FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH

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...und die Polit-Fernsehsendung ZAK

ZAK, seit Januar '94 im Ersten und früher auf West 3 zu sehen, ist einer der wenigen Lichtblicke im grauen Fernsehalltag. Mit einer für TV-Politmagazine ungewöhnlichen Härte schlägt ZAK auf alles ein, was dazu herausfordert. Der Bundeskanzler sowieso, aber auch Faschos, verbohrte Kirchenmänner, Kriegshetzer und Asylrechtsdemontierer bekommen ihr Fett weg. Wer ZAK noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen. Wir jedenfalls unterhielten uns mit ZAK-Moderator Friedrich Küppersbusch, dem Großmeister des Schachtelsatzes.

Wer ist Friedrich Küppersbusch, abgesehen von dem Menschen, den man jede Woche auf dem Bildschirm sieht?

32 Jahre alt, 1,89 Meter groß, 80 Kilo, Schuhgröße. 46, tauglich 2, aber verweigert, studierter Journalist, ausübender Journalist.

Wo studiert?
In Dortmund.

Wie kamst du zu dem Job bei ZAK?
Die haben mich Nachts in der Kneipe betrunken gemacht und am nächsten Morgen bin ich in der Redaktion aufgewacht.

Dein Job ist doch eigentlich das, was sich so mancher als Traumjob vorstellt, oder? Wie kommt man dahin?
Ich habe nach dem Studium beim WDR ein Volontariat gemacht, anschließend sechs Jahre im Radio moderiert - so ein Morgenmagazin von 6-9 im Regionalprogramm -, und in der verbleibenden Zeit Filme gemacht, also Reportagen und Beiträge für Magazinsendungen wie „Hier und Heute", "Aktuelle Stunde" und in der Gründungsphase 87/88 auch schon für ZAK. Als dann die ZAK-Gründungs- und Aufbaumannschaft von RTL für "Stern-TV"-abgeworben wurde, wurde ich gefragt, ob ich nicht auch bei den Auswahltests für die Nachfolge der ZAK-Moderatorin Desiree Bethge mitmachen wollte. Tja, und diesen Test habe ich dann gewonnen und so mache ich seit Februar 1990 die Moderation.

Und du hast noch nicht die Schnauze voll, fühlst dich nicht müde und von der Sendung aufgebraucht?
Nee, eigentlich nicht. Der Vorteil der Sendung ist, dass man sie im Vergleich zu anderen Sendungen relativ leicht ändern kann, was wir ja auch schon öfter gemacht haben, so dass es nie langweilig wird. ZAK war von seinem Ursprung her unter Zeitgeist einsortiert, also im Kontext von TEMPO, WIENER, LEO S etc., weil man zu der Zeit mit dem, was heute in die Schublade Infotainment gesteckt wird, nicht viel anfangen konnte. Mein Dienstantritt fiel zusammen mit dem des neuen Redaktionsleiters, denn der Vorgänger war auch zu RTL abgeworben worden, und wir haben uns dann vorgenommen, ZAK mehr ins Politische rein zu bewegen und von der "Kaviarhäppchen an Brunnenkresse auf einem Leder-Korb-Gestühl von Corbusier"-Nummer runterzukommen. Das wurde damals eher fassungslos aufgenommen, weil man dachte, dieser Zeitgeist-Aspekt sei der eigentliche Kick an ZAK, aber inzwischen braucht man sich nur den Markt anzuschauen, um zu wissen, dass die ganzen Zeitgeist-Institutionen ausgedient haben: LEO S ist seit längerem abgestürzt und WIENER und TEMPO sind in der Krise und versuchen, ebenfalls diesen politischen Schwenk zu machen. Dabei muss ich natürlich zugeben, dass ich ein ganz einfacher, gelernter Mundwerksbursche, sprich, Journalist bin und eigentlich auch gar nicht anders könnte. Ich bin in der Hinsicht ein Überzeugungstäter. Wir konnten also die Sendung gegen den Markt deutlich bewegen und brauchten dazu ein Jahr, bis dieser Schwenk vom Publikum und der Fachöffentlichkeit akzeptiert wurde. ZAK war schon immer eine Sendung, die wegen ihres etwas abgefahrenen Images in der Fachöffentlichkeit besonders wahrgenommen wurde, weil wir als Visitenkarte dafür angesehen wurden, wie weit der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk bei den Innovationen mithalten kann. Wir waren uns zwar unserer Sache immer recht sicher, aber für WDR und ARD war das wohl ein Wagnis.

