GOLDGRUBE

Foto© by Friederike Maifeld

... muss leben!

Seit gut zehn Jahren gibt es die Goldgrube in Kassel. In dieser Zeit hat sich der knapp 200 Personen fassende Club zu einem bei Bands und Publikum weit über die Grenzen Nordhessens hinaus beliebten Konzertort für Genres abseits des Mainstreams entwickelt. Im Laufe der Zeit mussten aber auch einige Schwierigkeiten und Krisen gemeistert werden.

Markus, was hat dich dazu veranlasst, das Gebäude kaufen zu wollen?

Zum Jahreswechsel 2024/25 wollte ich den Betrieb an den Verein Kasseler Punkrock Kollektiv e.V. übergeben. Leider hatte unser Vermieter daran kein Interesse, aber er hat mir in dem Zuge das Gebäude zum Kauf angeboten, frei nach dem Motto: Dann kannst du einen Mietvertrag machen, mit wem du möchtest. Ich habe mir gedacht, dass dies eine richtig gute Gelegenheit ist, um den Club für immer zu sichern. Wir entziehen uns einfach zukünftigen Spekulationen und müssen nie wieder um eine Verlängerung des Mietvertrags bangen. Wir haben hier in den vergangenen Jahren eine sehr schöne Zeit gehabt. Jeder, der in der Goldgrube engagiert ist, möchte ebenso wie unsere Gäste, dass es hier weitergeht.

Wie war das bisher geregelt und organisiert?
Bisher war ich der Pächter der Goldgrube. Die Konzerte und Veranstaltungen sind meist von der Moshpit Crew und dem Punkrock Kollektiv organisiert worden. Wir durften zwar in der Corona-Zeit renovieren, wie wir wollten. Aber trotzdem hing das Thema „befristeter Mietvertrag“ immer wie ein Damoklesschwert über uns.

Und jetzt trittst du die Flucht nach vorn an. So eine Immobilie kaufen zu wollen, ist sicher ein großer Kraftakt. Wie soll die Finanzierung gestemmt werden?
Die Finanzierung stemmen wir mit Hilfe unserer Hausbank, privaten Darlehen und einer Spendenkampagne. Aufgrund der Höhe des Kaufpreises war die Bank nur bereit, für ungefähr die Hälfte des Betrags die Finanzierung zu übernehmen. Also habe ich überlegt, wie die andere Hälfte zusammenkommen könnte. Ich habe mit vielen Leuten über das Projekt gesprochen. Einige Personen waren bereit, uns private Darlehen zu geben. Das ist eine unglaubliche Wertschätzung für das, was wir mit dem Club in den letzten Jahren geleistet haben. Ein Freund von mir hat mir den Kontakt zu einem befreundeten Unternehmer vermittelt und mit seiner Beteiligung sind wir mit der Finanzierung so gut wie durch.

Apropos Spendenkampagne: Wie sind die Reaktionen auf euer Fundraising? Was sind eure Erfahrungen?
Heftig! Die Spendenkampagne hat mir erst so richtig Schub gegeben. Es haben bis jetzt über 700 Personen gespendet! Ziemlich cool für einen Club mit 200 Gästen Kapazität, finde ich. Da habe ich wieder gemerkt, wofür wir das hier alles machen. Ich finde es sehr schön zu spüren, dass die Goldgrube so vielen Leuten so viel bedeutet! Meine Erfahrung durch dieses Projekt ist, dass eine starke Gemeinschaft viel erreichen kann. Für einen alleine ist das Projekt nicht zu schaffen. Tun sich mehrere Personen zusammen, ist Großes möglich.

Gibt es noch Schwierigkeiten?
Die größte Schwierigkeit ist derzeit, alle Unterlagen zu der Immobilie zu erhalten. Ämter sind überlastet, Termine mit Wartezeiten von bis zu vier Wochen sind keine Seltenheit. Es ist jede Menge Papierkram, den ich noch zusätzlich abarbeiten muss. Der Clubbetrieb steht ja nicht still. Es ist ein Spagat, der sich an manchen Tagen so anfühlt, als wäre er nicht zu schaffen. Dann muss man sich wieder einen Zettel mit den wichtigsten Punkten machen und die Liste konsequent abarbeiten. Ich mache auf jeden Fall drei Kreuze, wenn das Projekt in trockenen Tüchern ist und wir beim Notar waren.

Wie sieht der Zeitplan aus? Gibt es feste Termine, die eingehalten werden müssen?
Wir hatten Anfang 2025 auf den Juli als Kauftermin gehofft. Mittlerweile bin ich mit Daten zurückhaltender. In diesem Jahr wird es vonstatten gehen, mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich weiß nur, dass die Hausärztin mit ihrer Arztpraxis in der Etage über der Goldgrube im Juli in Ruhestand geht. Diese Chance wollen wir nutzen und in den ehemaligen Praxisräumen unsere Künstlerwohnung einrichten. So wird das Haus mit der Goldgrube nach und nach zu einem einzigartigen Kulturstandort.

Wie wird das Ganze organisiert? Du hast ja erklärt, dich wieder mehr um dein Privat- und Familienleben kümmern zu wollen ...
Das Kasseler Punkrock Kollektiv e.V. steht in den Startlöchern! Die Vereinsmitglieder helfen mir schon jetzt beim laufenden Betrieb. Der Verein hat seit der Übergabe sehr viele neue Mitglieder bekommen. Ich bin selber Mitglied und freue mich auf die Organisation und Arbeit als Verein. Ich habe den Club viel zu lange alleine geführt, konnte aber auch verstehen, dass in den Corona-Jahren 2020 bis 2023 niemand in den Betrieb einsteigen wollte. Ich werde mich in Zukunft vor allem um den Bereich Programmgestaltung und Booking kümmern. Das hat mir immer am meisten Spaß gemacht.

Müssen die Konzertbesucher mit irgendwelchen Veränderungen rechnen?
Das Programm gestalte ich ja weiterhin mit, so groß kann der Umbruch also nicht werden. Wem es bisher bei uns in der Goldgrube gefallen hat, der kann beruhigt sein. Andere Beteiligte werden sicher neue Ideen mitbringen, und darauf freue ich mich sehr.

Gibt es Änderungen für die Bands?
Wir werden dieses Jahr eine Dusche im Club haben! Eine weitere Verbesserung für die Bands wird es sein, wenn wir ihnen im selben Haus Übernachtungsmöglichkeiten anbieten können. Durch den Auszug der Arztpraxis können wir nachmittags auch früher mit dem Soundcheck beginnen. Ich sehe im Moment nur Verbesserungen.

Welche Highlights können wir dieses Jahr noch erleben?
Also ich freue mich auf C.O.F.F.I.N und WUCAN, GIRLSCHOOL und BLITZKRIEG sind für mich weitere Highlights! 2025 wird es durch den Übergang ein bisschen ruhiger. Der Tag hat nur 24 Stunden. Nächstes Jahr wird wieder richtig Vollgas gegeben!

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