© by Dominik JubelschuppenFRESSE aus Münster machen pöbelnden deutschsprachigen Punk und singen größtenteils über Bier. Wusste nicht schon Peter Handke die Publikumsbeschimpfung eindrucksvoll einzusetzen? Ist nach vier Bier Uptempo-Punkrock nicht das Beste auf der Welt? FRESSE sind im Studio faul und live eine Macht. Und sie haben ein eigenes Getränk, das Turbomatebier, nebst eigenem Fanclub, die Turbomatebierjugend. Mit Sänger Andy ziehen wir ein kurzes Fazit zum 15-jährigen Bandjubiläum.
Andy, 15 Jahre FRESSE! Mit Mitte 40 fühlt sich der Morgen nach dem Feiern anders an als mit Anfang 30. Wie haben sich eure Katerrituale in den letzten Jahren verändert?
Der Morgen nach dem Saufen lädt nicht mehr zum direkten Konterbier ein. Was wir auf jeden Fall gelernt haben: Es gibt kein Katermittel, das funktioniert. Joggen, Sport, gutes Frühstück, Orangensaft, Elotrans, Aspirin – das kannst du alles vergessen. Wenn du keinen Bock auf die Nachwehen hast oder einfach nicht saufen kannst, lass es!
Zwei Alben in 15 Jahren-! Verfolgt ihr das Motto „Willst du gelten, mach dich selten“ oder ist das schlichtweg Leistungsverweigerung?
Weder noch. Wenn du nur Songs schreibst, die einfach mehrere Jahre lang zünden und nicht aus der Mode kommen, musst du nicht so oft nachlegen. Wir sind komplett DIY unterwegs und haben keinen Druck. Wir machen Videos, Singles oder Platten immer dann, wenn wir Bock haben und die Zeit es zulässt. Dafür ist der Output, wenn er kommt, umso genialer.
Wie ist das Mischungsverhältnis von Turbomatebier? Und sind Biermischgetränke nicht grundsätzlich ein Frevel?
Wir sind eine Punkband, als ob uns interessieren würde, was Frevel ist oder unerwünscht. Aber ja, das beste Bier kommt immer noch ohne Mischmasch daher. Mein persönlicher Tipp ist: 1/3 Mate, 2/3 Bier und dann einen guten Schuss Wodka obendrauf.
Ihr beschreibt euch als „Spaßpunk mit Asitüde“. Worin unterscheidet sich das vom gängigen Fun-Punk der 1980er und 1990er Jahre?
Das ist kaum anders. Wir haben alberne Texte, tanzen hässlich, ziehen uns komische Klamotten an und die Musik geht nach vorne. Asitüde ist passend zu unserem Sound und wie wir mit dem Publikum umgehen. Wir pöbeln die Gäste gerne an, aber wollen mit dieser Art die Leute unterhalten und zum Lachen bringen. Das kapiert man auch recht schnell auf unseren Konzerten.
Münster steht für Außenstehende klischeehaft entweder für katholisches Beamtentum oder verkopftes Studentendasein. Ist Schönsaufen die einzige Option, wenn man nicht wegziehen möchte?
Schönsaufen ist für alles eine prima Option. Münster hat sehr viel – unnötige – Kultur und gerade für Musikbegeisterte wie uns fast alles zu bieten. Die zugezogenen Studenten werden nach und nach im Kreisverkehr von Lastern überfahren und die Katholiken sterben dank Altersschwäche aus.
Bei einem Großteil eurer Videos fängt die Story in einer Kneipe an. Ist das ein Statement gegen das Kneipensterben? Hat die Kneipe als Ort des sozialen Miteinanders heute noch eine Chance?
Unsere Videos erzählen immer eine Geschichte und da ist ein gewisser roter Faden nicht verkehrt. Diese „Kneipe“ ist unser zweites Wohnzimmer, das legendäre Rare Guitar. Ich selbst habe in Münster noch drei bis vier Stammkneipen, wo ich immer mal wieder soziales Miteinander beobachten und erleben darf. Da sind ehrlicherweise kaum jüngere Menschen. Die nächste Generation zelebriert keine klassischen Kneipentouren mehr.
„Ouzo im Ufo“ ist nur auf den ersten Blick ein Song, in dem wieder willkürlich auf das Thema Alkohol referenziert wird. Auf den zweiten Blick offenbart sich ein profunder Kulturpessimismus, der der Frage nachgeht: Was bringt der menschliche Wunsch nach Erkenntnis und Weiterentwicklung, wenn auch alles extraterrestrische Leben doch wieder nur im Suff endet? Oder interpretiere ich da etwas hinein?
Ich mag das Wort Kulturpessimismus sehr und das, was du hineininterpretierst. Wer träumt nicht von einer wilden Weltraumparty mit Aliens? Ich glaube, alle 1990er-Fun-Punk-Bands haben das getan!
Warum, glaubst du, funktioniert die Verklärung und Überhöhung von Suff im Punkrock so gut? Was unterscheidet uns eigentlich von Mallorca-Prolls und Bundeswehrsoldaten auf Heimfahrt?
Nichts. Besoffene Menschen nerven einfach nur, egal ob auf irgendwelchen Inseln, im Stadion oder vor der Bühne. Jeder feiert es hart ab, als ob es ein Meisterwerk wäre, sich sinnlos zu besaufen. Was man aber sagen muss: Wir Punkrocker hören dabei die geilere Musik und sehen besser aus.
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