
Keiner kennt euch – keiner hat je was von euch gehört. Deshalb bitte das Übliche...
Thorsten: Die "übliche" Story gibt's bei uns nicht. Unsere Story weicht von allem bisher Bekannten ab. Die KAKTUXXE gibt's seit 1987 - allerdings hießen sie damals noch KAKTUXXE?PUNK. Das waren bis auf die Leute, die bei den FISHKICKS spielen, die gleichen Mitglieder wie heute. Die KAKTUXXE, wie man sie heute kennt, gibt's seit der ersten 7" "Fight The Nazi-Baby". Damals stießen die FISHKICKS, die noch nicht so hießen, zu dritt zu den KAKTUXXE?PUNK, worauf das ?PUNK weggelassen und die Single aufgenommen wurde. Die FISHKICKS existieren aber nach wie vor.
Und was hat das alles mit KIX zu tun, dem besten Piccolo-Taschencomic der Welt?
Zu der Zeit, als wir die beiden Bands fusionierten, lernten wir auch Rautie kennen, den heutigen KlX-Obergraphiker. Der hat wiederum mit Frunk vom ALL FOR NOISE-Fanzine und den FORSAKES die legendäre Hanauer Stadtzeitung BANANE gemacht, bei der auch wir alle mitgemacht haben. Diese BANANE war allerdings so schräg und seltsam, dass sie Keiner haben wollte, obwohl sie umsonst war... Zu BANANE-Zeiten
jedenfalls kamen wir auf die Idee, unten einen Streifen vom Heft abzuschneiden, woraus sich das KIX ergab, mit dem wir die BANANE finanzieren wollten. Irgendwann hatten wir dann keinen Bock mehr auf die BANANE, weil keiner bei uns werben wollte und in Hanau auch keine Veranstaltungen waren, die man hätte ankündigen Können. Am Schluss blieb dann nur das KIX übrig.
Wo ist denn die Trennung zwischen KIX und KAKTUXXE? Probt ihr denn auch im KIX-Büro?
Unser Büro ist tatsächlich der ehemalige KAKTUXXE?PUNK-Proberaum, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Auf jeden Fall sind wir alle Mitglied im Hanauer Kulturverein e.V.
Den ihr gegründet habt?
Nein, der stammt aus den 68ern. Allerdings beschränke sich deren Kulturverständnis nur auf diesen üblichen Kleinkunstkram. Naja, der Verein war ziemlich eingeschlafen, in den Räumen passierte nichts mehr, so dass wir wegen unserer Mitgliedschaft jetzt dort proben können. Der Raum ist übrigens in einem Turm von Schloss Philippsruhe, so einem richtig altehrwürdigen Gemäuer.
In Hanau scheint ja doch recht viel los zu sein.
Alles, was in Hanau los ist, hängt irgendwie mit uns zusammen. Das Klingt jetzt vielleicht überheblich, aber seitdem wir so richtig konzentriert-organisiert aktiv sind, trauen sich auch andere Leute mehr. Früher machte auch jeder von uns sein eigenes Ding, wie Band, Fanzine oder ich mein Tapelabel Schweinehundtapes. Wir haben dann gezielt alle Aktivitäten zusammengefasst, um das Potential besser ausnutzen zu können. Und seitdem ist in Hanau wieder was los: Es gibt seit Neuestem 'ne ganze Menge neuer Bands, die jetzt allmählich aktiv werden.
...und ihr seid die beste der Hanauer Bands?
Ganz und gar nicht, aber wir sind wohl die, die man am allerwenigsten versteht.
Auf jeden Fall wart ihr die erste Band, die eine CD rausgebracht hat.
Das schon, aber die mittlerweile aufgelösten U.F.D. hatten vorher eine LP gemacht. Aber die haben wir auch nie so ganz zu unserer Generation gezählt, denn die waren uns so 'ne halbe Generation voraus. Außerdem haben wir vor unserer Single so mit der Szene, besetzten Häusern, Autonomen und Punkern nie so richtig zu tun gehabt. Wir haben uns aber trotzdem schon immer total als Punker gefühlt, haben uns selbst erklärt, was Punk ist. Ich zum Beispiel bin dadurch Punk geworden, dass ich mir eines Tages von den' SEX PISTOLS die "Never Mind The BollocKs"-LP gekauft habe. Die Musik fand ich geil, und deshalb habe ich mich als Punk gefühlt, auch wenn ich nie so aussah. Schon zu FISHKICKS-Zeiten haben wir deshalb unsere eigene Vorstellung davon entwickelt, was Punk und Hardcore ist. Wir wussten eben nie so recht, was genau das ist. Klar, so von der Ideologie und Musik her wussten wir schon was, aber haben uns nie daran orientiert, was auf dem Markt ist. Deshalb waren die SEX PISTOLS und im Falle der FISHKICKS die BOXHAMSTERS und EA 80 unser größter Einfluss. Abgesehen davon haben wir eigentlich alle einen sehr schrägen Musikgeschmack, der von Industrial bis hin zu 70s Soul & Funk reicht. Aus diesem Gemisch kam dann die Musik der KAKTUXXE heraus.
Der Song auf der Single klingt für mich aber doch ziemlich nach DINOSAUR JR.
Findest du? Ich fühle mich da direkt angesprochen, denn der Song ist von mir. An DINOSAUR JR habe ich da keinen Meter gedacht. Wir haben eben auch harte Gitarren und einen gefühlvollen Sänger, der nicht die üblichen Melodien singt, was bei DINOSAUR JR ja auch der Fall ist. Und soweit ich weiß, findet Manutch, unser Sänger, die sogar zum Kotzen. Also eine direkte Beeinflussung ist da nicht vorhanden, höchstens eine ganz unterschwellige.
Was für Ambitionen habt ihr mit der Band? Außerhalb von Hanau habt ihr ja bisher kaum gespielt.
Vor ein, zwei Jahren fingen wir an, uns gezielt um Konzerte und eine Tour zu kümmern, aber auf Dauer war das völlig frustrierend, weil es nichts gebracht hat. Es war eine Verschwendung von Arbeitszeit und Geld. Wir haben uns dann damit abgefunden, dass uns keiner hören will und uns deshalb lieber auf etwas Anderes konzentriert, nämlich auf das KIX.
Kamen denn bisher schon Reaktionen auf die CD? Habt ihr schon ein paar verkauft?
In den Rezensionen wird immer wieder geschrieben, dass es Musik sei, die man nicht mit irgendwas vergleichen kann, und das ist wohl unser großes Problem, denn heutzutage kauft kein Mensch freiwillig die CD einer Band, die erstens unbekannt und zweitens nur schwer zu vergleichen ist. Deshalb haben wir doch noch ein paar CDs hier rumstehen, weil wir ja auch auf Konzerten kaum welche verkaufen können. Die CD stellt auch nicht mehr so ganz dar, was wir heute so machen, während der Song auf der Ox-Single für den Übergang zwischen damals und heute steht. Irgendwie ist alles etwas seltsamer geworden.
Was hat's denn mit dem Jahr der Kuh auf sich?
Wir haben aus verschiedenen Diskussionen und Visionen heraus dieses Jahr zum Jahr der Kuh erklärt. Denn die Mutter aller Menschen ist die Kuh.
Weshalb?
Heutzutage wird so gut wie kein Säugling mehr von der Mutter gesäugt, sondern alle bekommen Milch aus Kuhmilchinstantpulver. Außerdem fordern wir alle kreativen Menschen auf, immer und überall Kühe zu malen. Und jeder soll, wenn ihm danach ist, lauthals muhen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #15 II 1993 und Joachim Hiller