© by Alex KraussIn ihrer Musik zeichnen IMPERIAL TRIUMPHANT ein komplexes Bild von ihrer Heimatstadt New York City. Ihr avantgardistischer Ansatz kombiniert Jazz mit Death und Black Metal, lässt dabei aber genug Raum für weitere Einflüsse, die ihren Sound einzigartig, aber dennoch offen halten. Im Interview erzählt Gitarrist und Sänger Zachary Ezrin von der Entstehung ihres neuen Albums „Goldstar“.
Seit dem Release des Albums „Alphaville“ sind IMPERIAL TRIUMPHANT mit ihrem avantgardistischen Take auf Death und Black Metal zu wahren Paradiesvögeln innerhalb der modernen Metalwelt geworden. Zu diesem Zeitpunkt von einem Label wie Century Media Records unter Vertrag genommen zu werden, war für Zachary eine sehr noble Geste. „Sie haben uns wirklich wegen der Musik gesignt. Sie schätzen uns für die Kunst, die wir machen.“ Beflügelt vom Momentum und Support des Labels konnte die Band aus New York City ihren Sound frei ausleben und über den Release ihres vorletzten Albums „Spirit Of Ecstasy“ weiter ausbauen. Mit „Goldstar“ gehen IMPERIAL TRIUMPHANT wieder einen Schritt weiter. Kreativen Druck verspürte die Band dabei jedoch nicht, wie Zachary sagt. „Wir sind keine Popstars. Wir machen keine Millionen mit einer einzelnen Hit-Single. So funktioniert Metal für uns in der Regel nicht.“ Viel mehr geht es der Band in ihrer Musik darum sich nicht zu verstellen. „Jeder Song, den wir je gemacht haben, war vor allem eins: ehrlich zu uns selbst. Da gab es keinen Druck von außen. Natürlich schreiben wir Musik für ein Publikum, aber wir lieben es einfach, neue Ideen für Songs zu erforschen.“
Im Vorprogramm von ZEAL & ARDOR oder IGORRR sowie linken Black-Metal-Bands funktioniert der Sound von IMPERIAL TRIUMPHANT laut Zachary am besten. „Diese Menschen sind viel offener für Neues, also auch unsere Musik.“ Auf der anderen Seite erleben sie Shows, bei denen ihre Performance von vielen nicht verstanden wird, wie Zachary ausführt. „Wir haben eine Menge Konzerte gespielt, wo das Publikum lieber mitschreien und mitklatschen wollte. Das geht nicht bei 7/8- oder 9/8-Takten, also kann ich nachvollziehen, dass wir nicht überall gut ankommen.“ Verunsicherung resultiert daraus aber nicht. „Wir werden engagiert, einen Gig zu spielen, also gehen wir raus und ziehen unser Ding durch. Wenn es den Leuten gefällt, wunderbar. Aber wir werden uns nie anpassen oder verstellen, um eine bestimmte Crowd zu begeistern.“
Hört man sich das neue Album von IMPERIAL TRIUMPHANT an, so fällt auf, dass der Sound der Band dennoch etwas eingängiger geworden ist. Das stellt sich insbesondere in konzisen Tracks dar, die mehr dem Format eines Rocksongs folgen als dem Format eines avantgardistischen Clusters. „Das war gewissermaßen der Plan. Wir wollten uns selbst herauszufordern und sehen, was möglich ist. Können wir eher im Rocksong-Format arbeiten, aber immer noch wir selbst bleiben und den Wahnsinn beibehalten? Ich glaube, es ist uns gelungen“, so Zachary. Beeinflusst von gemeinsamen Touren mit Bands, die ebenfalls einen extravaganten Sound haben, zählte aber auch bei „Goldstar“ dasselbe Credo wie bei jedem Album zuvor. „Ich bin ein großer Fan davon, etwas zu schreiben, das komplett neu ist. Was immer wir tun, muss anders sein als das, was wir zuletzt gemacht haben. Ich finde es langweilig, wenn Bands sich von Album zu Album nur noch selbst kopieren.“
Diesem Ansatz wird das Trio auch auf „Goldstar“ wieder gerecht. Dass es sich trotz Label-Support gut vermarkten lässt, evoziert bei Zachary gemischte Gefühle. „Es war schon immer eine Herausforderung, sein eigenes Ding zu machen. Wir sind weit gekommen, aber nicht nahe an der Spitze. Aber für eine kleine Underground-Death-Metal-Band sind wir relativ weit gekommen. Wenn ich zurückblicke, dann weiß ich jeden Schritt, den wir gegangen sind, zu schätzen, aber ich gebe zu, dass jeder dieser davon ein Kampf war. Es gab keinen Moment, wo die Türen uns einfach offen standen. Da waren etliche Shows vor wenig Publikum, hunderte Mails und Anrufe, das war ziemlich hart. Aber auf der anderen Seite, ist es wahrscheinlich genauso hart, wenn man wie alle anderen Bands klingt und es schwer ist aufzufallen.“
Auf „Goldstar“ gehen IMPERIAL TRIUMPHANT auf verschiedenen Ebenen neue Wege. So stieg man für das Musikvideo zu „Lexington delirium“ auf das Empire State Building und wurde zur ersten Metalband, die ein Video auf einem der Wolkenkratzer New York Citys drehte, was diverse Herausforderungen mit sich brachte. „Ich bin enorm stolz auf das Video. Es war hart, bei Tageslicht und all dem Lärm der Stadt dort zu drehen. Höhenangst spielte keine Rolle, aber ich habe versucht, auf den Adlerkopf zu kommen, was aber nicht möglich war. Es war zu rutschig und wäre ich ausgerutscht, wäre ich abgestürzt. Es ist ein wahr gewordener Traum, so etwas wie dieses Video zu machen, war aber definitiv auch unheimlich dort oben.“
Der Stadt New York widmete die Band auf dem neuen Album einen besonderen Track. Ein Stück, das laut Zachary das Chaos, den Stress und die Angst im Alltag von New York City ausdrückt. „Es ist ein 30-sekündiger, improvisierter Grindcore-Song. Wir haben ihn nicht geprobt, sondern sind ins Studio gekommen und haben gesagt, dass der Producer uns nach 30 Sekunden Feedback geben soll, wie es war.“ Eingespielt, wie sie nach über zehn Jahren gemeinsamer Bandgeschichte waren, ist das Experiment geglückt. „Das Verständnis der Existenz in New York City als Konzept hat jeder von uns internalisiert. Wir leben unser ganzes Leben schon in der Stadt“, so Zachary. Doch was ist für den Gitarristen und Sänger am wichtigsten, wenn es die Band und ihre Zukunft angeht? „Am Ende zählt für mich eins: eEgal, was du über IMPERIAL TRIUMPHANT denkst, ob du uns hasst oder liebst, es ist unbestreitbar, dass wir einzigartig klingen und etwas Originelles machen – darum geht es für mich. Mein Ziel ist es, der Metal-Szene einen Stempel aufdrücken, der sagt: Wir waren hier und klingen anders als der Rest. Zu sehen, dass es Bands gibt, die sich davon inspiriert fühlen, ist natürlich beflügelnd für uns als Künstler.“
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