FEELGOOD MCLOUDS

Foto© by Michael Valentin

Unter Strom

Seit acht Jahren existieren THE FEELGOOD MCLOUDS aus dem Saarland. In dieser Zeit spielte sich das Sextett bereits mitten hinein ins Herz der deutschen Irish-Folkpunk-Szene. Ihre neue Platte „Dance With Broken Bones“ ist nun die erste, die die Band selbst produziert hat und die sie beim Label Uncle M herausbringt. Was für einen Stellenwert das neue Werk bei den Musikern besitzt, wie es zustande kam und was die FEELGOOD MCLOUDS anders machen als die Konkurrenz, erzählt Gitarrist Ben.

Ben, du arbeitest als Erzieher in einer Grundschule. Wissen die Kinder dort von deinen Umtrieben in Sachen Musik?

Ja. Und nicht nur sie, die Eltern meiner Kinder waren auch teilweise schon bei Konzerten von uns. Das kommt alles erstaunlich gut an bei denen. Und die Kinder finden es auch ganz gut, dass ich die Haare grün gefärbt habe. Das ist ja auch nicht alltäglich in der Schule. Ein Highlight, haha.

Unser letztes Interview liegt jetzt drei Jahre zurück, das war mitten in der Pandemie. Damals ging es um eure Platte „Life On A Ferris Wheel“ und auf meine Frage, wo auf diesem Riesenrad des Lebens ihr euch als THE FEELGOOD MCLOUDS verortet, bezeichnetest du euch als aufstrebende Band auf dem Weg zum Zenit des Rads. Ist das immer noch so?
Sagen wir so, ich hoffe nicht, dass wir schon ganz oben angekommen sind. Das wäre schlecht. Aber wir sind auf jeden Fall noch aufstrebend.

Aufstrebend nicht nur durch immer mehr Konzerte und Fans, sondern nun auch dank der neuen Platte „Dance With Broken Bones“?
Ja. Denn das ist das erste Album, das wir komplett selbst produziert und aufgenommen haben. Und zwar bei unserem Banjospieler Benny zu Hause. Das war ein ganz anderer Prozess als bei den Platten zuvor. Damals ging es quasi nur um ein bisschen Songwriting, ein bisschen Vorproduktion und dann auf ins Studio für eine Woche, wo ein Experte mit einem Plan auf uns wartete. Diesmal mussten wir uns ganz anders konzentrieren und uns am Riemen reißen, denn wir hatten plötzlich alle Freiheiten und da kann es ganz schnell in alle Richtungen gehen und unübersichtlich werden. Das ist gefährlich.

Kann man sich irgendwie auf diese erforderliche Konzentration, die Beschränkung aufs wirklich Wesentliche, vorbereiten – etwa durch Achtsamkeitstraining, Yoga, Teetrinken oder dergleichen?
Nein. Und mit Tee ohnehin nicht. Im Gegenteil: Ich trinke immer viel Kaffee vorm und im Studio. Mehr als die anderen, haha. Ich muss unter Strom stehen.

Ging es euch bei dieser neuen Art der Albumproduktion explizit um diesen punktypischen DIY-Gedanken?
Der ist sowieso immer da. Wir wollten immer schon am liebsten alles selbst machen. Insofern nein. Ich würde eher sagen, dass Benny einfach viel Erfahrung hat. Er hat früher schon selbst seine eigenen und auch andere Bands aufgenommen und ist in dieser Materie einfach immer besser geworden. Er weiß, was er tut. Daher war dieser Weg nun naheliegend für uns. Es war ein logischer Schritt zur Weiterentwicklung.

Und wie sieht es so bei ihm daheim aus? So ein Studio benötigt ja wahrscheinlich ziemlich viel Platz ...
So ist es. Das Studio hat auch ein Wohnzimmer und einen Nebenraum und befindet sich im Keller seines Elternhauses. Und der ist groß. Was gut ist, denn wir sind ja sechs Leute und hatten dort genug Platz.

Das hört sich alles sehr familiär an. Was wiederum passt: Auf dem Gedanken einer Band, die eher Familie und Freundesbande ist, gründet ja auch eure ganze Philosophie als THE FEELGOOD MCLOUDS. Das betont ihr immer wieder. Wie erhält man sich nun so eine Freundschaft, so eine gewisse romantische Naivität, als Gang alle Probleme lösen zu können?
Es stimmt schon, das ist nicht so leicht. Und je mehr Leute mitmachen, umso schwieriger wird es natürlich. Ich denke, ein klassisches Power-Punk-Trio hätte es da wesentlich leichter als wir, bei denen doppelt so viele Menschen aufeinanderknallen.

„Aufeinanderknallen“ hört sich schon recht brachial an ...
Ja. Und deshalb versuchen wir, an alles immer so locker heranzugehen wie möglich. Und wenn wir uns mal streiten, dann ist das eben so. Dann darf das sein. Dann muss das sein. Weil das wichtig ist. Hauptsache, wir sind immer und jederzeit ehrlich zueinander. Insofern: Lockerheit und Ehrlichkeit – darum geht es, das sind die Schlüssel.