Küppersbusch = ZAK?
Nee, denn die erfolgreiche Strecke von der Gründung bis 1990, als RTL nicht mehr anders konnte als den Laden einfach komplett zu kaufen, geht auf das Konto von Desiree Bethge. Und es wird auch nach Küppersbusch jemand die Sendung machen können.

Für den normalen Zuschauer, die ja nur dich zu sehen bekommen, bist du doch aber gleichbedeutend mit ZAK. Wie sieht das denn hinter den Kulissen aus? Was machst du, was macht die Redaktion, was für Zuträger habt ihr?
Wir sind eine relativ kleine Redaktion von vier Leuten, was eigentlich schon unter der Untergrenze für so eine Sendung liegt. Das liegt zum einen daran, dass, entgegen dem Image bei den öffentlich-Rechtlichen, ziemlich gewaltsam gespart und gekürzt wird, bietet zum anderen aber den Vorteil, dass die Redaktion sowas wie eine als Redaktion getarnte Wohngemeinschaft ist. Bei uns arbeitet keiner nur acht Stunden am Tag und so eine Sendung kann man wohl auch nur aus einem wohlgemuten Lagerkoller heraus machen. Wenn man nur Dienst nach Vorschrift macht, dann macht man irgendwann auch Sendung nach Vorschrift, aber bestimmte Ideen kommen einem eben erst, wenn man zu viert 13 Stunden lang über ein Thema grübelt. Das geht natürlich mit einem relativ hohen Grad von Selbstausbeutung einher, denn das sind Überstunden, die man zum Teil gar nicht bezahlt kriegt, wobei ich da noch relativ privilegiert bin, denn ich arbeite nur die Tage unmittelbar vor der Sendung von 11 bis 11, kann aber den Tag nach der Sendung einfach freimachen, weil es mir dann auch reicht. Ich bin nicht ganz so im Stress wie die Redakteure, weil sich bei mir die Verantwortung dafür auf die halbe oder dreiviertel Stunde der Sendung konzentriert.

Schreibst du die Texte deiner Moderationen alle selbst?
Ja, denn irgendwas muss ich ja tun für mein Geld.

All diese wunderbaren Wortspiele sind also dein Werk?
Ja, und auch die ganzen unterirdischen Wortspiele.

Für mich gehört das zum Besten an ZAK.
Naja, an sich ist ZAK eher so ein Mosaik und es gibt wohl auch Leute, die mit diesen Moderationen ihre Probleme haben und lieber eine protokollarische Ansage hätten. Der Trick an der Sendung ist wohl die Mischung.

Wer schaut sich ZAK an? Gibt es da Untersuchungen?
Es gibt demographische Untersuchungen, die für uns, wenn wir in einem Kommerzprogramm liefen, sehr gut ausfallen würden. Die Altersgruppe in Deutschland, die am meisten fernsieht - und das ist nur wenig bekannt-, ist die zwischen 45 und 55. Die bildet auch bei uns ein gewisses Gewicht, wobei wir einen leichten Buckel nach vorne, zu den Jüngeren haben, also die Gruppe zwischen 25 und 45. Auch drunter sind wir noch gut vertreten. Und diese "double income, no kids"-Gruppe ist bei uns ebenfalls gut vertreten. Für ein Late Night-Programm haben wir das optimale Publikum mit höher Kaufkraft und so. Andererseits ist die Abweichung vom Durchschnitt dann auch wieder nicht so stark, wie man angesichts der Sendung vielleicht meinen könnte, die von ihrem Erscheinungsbild ja doch stark vom Durchschnitt abweicht.

