LAST TEN SECONDS OF LIFE

Foto© by Adam Zaspel

Absolut vernichtend

Mit „The Dead Ones“ schlägt das Deathcore-Quartett ein neues Kapitel auf. Das achte Album markiert ihr Debüt bei Metal Blade und präsentiert die Band in einer kompromisslos dichten, massiven Klangästhetik. Ansatz und Produktion setzen auf extrem schwere Gitarren- und Schlagzeugtöne, während die Songs thematisch stärker denn je von persönlichen Erfahrungen, inneren Konflikten und menschlicher Verletzlichkeit geprägt sind. Gleichzeitig knüpft die Gruppe aus Mansfield, Pennsylvania an ihre lange Geschichte an, die seit 2010 von einer stetigen musikalischen Schärfung geprägt ist.

Dass sich die Formation während des Songwritings in einem Zustand enormer Euphorie befand, wie Frontmann Tyler Beam berichtet, hört man sofort: „Nach dem Zyklus unseres letzten Albums ‚No Name Graves‘ waren wir unglaublich motiviert, wieder ins Studio zu gehen und etwas mindestens genauso Hartes, wenn nicht noch Härteres zu schaffen, das gleichzeitig mehr persönliches Gewicht trägt.“ Ein wichtiger Schritt war die neue Partnerschaft mit Metal Blade. Der frühere Frontmann von PROMISE BREAKER, der seit 2022 und inzwischen drei Alben Teil von THE LAST TEN SECONDS OF LIFE ist, beschreibt den Einfluss so: „Dank unseres Managements kamen wir mit diesem legendären Label in Kontakt. Von da an haben wir jedes Riff, jede Hook und jedes Breakdown mit absoluter Präzision angegangen, um sicherzustellen, dass jeder Track dem hohen Standard von Metal Blade gerecht wird. Für uns ist es das führende Label im Heavy-Bereich. Also wollten wir nichts weniger als unser Bestes abliefern.“ Der extreme Druck und die physische Wucht des Albums sind demnach kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren klanglichen Ausrichtung: „Wir legen jedes Album so an, dass es absolut vernichtend klingt. Unsere Freunde Carson Slovak und Grant McFarland von Atrium Audio liefern jedes Mal perfekt ab. Wir vertrauen ihnen blind, dass sie den Sound so brachial machen, wie wir es gerne hätten.“

Auch die Auswahl der Gastsänger von SIGNS OF THE SWARM, FIT FOR AN AUTOPSY und DISTANT sowie Gründungsmitglied Storm Strope folgt dieser Vision und verstärkt die emotionale Schwere des achten Longplayers: „Da dieses Album sowohl sehr persönlich als auch extrem heavy ist, wollten wir Sänger dabeihaben, die nicht nur unsere Freunde sind, sondern auch die Intensität und rohe Aggression liefern können, die diese Songs verlangen“, erzählt Tyler. Beim Schreiben der zehn Songs profitierte die Band von den Erfahrungen der letzten Jahre: „Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass man seine Ziele im Songwriting oft besser mit einem fokussierten, einfachen Ansatz erreicht, statt jeden Einfall in einen Track zu packen. Wähle das Beste aus und bleib auf den Punkt.“ Auch der Blick zurück auf das ältere Material spielte eine Rolle, wie der Frontmann ausführt. Zudem halfen THE LAST TEN SECONDS OF LIFE die Reaktionen der Fans, ihre Stärken zu erkennen: „Mir wurde klar, dass unsere Fans am positivsten auf eine direkte Ausrichtung reagieren. Also haben wir beim Schreiben diesmal bewusst versucht, genau das beizubehalten: direkt, zielgerichtet, ohne Umwege.“ Inhaltlich ist „The Dead Ones“ das bisher persönlichste Werk der Band. Die Texte blicken tief in menschliche Abgründe, geprägt von Tourerfahrungen und dunklen Lebensphasen: „Das viele Touren und einige sehr düstere persönliche Kapitel haben uns dazu gebracht, tief in uns hinein zu horchen und wirklich aus dem Herzen zu schreiben“, resümiert der Frontmann. „Ich habe gemerkt, dass sich unsere Hörer genau damit am stärksten identifizieren, und das macht es für mich umso wichtiger.“

Der Titeltrack ist ein gutes Beispiel dafür, wie emotionales Gewicht in brutalen Sound übersetzt wird: „Wir haben es analysiert, uns verletzlich gemacht und es einfach durchgezogen. Auch wenn die Texte sehr intim sind, wollten wir trotzdem den kompromisslosen, brachialen Sound liefern, für den THE LAST TEN SECONDS OF LIFE bekannt sind.“ Musikalisch blickt die Band nach Auskunft ihres Sängers dabei sowohl nach vorn als auch zurück. Doch „The Dead Ones“ ist nicht nur ein technisches oder emotionales Statement, sondern auch Ausdruck der kreativen Identität der Band. Auf die Frage, wie sich diese heute beschreiben lässt, äußert er: „THE LAST TEN SECONDS OF LIFE hatten ihre Wurzeln im Blues und Rock’n’Roll, aber auch im Doom und Sludge. Den Sound zeichnen vor allem unsere Melodien und unser Groove aus.“ Diese Identität wird durch gemeinsame Werte und eine enge persönliche Bindung getragen, die sich über die Jahre auf Tour entwickelt hat: „Wenn man so viel Zeit zusammen auf Reisen verbringt, teilt man zwangsläufig Emotionen und persönliche Erfahrungen“, führt Tyler an. „Daraus erwächst eine starke musikalische Bindung – sowohl beim Spielen als auch beim Schreiben.“ Die individuellen musikalischen Hintergründe der Mitglieder fließen ebenfalls in den Sound ein, den THE LAST TEN SECONDS OF LIFE über die gemeinsamen Jahre erarbeitet haben: „Wir alle kommen aus derselben Szene: Northeast-Hardcore, Beatdown und Death Metal haben uns geprägt, und genau das hört man heute auf unseren Alben.“

Mit acht Longplayern im Rücken stellt sich die Frage nach dem Platz der Band in der extremen Musiklandschaft und welche Botschaft „The Dead Ones“ senden soll. „Die Band existiert schon so lange, dass sie zweifellos ihre Spuren im Genre hinterlassen hat“, zeigt sich der Frontmann überzeugt. „Aber mit diesem aktuellen Kapitel betreten wir neues Terrain und erschließen neue Atmosphären.“ Was die Hörer von diesem Album mitnehmen sollen, fasst er bewusst offen: „Wir hoffen, dass die Menschen, die es hören, sich darin wiederfinden und eine Verbindung dazu aufbauen.“ Und schließlich richtet Tyler den Blick nach vorn auf die Zukunft mit Metal Blade und die neue kreative Phase, die gerade erst begonnen hat: „Wir freuen uns darauf, der Band neues Leben einzuhauchen und gleichzeitig die Fackel weiterzutragen, die von den früheren Kapiteln und Line-ups entzündet wurde.“

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