HAWAIIANS

Foto

Den Sommer im Herzen

Gerade ist mit „Pop Punk VIP“ das neue Album der HAWAIIANS erschienen. Das Trio aus Westerkappeln ist eine der ältesten noch aktiven deutschen Pop-Punk-Bands. In ihrem Umfeld trifft man auch regelmäßig auf hochkarätige Pop-Punk-Prominenz. Höchste Zeit also, sich nach dem VIP-Status der Band zu erkundigen. Unseren Fragen stellen sich Gitarrist Beppo Hawaiian und Schlagzeuger Paul Hawaiian, die sich zudem den Gesang teilen.

Euer neues Album trägt den Titel „Pop Punk VIP“. Wie seht ihr selbst euren aktuellen VIP-Status?

Paul: Der Albumtitel bezieht sich auf ein gleichnamiges Lied des neuen Albums. Und alles in diesem Songtext ist total ironisch, wir betrachten uns natürlich in keiner Weise als VIPs. Und wenn wir diesen Titel mal für uns übersetzen wollen, würden wir eher von „Very Impressed Persons“ reden. Denn wir sind nach all den Jahren immer noch total beeindruckt, was uns als Band an Freundlichkeit, abgefahrenen Sachen und guten Wünschen begegnet. Wir sind also eher beeindruckt, als dass wir die sind, die andere beeindrucken.

Wenn man sich mit euch beschäftigt, trifft man regelmäßig auf prominente Namen des Pop-Punk. Beim neuen Song „What’s normal for the spider“ wirkt zum Beispiel Richie Ramone mit. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Beppo: Wir haben ihn gefragt, so einfach ist das manchmal. Wir kannten ihn schon von zwei Konzerten, die wir 2018 mit ihm gespielt haben. Bei zwei Songs des neuen Albums hatten wir das Gefühl, dass sie auch gut von Richie gesungen werden können. Wir haben ihm beide Songs zugeschickt, er hat prompt geantwortet, dass er gerne ein Playback für „What’s normal for the spider“ hätte, und eine Woche später hatten wir seine fertige Aufnahme. Das ist natürlich für solche Fanboys wie uns das Größte überhaupt. Ich habe mich wirklich eingenässt.

Unterstützt ihr auch andere, die bei euch anfragen?
Paul: Als uns Madonna gefragt hat, ob wir ihr mal einen Schlüpfer schicken können, da haben wir auch gleich gesagt, klar, das machen wir. Wir werden zwar furchtbar selten gefragt, aber dann helfen wir auch gerne.
Beppo: Ich durfte zum Beispiel schon bei der US-Band LESSER CREATURES beim Song „SV Meppen“ im Background singen.

Im Netz findet man auch einen Clip, in dem Bela B euer letztes Album ordentlich abfeiert. Was habt ihr ihm dafür bezahlt und hat sich diese Promo für euch gelohnt?
Paul: Das ist keine geplante Promo gewesen. Wir sind riesige DIE ÄRZTE-Fans. Ich finde Bela B unfassbar super, seit meiner Kindheit ist er so eine Art Rock’n’Roll-Übermensch für mich. Wir hatten die Chance, ihm bei einem DIE ÄRZTE-Konzert eine Platte zu übergeben. Und dieses Video, dass er die Platte dann im Backstage-Raum tatsächlich auch auflegt, ist uns zugeschickt worden, da waren wir noch im Auto auf der Rückfahrt vom Konzert. Ich hätte fast einen Unfall gebaut, weil Beppo so laut rumgeschrien hat und ich die Welt nicht mehr verstanden habe. Unfassbar, dass er im Backstage-Raum einen Plattenspieler hat und uns dann auch noch gut findet. Das war ein total unwirklicher Fan-Moment für mich. Das war keine „Geil, jetzt kriegen wir reichlich Klicks“-Sache.

Danach hattet ihr aber keinen Kontakt mehr zu ihm.
Paul: Nein. Der ruft zwar ständig bei uns an ...
Beppo: ... aber wir heben den Hörer nicht ab. In dem Video hört er in den ersten Song des Albums rein und stellt fest, dass es total nach den QUEERS klingt. Dass er die QUEERS kennt und uns mit ihnen vergleicht, das hat mich schon begeistert.

QUEERS ist ein gutes Stichwort. Ihr habt vor einiger Zeit auch zwei gemeinsame Shows mit der Band gehabt. Deren Frontmann Joe Queer ist nicht unumstritten aufgrund einiger Äußerungen, die ihm Rassismus- und Homophobie-Vorwürfe eingebracht haben. Wie habt ihr diese Diskussionen verfolgt?
Beppo: Wir haben in Meppen und in Hamburg mit den QUEERS gespielt. Und die Diskussionen nehmen wir eigentlich gar nicht wahr. Das hat man schon bei einigen Künstlern und Bands gesehen, dass da viel geschrieben und gesagt wurde. Wir gehen lieber danach, welche Erfahrungen wir selbst mit diesen Menschen machen. Wir haben Joe Queer nicht als einen homophoben oder rassistischen Menschen kennen gelernt. Ganz im Gegenteil, das ist ein unglaublich offener und freundlicher Typ. Alles andere müsste man sezieren.
Paul: Die Konzerterfahrung mit den QUEERS war durchweg positiv. Das Erste, was Joe gemacht hat, war, dass er sich mit uns ins Auto gesetzt und unsere neuen Demos angehört hat. Und in Meppen hat er direkt gesagt: „Hier bin ich unter Freunden.“ Und er hat sich total gefreut, mit uns zu spielen. Wir haben 2003 schon mal mit den QUEERS gespielt und hatten Joe vor den Konzerten noch ein uraltes Foto von damals geschickt.