Wie kommen eure Beiträge zustande? Habt ihr dafür unabhängige Teams, die euch zuarbeiten, oder macht ihr alles selbst?
Die Sendung ist verhältnismäßig dezentral organisiert: Wir haben diesen kleinen Kopf, die Redaktion -der deshalb hoffentlich auch nicht zum Wasserkopf wird -, und dann gibt es wirtschaftlich unterschiedliche Arbeitsformen. Zum einen haben wir freie Autorinnen und Autoren, die so als stete Gäste der Redaktion dabei sind und auch an den "Gehirnsitzungen" teilnehmen und sobald die Idee geboren ist, loslaufen, um das zu realisieren. Dafür mieten wir uns entweder einen Kameramann oder nehmen ein Team aus unserem Haus. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass wir einen Autor als freien Mitarbeiterhaben haben, der uns die Story auf und wir geben das dann zur Realisation an eine Firma weiter. So entstehen zum Beispiel die GUM-Sketche, also die mit den "Hurra Deutschland"-Puppen. Wenn das Drehbuch fertig ist, was oft erst am Donnerstagabend oder Freitagmorgen der Fall ist, geben wir das an die Firma weiter und die produzieren das dann. Durch langjährige Zusammenarbeit wird das in der Regel auch so, wie wir das haben wollen. Neben dem Erscheinungsbild der Sendung ist auch die Art, wie ZAK produziert wird, für den WDR innovativ, weil man von dem Gedanken wegkommt, dass das so ein Supertanker ist, der alles selber macht. Wir versuchen, möglichst dezentral und flexibel zu arbeiten. Der nächste Schritt wäre dann der, dass auch wir als Redaktion aus dem Sender rausgehen, was den Vorteil hätte, dass man die Redakteure bei zwölf Stunden Arbeit auch für zwölf Stunden bezahlen könnte. Wir haben nämlich jetzt immer das Problem, dass wir de Leute in Zwangsurlaub schicken müssen und dann keine Sendung mehr machen können.

Ist ZAK bösartig?
Nee, wir sind eher staatstragend. Wir sind eine sehr wertkonservative Sendung und kämpfen für die Wiederherstellung der Demokratie. Das ist ein ganz gestriger Ansatz.

Werfen euch denn Leute, die von euch in Beiträgen bearbeitet werden, vor, bösartig zu sein?
Es mag so sein, dass von der Art der Filme, von der Gesprächsweise in den Filmen und in den Studiointerviews so eine Legende ausgeht, dass Küppersbusch und seine Gäste sich nach der Sendung nicht mehr anschauen. Das ist nicht so, auch wenn ich mit dieser Feststellung viellicht eine fromme Illusion zerstöre.

Auch mit Hans-Jochen Vogel, der ja mehrfach kurz davor war, das Studio zu verlassen, hast du dich noch unterhalten?
Auch mit Hans-Jochen Vogel haben wir - allerdings in unveränderter Härte und auch im Stil kaum besser -, die Diskussion bei einem Abendessen noch drei Stunden fortgeführt. Das hat zum einen damit zu tun, dass wir den Leuten auch Dank schuldig sind, wenn sie sich schon bereit erklären, in unsere Sendung zu kommen. Außerdem ist die in der Sendung begonnene inhaltliche Auseinandersetzung oft so spannend, dass man die nachher noch fortsetzen will. Und es ist auch ein Märchen, dass unmittelbar nach der Sendung dann der Faustkampf ausbricht. Das liegt daran, dass die Mehrheit der professionellen Interviewgeber - Politiker, Künstler, wichtige Entscheider - einfach genug haben von den ewig gleichen Interviews und es deshalb aufregend finden, mal eine echte Kontroverse zu haben.

Um auf Vogel zurückzukommen: Das ging aber doch weit über die üblichen Interviews hinaus, bei denen Hofjournalisten brave Fragen stellen und alle lächeln.
Dieses Interview war die offene Austragung eines Generationenkonfliktes, wo ihm die Fragen nicht passten und ich aus meiner Rolle als Journalist heraus sagen musste, dass er dann auch keine neuen Fragen bekommt und ich die ursprünglichen Fragen solange wiederhole, bis sie ihm passen. Normalerweise strebe ich das Gespräch an und insofern war diese Sendung ein eindrucksvolles Beispiel für ein nicht zustande gekommenes Gespräch. Das kann man schon auch mal machen, aber es sollte nicht zum Normalfall werden. Wir sind dann sogar so verblieben, dass er wieder in unsere Sendung kommen würde.

