© by BandIm April konnten die HAMBURG RAMÖNES ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Rund um diese Festivitäten hat das Quartett auf die Schnelle einen neuen Song eingespielt. Der politische Protestsong ist nicht unbedingt die Kernkompetenz der Band, aber es ist einfach an der Zeit, die derzeit unsäglichen Zustände im Mutterland der RAMONES anzuprangern. Darüber sprachen wir mit Sänger Tommy und dem Bassisten Olli.
Ihr könnt inzwischen auf 25 gemeinsame Jahre zurückblicken. Wie und wo wurde dieses Jubiläum gefeiert?
Tommy: Wir haben am 5. April in Hamburg im Indra gespielt und da unsere Silberhochzeit an die große Glocke gehängt. Wir hatten einen bunten Abend und jede Menge Spaß. Für das Jubiläumsjahr sind weitere Shows in London oder Birmingham und in Irland geplant.
Das Zusammentreffen habt ihr spontan dazu genutzt, um mit „Tesla boy“ einen neuen Song zu schreiben, der auch auf der Ox-CD zu hören ist. Ihr hattet zwar schon mit „No exit“ ein viel beachtetes Stück, das eindeutig Stellung gegen den Brexit bezog, aber auf klare politische Aussagen trifft man bei euch sonst eher selten. Wie kam es zu dem neuen Song mit der eindeutigen Botschaft?
Olli: Wir bereiten gerade unser achtes Album vor, das 2026 erscheinen wird. Wie auch schon bei den RAMONES geht es bei uns textlich um eher unpolitische Themen, da es auch wichtig ist, den Alltag mal auszuklammern. Wenn du allerdings gar nicht mehr die Augen und Ohren öffnen kannst, ohne dass dir die Welt einen schlechten Kinofilm aufdrängt, meinen sogar wir, dass mal etwas dazu gesagt werden muss. Der Song schrieb sich deshalb fast von alleine und klingt für mich wie eine, wenn auch kleine Faust, die mal frustriert auf den Tisch haut.
Ihr seid ja ausgesprochene RAMONES-Kenner. Was hätten Joey und Co. zum „Tesla boy“ gesagt?
Tommy: Joey hätte gesagt: „Ya know, this track’s great, you hit the nail on the head. If this rubbish will carry on in the US, I’ll move over to Hamburg and join you, guys. It’s a democracy sell-off.“ Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass selbst der konservative Johnny Ramone den Weg der USA ins autokratische Absurdistan nicht mehr lustig gefunden hätte. Dee Dee, wenn er eine cleane Phase gehabt hätte, hätte sich dem Inhalt und der Musik voll angeschlossen, das ganze Stück ist ja purer Punk und kompromisslos. Ich denke, dass Tommy zunächst über die Außenwirkung gegrübelt hätte, um dann zu sagen: „Wir haben 1985 ‚Bonzo goes to Bitburg‘ als Kritik an Ronald Reagan gemacht, es hat uns nicht geschadet, jetzt, 40 Jahre später, müssen wir wieder Stellung beziehen. Die Menschheit bringt leider eben alle paar Jahre wieder neue Despoten und Populisten hervor, die meinen, die Welt mit Tonnen von Geld und Lügen unter sich aufteilen zu können. Wir sind Punk und dagegen, daher muss der Song raus in die Welt!“ Wir können natürlich auch klassische RAMONES-Romantik, aber hier muss nun mal Tacheles geredet werden. Play loud!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #97 August/September 2011 und Axel M. Gundlach
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