Bist du jemand, der innerhalb der Band Konflikten eher ausweicht oder gehst du auch mal auf Konfrontationskurs?
Also, ich bin in dieser Hinsicht kein harmoniebedürftiger Mensch, haha. Aber ich lege es auch nicht darauf an und suche den Streit. Ich versuche schon immer, so ein bisschen einen Mittelweg zu finden, und vermittle auch gerne. Wobei ich dann, wenn es sein muss, auch mal hochgehe, haha.

Um Freundschaft geht es auch im Titelsong eures neuen Albums.
Ganz genau. Es geht um Freundschaft, Heimat und ums Nach-Hause-Kommen. Um den Proberaum, um die Stammkneipe, in der dich alle kennen und so nehmen, wie du bist. In der du, eben auch gebrochen und fertig tanzen darfst.

Gab es einen bestimmten Anlass für diesen Song?
Sagen wir so: Er ist bereits während der Corona-Zeit entstanden, als alles sowieso den Bach runterzugehen drohte. Und da war dieses Nach-Hause-Kommen und Aufgefangen-Werden ja schon ein großes Thema.

Ihr lebt nicht von der Musik und habt alle ganz normale Jobs. Ist die Konzentration allein auf die Band und davon leben zu können dennoch ein Traum, den ihr irgendwann einmal verwirklichen wollt? Ihr zieht ja mehr und mehr Menschen und habt euch hierzulande schon in die Spitze der Irish-Folkpunk-Szene gespielt.
Ja, es ist schon so, dass mittlerweile sehr viele Leute zu unseren Konzerten kommen. Und nicht nur Punks, sondern auch, salopp gesagt, die Oma von nebenan, die das schön findet. Aber wir legen es nicht darauf an, dass die Band unser Hauptjob wird. Wir versuchen einfach, regelmäßig immer einen Schritt weiterzugehen und die Schritte größer werden zu lassen, professioneller zu werden. Wohin das führt? Keine Ahnung. Es ist für uns jedenfalls nach wie vor ein Zeitproblem mit der Band, wenn es ums Touren geht. Wir müssen immer schauen, dass alle frei haben. Deswegen spielen wir auch häufig nur freitags oder samstags. Und immer dann, wenn sich der Stundenplan zum neuen Schuljahr ändert, wird es speziell bei mir etwas wackelig ...

Wie schafft ihr es, euch inmitten dieser vielen, vielen Bands in eurer Szene abzugrenzen? Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Wir versuchen immer, hart zu klingen und nach vorne zu gehen, auch wenn es mal eine langsamere Nummer ist. Wir verstecken das nicht, so wie andere Bands das tun und bei denen man das vor allem auf Platte hört. Und wir machen all das gepaart mit einer klaren politischen Haltung, die es eher im Punk gibt als im Folk. Wir engagieren uns beispielsweise gegen rechts, liefern unseren Fans dahingehend Informationen, arbeiten mit entsprechenden Institutionen zusammen, etwa „Kein Bock auf Nazis“. Weil wir eben alle ursprünglich aus dem Punkrock kommen. Ich denke, das machen nur wenige andere Bands aus diesem Genre.

Einem Genre, in dem auch nicht selten, etwa bei Mittelalterfestivals, von der „Grauzone“ die Rede ist. Von Bands, die entweder völlig apolitisch sind und das Motto vertreten „Politik raus aus der Musik“ oder sogar eine zweifelhafte Einstellung haben. Begegnet euch so etwas häufiger?
Es begegnet uns nicht ganz so oft, wie man befürchtet. Aber schon öfter, als man denkt. Gerade im Folkrock ist ja alles vertreten. Und wir wollen eben gegen diesen Einheitsbrei ankämpfen. Gegen Klischees. Dieser politische Einschlag ist ja auch auf der neuen Platte vertreten. Im Song „On strike“ etwa.

Wie bist du seinerzeit eigentlich zur Band gekommen? War das tatsächlich erst der Weg über den Punk oder war es die Liebe zur Grünen Insel?
Beides. Und abgelaufen ist es so, dass mein Vorgänger in der Band damals ziemlich kurzfristig beschlossen hatte, dass das doch nichts für ihn sei, und ich wurde dann eben gefragt, ob ich für ihn bei der Band einsteigen wolle. Ich hatte diese Art der Musik bis dahin nur gehört, nie gespielt – auch wenn ich vorher schon Banjo gespielt hatte.

Und was würdest du abschließend sagen: Ist das neue Album euer bislang bestes oder wichtigstes?
Also würde schon sagen, es ist das beste, was wir bis jetzt gemacht haben. Die Songauswahl ist perfekt. Die Reihenfolge. Das Artwork. Und es ist toll, dass wir mit dieser Platte nun bei Uncle M sind und Mirko uns zusätzlich ganz viel an die Hand gibt und extrem viele Ideen hat, was wir noch anders machen können, etwa wenn es ums Marketing geht. Das war ein ganz cooler und wichtiger Schritt für uns. Daher: Es ist das beste Album.