Wie kann es sich jemand herausnehmen, so wie du mit Politikern umzugehen? Eigentlich sollten die Leute ja viel öfter so hart angegangen werden, aber leider ist ZAK diesbezüglich ziemlich einzigartig.
Man erlebt ständig, wie sich die persönlichen Referenten, Presseattachees und Medienbeauftragten die Finger wundwählen, um die Interviewfragen schon im Vorfeld der Sendung zu klären damit sie ihren Chef darauf vorbereiten können. Wenn dann aber die Leute im Redaktionsteam hartnäckig genug sind und diese Versuche abblocken können, dann hast du irgendwann den Gast im Studio und stellst fest, dass der gar nicht so klamm ist wie seine Referenten, sondern sich sogar traut, einen Streit aus zu tragen. Ich halte auch nichts von dieser Schimäre, dass im öffentlich-Rechtlichen Rundfunk so viel Druck von oben nach unten ausgeübt wird. Das gibt es durchaus, das habe ich sogar selbst schon erlebt, aber viel schlimmer ist dieser vorauseilende Gehorsam, wo jemand überhaupt keinen Druck kriegt und auch nie gefragt wurde, ob er nicht einer Partei beitreten will, sondern sich schon freiwillig ein Parteibuch holt und freiwillig die botmäßigen Fragen stellt. Es ist aber sicher auch so, dass, wenn wir unter der Überschrift ZAK was machen, sich die Leute, die sonst vielleicht Sturm laufen würden, gegen die Zuschauer nicht ankommen. Wir haben relativ gute Quoten und da trauen die sich nicht so recht an uns ran. (Klein-Küppersbusch wird im Hintergrund rebellisch und wird von seinem Papi darauf hingewiesen, dass dieser ein wichtiges Telefongespräch führt, worauf Ruhe einkehrt.) Die fressen ZAK als Gesamtkunstwerk und steigen gar nicht mehr so in die Details ein. Das passt denen zwar pauschal nicht, aber sie akzeptieren, dass es vielen Zuschauern passt. Wenn man aber aus dem ZAK-Kontext rausgeht und Autoren von uns mal was für "Monitor" machen oder wenn ich mich wie letzte Woche bei einem "Brennpunkt" mit Herrn Kinkel in die Haare kriege, dann merkt man schon mal deutlicher, dass der eine oder andere sagt, er lasse sich solche Unverschämtheiten wenn überhaupt, dann höchstens in diesem ZAK-Ghetto bieten.

Früher, so Mitte bis Ende der Achtziger, habe ich mir gerne "Scheibenwischer" angeschaut, weil dort auch immer recht deutlich gesagt wurde, was Sache ist. Mittlerweile ist "Scheibenwischer" allerdings ziemlich langweilig geworden, so dass sich mir die Frage stellt, ob ZAK das Pendant dazu in den Neunzigern ist.
Naja, Dieter Hildebrandt zählt sicher zu den Lehrern des Fachs und ich würde mich nicht mit dem auf eine Stufe stellen. Der ist mit seiner Sendung beim Bayrischen Rundfunk rausgeflogen, ist hier rausgeflogen und hat schließlich beim Sender Freies Berlin Asyl bekommen. Der war immer am Rande dessen unterwegs , was eine letztlich ja auch in Abhängigkeiten gefangene Einrichtung wie die ARD politisch noch ertragen kann. Wir spüren den Druck, den er konkret zu spüren bekommen hat, in gedämpftem Maße: Die ziehen mit ZAK ein Produkt fünf Jahre im Dritten durch, das mit Preisen beworfen und wohlwollender Presse bedacht wird, beliebt ist und gute Quoten erzielt, und trauen sich nach fünf Jahren dann mal, diese Sendung zweimal im Monat mit einer halben Stunde ins Erste zu nehmen. Daran kann man ablesen, dass die ARD immer noch nicht gerade an Liberalität kaputtgeht. Sowas wie ZAK trauen die nur mit ganz spitzen Fingern, denn einerseits adelt so eine Sendung ja auch irgendwie. Als wir ins Erste gingen, kam ja von Seiten mancher Zuschauer und einem Teil der Fachöffentlichkeit die Befürchtung, wir würden als liberales Feigenblatt missbraucht. Die Möglichkeiten waren entweder "ZAK light" und dann in kurzer Zeit ganz ins Erste, oder so zu bleiben, wie wir sind und diesen wöchentlichen Wechsel zwischen Erstem und Drittem Programm zu machen. Es gibt sicher Leute in der ARD, die heilfroh sind, uns nicht ganz im Ersten zu haben.

Gibt es jemanden, den du als Interviewpartner grundsätzlich ablehnen würdest? Gottschalk hat sich ja mit Schönhuber ziemlich blamiert.
Wir hatten Schönhuber ein halbes Jahr vor Gottschalk, wobei sowas bei Gottschalk immer den Beigeschmack hat, dass das nur wegen der Einschaltquote gemacht wird. Und wenn man dann sowas journalistisch vergeigt, dann ist es wirklich peinlich. Bei uns war es damals so, dass in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein Landtagswahlen waren und Republikaner und DVU die eindeutigen Gewinner der Wahlen waren. Bei jeder anderen Partei hätte man den Parteivorsitzenden eingeladen, und da für uns die Rechten die eindeutigen Wahlsieger waren, wäre es für uns absurd gewesen, gerade den nicht einzuladen. Es war eine journalistische Auseinandersetzung mit ihm und immerhin gab es keinen Skandal deshalb. Grundsätzlich gibt es nur ganz wenige Leute, die mir nicht in die Sendung kommen, und das sind dann schon eher solche Leute, die davon leben, in Talkshows zu sitzen und bei denen man schon auf hundert Meter Entfernung merkt, dass sie eigentlich Luft im Hirn haben, aber es verstehen, diese Luft so zu ventilieren, dass die Leute das mit Gedanken verwechseln.