Wir haben jetzt über einige Pop-Punk-Prominente gesprochen. Habt ihr dieses Namedropping bei eurer Klasse und Bekanntheit überhaupt noch nötig?
Paul: Nee, weil ich es einfach gar nicht als Namedropping bezeichnen würde. Weil wir in erste Linie ja selbst Fans sind und die Musik aus tiefer, innerer Freude machen. Und weil es das Größte für uns ist, mit Bands zusammen zu spielen, die wir seit unserer Kindheit hören und vergöttern. Das zu erwähnen ist auch kein bewusstes Werbeinstrument für uns, sondern der Ausdruck einer reinen Freude, dass uns das passiert.

Bei der Covergestaltung habt ihr euch die Unterstützung vom FLANDERS 72-Frontmann Paulinho gesichert. Gefühlt wird aktuell ein Großteil der Pop-Punk-Plattencover entweder von Paulinho oder Ole O’Brian gestaltet. Ole hat ja euer letztes Albumcover entworfen.
Beppo: Wir haben Paulinho auf der letzten Tour der FLANDERS 72 in Osnabrück kennen gelernt und der hat es einfach voll drauf. Paulinho und Ole sind für uns erste Wahl, weil sie schon so großartiges Artwork gemacht haben und wirklich super Kumpeltypen sind.

Das neue Album erscheint auch wieder in farbigem Vinyl. Wie seht ihr die aktuelle Entwicklung im Vinyl-Markt mit den langen Lieferzeiten und ständig steigenden Preisen? Droht ein Revival der totgesagten CD?
Paul: Also wir erleben gerade ein Tape-Revival, weil die einfach total schnell verfügbar sind. Was Vinyl betrifft, das ist für uns ziemlich intransparent, weil wir das Glück haben, dass das für uns vom Label abgewickelt wird. Die Wartezeit auf die neue LP war aber völlig in Ordnung, Ende April haben wir die Songs fertiggestellt und vier Monate später ist die Platte fertig gepresst. Trotzdem kriegen wir natürlich mit, dass die Vorlaufzeiten teilweise sehr lang sind, weil Stars der Volksmusik und A-Prominenz plötzlich alles wieder auf Vinyl rausbringen mit dickem Fotoalbum dazu, und die Fans kaufen die Platten nur wegen der Fotos. Und das ist echt bedenklich für Subkulturen und kleine Szenen.

Gerade ist das erste Video zum neuen Album erschienen. Passend zum Songtitel „Across the sea“ seid ihr auf und im Wasser zu sehen. Im Gegensatz zu einigen Surf-Pop-Punk-Bands, die in Wahrheit einen großen Bogen um jeden See machen, scheint ihr nicht wasserscheu zu sein.
Beppo: Richtig, ich habe meine Phobie überwunden und bin im Video im Flamingo-Tretboot richtig weit rausgefahren.
Paul: Das Video ist echt, da ist nichts dran gestellt. Ich selbst bin auf einem Wingfoil Board unterwegs. Ich surfe schon seit Ewigkeiten. Wir singen also nicht nur übers Surfen, wir surfen auch. Und Beppo bringen wir das auch noch bei.
Beppo: Ich sage ja immer: Nach der ersten Kiste Bier kommen die Wellen von allein.

Ihr seid für zahlreiche Hymnen bekannt, in denen ihr die Vorzüge des Sommers abfeiert. In Zeiten des Klimawandels mit Rekordtemperaturen, müsste man da nicht mit der Verherrlichung des Sommers aufhören und auch endlich mal die Schattenseiten heißer Sommertage anprangern?
Paul: Uns geht es eher um den Sommer im Herzen. Es geht um das Gefühl, dass man mit Sommer verbindet. Mit längeren Tagen, an denen man mehr erlebt, mit ausgelassener Stimmung, mit Surfen. Vor allem im Winter sehnt man sich natürlich nach dem Sommer.
Beppo: Die Natur, das Meer, der Strand, das gehört alles zu den schönsten Dingen, die es gibt. Und diese Schönheit zu besingen, fördert ja auch ein positives Bewusstsein gegenüber diesen Dingen. Das heißt ja nicht, dass wir die Augen verschließen vor allen Problemen dieser Welt und uns in unsere kleine hawaiianische Hula-Höhle flüchten.
Paul: Die HAWAIIANS treffen keine weltpolitischen Aussagen. Die Leute sollen einfach eine gute Zeit haben. Sie sollen die Platte auflegen und sich angesichts des Schreckens der Welt wenigstens für die paar Minuten freuen. Und sich danach wieder engagieren und für wichtige Dinge eintreten.