
Neuseeland. Am Ende der Welt, von uns aus gesehen. Kiwis, Schafe, Maoris… Vorurteile überwiegen gegenüber dem eigentlichen Wissen über dieses Land. Und dann noch diese Band mit dem seltsamen Namen KOPF WIE EIN LOCH. Gitarrist Datehole (seine Mutter nennt ihn bei Zeiten auch Nigel) sagt dazu, dass es eine Band wie HEAD LIKE A HOLE In Neuseeland noch nicht gegeben hat. Das stimmt so nicht ganz, denn die Wahrheit dürfte wohl eher so sein, dass es eine solche Band weltweit Seltenheitswert besitzt. Für HLAH passen solche Schlagworte wie Punk, Hardcore, Metal, Grunge oder Industrial nur in einem begrenzten Maße. Modern-Primitivism-Core oder Neo-Tribalism treffen da den Nagel schon besser auf den Kopf. Und die Musik und Show von HLAH sind dermaßen Interessant, dass wir uns hier In Europa diese Band mal zu Gemüte führen sollten. Lassen wir die Bandmitglieder Datehole, Booga, Hl dee Beast und Tall Beast zu Worte kommen.
Wann habt Ihr HEAD LIKE A HOLE gegründet?
Tall Beast: Das war so im Februar oder März 1991. Wir wollten halt etwas Musik machen.
Welche Platten habt ihr denn bis jetzt heraus gebracht?
Tall Beast: Da wäre die „Fish across face" CD-Single, mit der wir in Neuseeland in die Top 10 gekommen sind; dann die zweite CD-Single namens „Beezlebeats", und vor kurzem die neue „13" CD, die hier in Ozeanien verdammt gut ankommt.
Seid ihr überrascht, dass ihr so gut ankommt?
Tall Beast: Yeah! Auf der „13" CD sind praktisch fast alle Songs, die wir bisher geschrieben haben. Eine Chronologie unseres bisherigen Schaffens sozusagen. Und die Reaktionen sind gut, deshalb ist es eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Und wie verkauft sich die CD?
Tall Beast: Ganz gut. In der ersten Woche nach Erscheinen sind wir bis auf Platz 26 der Charts gekommen. Und es sieht so aus, als ob wir noch viel höher kommen werden. Unsere erste CD-Single „Fish across face" war ja auch wochenlang die Nr.1 in den Indie-Charts.
Und wie sieht es mit einer Tour aus?
Tall Beast: Im Augenblick haben wir die Hälfte unserer Neuseeland-Tour hinter uns. Bislang war die Tour recht gut, wir sind gut angekommen. Hier in Neuseeland gibt es jede Menge Bands, die englische Bands nachmachen, oder all diese AC/DC-Coverbands, die, ehrlich gesagt, todlangweilig sind. Und wenn wir dann auftreten mit unserer Show, rasten die Kids im Publikum total aus. Alles stürzt übereinander, um mal nach vorne zur Bühne zu kommen.
Wie sieht denn eure Einstellung zur Musik aus?
Datehole: Wir nehmen sie sehr ernst. Hier in Neuseeland gibt es eine Musiksendung, die „Yahoo Show", und wenn wir da auftreten, müssen wir uns nicht verstellen, um irgendwie cool zu sein. Denn durch unser ernsthaftes Musikmachen machen wir keinen Unterschied zwischen Proberaum, Live oder TV-Sendung.
Werdet ihr in der Yahoo Show auch nackt auftreten, so wie bei euren Liveshows? Datehole: Nein, das haben sie uns nicht erlaubt.
Wird es euch nicht irgendwann mal kalt, wenn Ihr nackt auftretet?
Datehole: Nah, wir steigern uns in unsere Musik rein und schwitzen dann praktisch unsere Ärsche weg!
Gab es da schonmal Probleme, weil ihr nackt auftretet?
Tall Beast: Nein, bisher noch nicht.
Datehole: Ich warte die ganze Zeit eigentlich auf eine Groupie-Invasion, wenn es eine solche Sache überhaupt gibt. Haha! Ansonsten kann ich nur sagen, dass unser Nacktsein auf der Bühne eben nur ein Teil der Show ist. Ein Gimmick eben.
Ihr kommt ja nun aus Wellington in Neuseeland. Gibt es da überhaupt so etwas wie eine Musikszene?