Wo stehst du politisch? Irgendwo links, nehme ich an, aber als wie radikal - wenn überhaupt - siehst du dich?
Auf solche Fragen versuche ich natürlich immer Orakel von Delphi-Antworten zu geben: Ich bin sicherlich zu liberal für die FDP und, wenn man den Begriff des Verfassungspatriotismus gelten lässt, auch ein bisschen zu konservativ für die CDU. Für das außerordentlich fortschrittliche Tempo, mit dem sich die Union über das Grundgesetz hinwegsetzt, bin ich einfach zu konservativ. Für die Sozialdemokraten schließlich bin ich entweder zu sozial oder zu demokratisch. Ich hatte schon bevor ich diesen Beruf ergriffen hatte und erst recht seit ich ZAK mache, den Eindruck gewonnen, dass ich in keine der Parteien rein passe. Und das hat sich durch die Nähe der Auseinandersetzung eigentlich noch verschärft.

Bist du jemand, den man auf irgendeiner Demonstration antrifft, zum Beispiel gegen den Parteitag einer rechten Partei? Oder hast du andere Möglichkeiten, zum Beispiel deine Sendung, um dich zu artikulieren?
Nee, denn ZAK ist ja keine Agit-Sendung nach dem Motto: „Was ich immer schon mal sagen wollte", sondern ein Wochenmagazin, in dem wir Hintergründe und andere Aspekte, vernachlässigte und unterschlagene Themen liefern. Da sind auch schon mal Sachen dabei, die uns gar nicht so passen, wo wir uns aber sagen, dass unsere Aufgabe ja ist, sowas wie einen Gegendarstellung der Woche zu machen, und nicht, jede Woche zu erzählen, wie wir die Welt sehen und zu agitieren. Ich habe aber, bevor ich diesen Beruf hatte, an Demonstration teilgenommen, zum Beispiel Anfang der Achtziger die großen Demonstration in Bonn gegen die Nachrüstung. Ich bin jetzt allerdings mit sowas vorsichtiger geworden, denn man kann den Leuten auch gut auf die Eier gehen, wenn man einmal die Woche im Fernsehen ist und dann auch noch auf jeder Demo rum hüpft. Man gerät da leicht in den Ruch, seine Prominenz steigern zu wollen. Ich habe sowas bisher nur in einem Fall gemacht, und zwar in Essen bei dieser "Kommt aus de Pötte"-Demonstration, weil mich Freunde darum gebeten hatte und ich nicht das Gefühl hatte, da wolle sich jemand meiner bedienen. Außerdem fand ich an der Essener Demo wichtig und richtig, dass man nach den Lichterketten mit mehreren 100.000 Leuten nicht auf so ein dünnes Brett kommen darf, dass man Demos mit vielleicht nur 8.000 Leuten dann gleich ganz bleiben lässt.

Bisher bist du ja noch nicht so bekannt wie andere Bildschirmgesichter. Wie privat bist du denn noch, wenn du einkaufen gehst? Sprechen dich Leute an?
Ja klar, und damit habe ich innerhalb der Redaktion schon wieder eine privilegerte Stellung, denn ich erfahre genau, wie die Leute unsere Sendung verstehen. Wenn wir uns zum Beispiel absolut sicher sind, dass eine Idee rüberkommt, und ich dann am Super-markt-Regal angequatscht werde, was das denn sollte. Das würde ich also nicht unter die Nachteile meines Berufs einsortieren. Außerdem hat mich ja keiner mit vorgehaltener Waffe ins Studio gezwungen. Der Unannehmlichkeit, dass man sich dann im öffentlichen Raum nie richtig privat fühlen kann, war ich mir also bewusst. Wenn ich jetzt Pornos kaufen will, muss ich mir immer eine Karnevalsmaske aufsetzen, weil sonst die Hölle los ist, haha.

