JOSHI, ZSK

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Social Media (Teil 4)

In dieser Rubrik befragen wir Menschen aus der Szene zu ihrer Nutzung von (nicht nur) sozialen Medien. Die bestimmen unser aller Leben, aber es wird erstaunlich wenig darüber geredet, wer was wie nutzt. Diesmal beantwortet Joshi von ZSK unsere Fragen.

Bitte verrate uns, welche Social-Media-Plattformen du privat und für die Band nutzt, in welchem täglichen zeitlichen Umfang, und warum diese und warum jene kaum oder nicht.

Also wir sind mit ZSK auf TikTok, Bluesky, Twitter, Facebook und Instagram am Start. Ich traue mich gar nicht nachzuschauen, aber mit Sicherheit verbringen wir viel zu viel Zeit mit dem Betreuen der Accounts. Wir versuchen, da wirklich so gut wie jede Nachricht zu beantworten. Das ist manchmal mega viel Arbeit, aber die Leute freuen sich immer sehr, dass wir auf ihre Fragen reagieren. Wichtigstes Medium ist definitiv – noch – Instagram für uns. Da passiert einfach am meisten. TikTok ist das Sorgenkind. Wir sind halt keine Witz-Tanz-Band und machen keinen Techno und keine rechte Hetze. Das sind die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für einen erfolgreichen TikTok-Kanal ...

Welche Quellen nutzt du, um dich musikalisch zu informieren?
Am liebsten natürlich klassische Fanzines wie Ox, Trust, Zap und so, aber davon gibt es ja leider kaum noch welche. Online lese ich gerne Visions, Low Budget High Spirit, 23punk und viele von den kleineren Online-Mags wie Punk.rockt, Festivalstalker oder Riot Vision. Und Podcasts sehr gerne, wie „Reflektor“ mit Jan Müller, „Und dann kam Punk“ oder auch „Weil’s jeden Tag brennt“, den neuen Podcast von Monchi.

... und welche für politische und gesellschaftliche Themen?
Zeit-Online und taz sowie diverse Antifa-Recherche- und Polit-Seiten. Das meiste davon finde ich via Twitter oder Bluesky, wo Leute gute Texte verlinken.

Und wie sieht es mit Printmedien aus?
Antifa-Infoblatt, Der Rechte Rand, Lotta, Veto-Magazin und die Mitgliederzeitungen vom VVN-BdA und Rote Hilfe e.V. Von den normalen Zeitungen lese ich am liebsten die taz, Die Zeit, Jungle World, SZ und ab und zu den Spiegel.

Welches Nutzungsverhalten hast du bei dir selbst beobachtet über die Jahre?
Print ist tot. Das ist wohl kaum noch zu ändern. Früher hatte ich drei Zeitungsabos. Heute kein einziges mehr. Nur noch ausgewählte Magazine im Abo. Um die Schnelllebigkeit von Online-Medien kommt man nicht drumherum. Ein Segen und ein Fluch zugleich ist dabei meiner Meinung nach Twitter. Da gibt es ja alle Weltereignisse nahezu in Echtzeit. Revolution, Krieg, Amoklauf, Katastrophen – Stunden bevor es die Headline auf Spiegel-Online wird, findet man schon dutzende Videos und Infos zu solchen Ereignissen auf Twitter. Aber in den vergangenen Jahren ist ja wegen Musk die ganze Plattform immer mehr zum Sammelbecken von Trollen, Bots und rechten Arschlöchern geworden. Inzwischen muss man da beim Medienkonsum sehr vorsichtig sein.

Deine Prognose: Wohin geht die Reise in Sachen Informationsquellen?
Ich glaube, das wird durch die KI-Entwicklung in den kommenden Jahren alles maximal krass. Man wird nicht mehr unterscheiden können, welche Videos, Fotos oder Texte Fake und welche echt sind. Es gibt Theorien, nach denen inzwischen ein Großteil der Twitter-Nutzer in Wirklichkeit nur noch Bots sind. Vielleicht gar nicht so abwegig. Durch die Algorithmen werden Menschen immer stärker dazu gebracht, sich nur in ihrer Meinung bestätigen zu lassen werden. Das Dogwhistle-Prinzip, also dass man den Usern am besten das anzeigt, worauf sie vermutlich anspringen werden, sorgt dafür, dass die Menschen ganz schnell in so ein Rabbit Hole fallen und keine anderen Meinungen mehr zulassen. Soll heißen: der Kampf um die Meinung im Netz wird noch viel stärker und heftiger werden und harte Auswirkungen auf die reale Welt haben. Nicht nur bei der Selbstradikalisierung Einzelner, die dann zu Gewalttaten übergehen, sondern auch bei der Massenmeinung. Gesellschaftliche Diskurse werden durch gezielte Onlinekampagnen für oder gegen etwas komplett verschoben. Nur so ist beispielsweise der Erfolg von Trump und der AfD und dieser uferlose Hass gegen Geflüchtete und Die Grünen zu erklären. Wir gehen düsteren Zeiten entgegen ...

Zum Schluss: Wo vertrödelst du gerne deine Onlinezeit ganz sinnfrei und rein zum Spaß?
Bei Reddit.

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