Datehole: Nicht so richtig, weil es mehr normale Bands gibt und wenige Läden, wo man spielen kann. Aber es gibt da schon gute Bands, wie GIFTED AND BROWN, TRASCH und THIS WILL KILL THAT, wenn du auf so etwas stehst. Das Hauptproblem ist, dass es hier nicht genügend Leute gibt, die sich in die Sache reinhängen wollen, um sie nach vorne zu bringen. Wellington hat für uns nur den Vorteil, dass es in der Mitte von Neuseeland liegt, und wir relativ schnell überall hinfahren können für Shows. Selbst in den Süden von Neuseeland fahren wir, während Bands aus Auckland (die größte Stadt in Neuseeland) gerade mal bis Wellington kommen und es nicht einmal mehr versuchen, sich in den südlicheren Städten ein Publikum zu erspielen.
Noch einmal zu Euren Nacktauftritten. Wollt Ihr Sexsymbole sein?
Datehole: Shit no! Nee, wir sind der hässlichste Haufen von Schwänzen, den du je gesehen hast. Wir sind alle fett, haben keine guten Körper und führen alles andere als einen gesunden Lebenstil.
Warum dann nackt?
Datehole: Weil du dich dann nicht entscheiden musst, was zum Henker du auf der Bühne tragen sollst. Ich ziehe halt alle meine Klamotten aus und dann geht es los. Volle power! It brings the people down to earth!
Kann man in Neuseeland von der Musik leben?
Datehole: Nicht in Neuseeland. Dazu gibt es zu wenige Leute hier. Nicht das wir das nicht anstreben, aber hier werden wir es nicht können.
Gibt es dann Pläne nach Übersee zu gehen?
Tall Beast: Vielleicht gehen wir im April nach England, aber das ist noch nicht raus. Eventuell erstmal nach Australien.
Versuchen die meisten Kiwi-Bands nach Übersee zu gehen?
Datehole: Well, ich meine schon, wenn du nicht gerade vorhast nur hier in Neuseeland ewig herumzufahren, und du dann eventuell vor immer kleinerem Publikum spielst, weil die Leute dich nach etlichen Shows nicht mehr sehen können. Ich sehe das ein bisschen zwiespältig, denn selbst wenn du hier die Nummer 1 in den Charts wirst, bringt dich das nicht viel weiter. Reich werden kannst du damit nicht.
Lasst uns mal über eure Texte reden. Wovon handelt „Fish across face"? Ist das die 90er-Jahre-Version von „I love Rock'n'Roll"?
Hl dee: Nein, das ist keine Hymne für eine neue Generation. Definitiv nicht. Wir haben keine tiefergehenden oder bedeutungsschwangeren Texte. Sie sind auch nicht herzergreifend, einfach nur Phrasen und Wortspiele.
Eure „13" CD hat einen hammerguten Sound. Habt Ihr da ein dickes Budget verballert?
Hl dee: Das hat mehr mit dem Talent von unserem Mixer Brent McLaughlin zu tun. Sein Studio in Writhe ist recht klein und hat nur 16 Spuren, aber er hat da den totalen Durchblick. Er hat alles herausgeholt, was es zu holen gab. Deshalb hört es sich wie eine dicke Budget-Aufnahme an. Hört sich sehr präzise an. Aber für mich besteht da ein großer Unterschied zwischen Studio und Live, weil das zwei total unterschiedliche Medien sind. Live hast du all diese visuellen Eindrücke und unsere Show ist das totale Theater. Die Musik ist schon sehr wichtig, aber du brauchst etwas zum Anschauen. Im Studio ist das anders. Das ist steril, du musst deine Energie dann über technische Einrichtungen umsetzen.
Das Drum von dir, Hl dee, hört sich sehr tribalmäßig an, anders als bei den meisten anderen Bands bzw. Drummern.
Hl dee: Das Drumspielen setzt sich bei mir aus all den Sounds zusammen, die ich bisher gehört habe. Alles diverse Richtungen, von Jazz bis Reggae, Death-Metal, Industrial, DrumMaschinen und noch andere Sachen. GOREFEAST, SKINCHAMBER und die EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN sind meine derzeitigen Favoriten. Das hat schon einen Einfluss auf unsere Musik, aber ich glaube, dass das Leben uns dennoch mehr beeinflusst als irgendeine bestimmte Musik.
Datehole: Wenn Leute mich fragen, was für eine Musik wir machen, sagen ich ihnen: „Du kennst doch FAITH NO MORE, JANES ADDICTION und die CHILI PEPPERS?! Wir sind absolut nicht wie diese Bands. Wir spielen nicht diesen Funky Wanky Shit! We ROAR!“
Danke für s Interview.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #14 I 1993 und Helge Schreiber