ZAK engegiert sich ja doch ziemlich stark gegen die Rechten. Die wiederum sind in letzter Zeit verstärkt dazu übergegangen, solche Leute, die sich öffentlich gegen sie stellen, gezielt anzumachen, also mit Telefonanrufen, Briefen und so weiter. Hast du in dieser Richtung Erfahrungen gemacht?
Das ist das Übliche, dass man da irgendwelche hakenkreuzbeschmierten Drohungen bekommt. Der einzige Unterschied ist der, dass sich die Leute früher nicht trauten, ihren Klarnamen drunterzusetzen - da stand dann "Martin Bohrmann" oder "Ich krieg dich auch noch! Adolf Hitler"-, während heute die Klarnamen drunter stehen, was vielleicht daran liegt, daß die Vorgaben der Politiker im öffentlichen Raum inzwischen so sind, dass diese Leute meinen, sie könnten jetzt den schlimmsten nationalsozialistischen Quark mit ihrem richtigen Namen verbreiten. Auf Deutsch gesagt: Man schämt sich einfach schon gar nicht mehr. Und das hat sich sogar innerhalb der drei Jahre verändert, die ich jetzt damit zu tun habe.

Hast du deshalb Angst, dass dir mal jemand das Haus anzündet? Oder verdrängt man sowas, hält die Gefahr für nicht so unmittelbar?
Ich glaube nicht, dass ich so wichtig bin. So Leute wie Bednarz, die das seit Jahren machen und parteipolitisch berechenbarer sind, sind sicher gefährdeter, und da mache ich mir manchmal auch Sorgen. Aber nehmen wir ein Beispiel aus der ZAK-Sendung von vergangener Woche, wo wir einen Beitrag über Tierversuche gemacht haben. Da mussten wir mal wieder die Erfahrung machen, dass wir es bei den Tierversuchsgegnern mit einer intoleranten, militanten Horde zu tun haben. Die Gewalt, die den Tieren in den Versuchen angetan wird und gegen die wir uns auch engagieren, sind die fanatischen unter denen ohne weiteres bereit gegenüber Menschen anzuwenden. Wir hatten uns jedenfalls etwas über die Tierschützer lustig gemacht, worauf die ganz klar geschrieben haben, wir gehörten gebraten und gefoltert. Solange man also nicht völlig blind wird und immer nur auf den gleichen Heitmann haut - auch wenn der es verdient hat -, sondern auch mal schaut, wo bei den Freunden auf der eigenen Seite Kritik angebracht ist, mache ich mir also keine all zu großen Sorgen.

Was hörst du privat für Musik? Punkrock?
Seh ich so aus??? Damit konnte immer recht wenig anfangen. Ich bin eher etwas schöngeistig, das reicht also von ROXY MUSIC und BRIAN FERRY bis zu...

...STING, GENESIS?
Nee, die waren mir immer zu depressiv, denn ich habe GENESIS in der Phase so Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger kennen gelernt. Da wurde ich immer so traurig von... Dann schon eher so erdige Sachen wie Hermann Brodt.

Welches Buch liest du gerade?
Ich habe vor kurzem die Tagebücher von Herrn Goebbels im Original gelesen und von Christian Graf Krockow ein Buch über Preußen. Außerdem auch noch eine Metternich-Biographie.

Das klingt alles eher schwer…
Geht so. Die Metternich-Biographie war so schlecht, dass es schon wieder ein Vergnügen war, sie zu lesen. Der Krockow war ganz interessant, denn die Preußen sind ja irgendwie unsere Ahnen und es ist ganz interessant, wie die auch heute noch präsent sind. Wenn beim CDU-Parteitag auf einmal wieder die "Langen Kerls", die Ehrengarde vom verherrlichten Alten Fritz rumläuft, dann ist es ganz interessant zu erfahren, dass deren Hintergrund wohl war, dass der Alte Fritz wohl ein ganz kleines bisschen brettschwul war. Daran kann man sehen, dass sich die CDU endlich auch zu unseren homosexuellen Mitbürgern bekennt. Es freut mich, dass die Union da wieder progressiver ist, als man ihr zutraut.

Was wird die Zukunft für dich bringen? Wie lange noch ZAK?
Auf jeden Fall noch bis Ende 93, denn solange läuft mein Vertrag. Wenn ich sagen würde, danach kommt was Anderes, dann wahrscheinlich eher ein Jahr Pause als dass ich bei RTL ein Hütchenspiel aufführe.

Du bist also nicht so ein Addict, der sich nicht von einer Sache losen kann. Doch, schon, denn wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, auch mal ein Jahr davon lassen zu können.

O.k., danke für das interview.
Keine Ursache, hat mir Spaß gemacht.

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