Bite"Stempel draufzumachen und die Teile zur Promotion einer jeden Bestellung unter 50 Mark gratis beizulegen. Sie dürfen sie aber nicht verkaufen.
Wie gedenkst Du in Zukunft deine Platten zu finanzieren?
Mal sehen. Die Produktion kostet mich nichts. Das 8-Spur-Gerät habe ich mir ausgeliehen, ohne zu bezahlen, versteht sich. Dann wird die Single aufgenommen und jetzt braucht man noch ein Presswerk. Da kenne ich jetzt noch keine, aber mal schauen, wieder Daddy Memphis drauf ist. Ich habe schon versucht, den mal anzurufen, aber er hat keinen Anrufbeantworter, was mir sehr sympathisch erscheint.
Für Deine nächste Single hast Du doch sicher auch schon wieder einen richtigen Skandal geplant, oder?
Der Skandal ist nicht geplant, er ergibt sich von selbst.
Um was geht es?
Billiges Prinzip. Wie produziere ich einen Skandal? Da braucht man als erstes einmal „Sex". Dann noch etwas, das hart anschlägt, z.B. „Drogen" und irgendwie „Rock'n'Roll" muß auch dabei sein. Aber da man mit Drogen niemanden mehr schocken kann, die sie in jeder Gesellschaftsschicht weit verbreitet sind, sage ich „Sex", und jetzt fange ich zu schocken an, durch eine Krankheit, die auch weit verbreitet ist. Ich sage „Sex, Krebs and Rock'n'Roll". Ich habe mit einer Freundin zusammen einen Text geschrieben, nach meiner Idee natürlich, und diese Person ist auch an Krebs erkrankt. Der Song ist auch schon aufgenommen, bis auf ihren Gesangsteil. Ansonsten ist schon alles im Kasten und ich habe alle Instrumente selbst gespielt. Sogar den Schlagzeugcomputer habe ich selbst programmiert.
Werden Deine Konzerte zukünftig anders aussehen? Wird die Message radikaler?
Auf jeden Fall. Die Aussagen werden aggressiver und nicht mehr lustig. Man kann nicht mehr über mich lachen. Ich bin nicht lustig. Ich bin nicht da um ausgelacht, sondern um ernstgenommen zu werden. Das muss den Leuten erst einmal bewusst werden.
Auf der Single hast Du einen Song mit dem Titel „Sado Maso". Hast Du mit diesem Thema schon Erfahrungen gemacht oder kennst Du solche Leute persönlich?
Da lass erst mal den Scheck rüberwachsen. Aktuell ist das so: Ich habe nicht das Bedürfnis, jemanden zu schlagen und auch nicht das, geschlagen zu werden. Ich akzeptiere es, aber: Industrielle haben das Bedürfnis geschlagen zu werden. Sie zahlen dafür Geld an Prostituierte, weibliche Persönlichkeiten, die ihren Körper bzw. ihre Persönlichkeit verkaufen und das ist, menschlich gesehen, ein ideales Paar. Da könnte vielleicht eine große Liebe daraus entstehen.
Du sagst, dass du niemanden verletzen willst, hast dich aber früher auch gerne mit rumgeprügelt.
Naja, die Zeiten sind vorbei. Absolut vorbei, denn irgendwann wird man mal vernünftig.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #18 III 1994 und Thomas Hähnel
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