© by Pure Noise RecordsWer Ska-Punk sagt, der muss auch LESS THAN JAKE sagen! Seit 33 Jahren begeistert das Quintett mit seiner mitreißenden Mischung aus melodischem Punkrock, Offbeats und flotter Bläsersektion die Massen – allen Höhen und Tiefen des Genres zum Trotz. Dass die Amerikaner nach wie vor eine der besten Bands der Szene sind, belegen sie nun mit ihrer neuen EP „Uncharted“. Mit Saxophonist Peter Wasilewski plaudern wir über drei Dekaden im Musikgeschäft, die neue Platte sowie das derzeitige New-Tone-Revival, das für mächtig frischen Wind im Ska-Sektor sorgt.
Peter, du spielst schon seit Kindheitstagen Saxophon und sorgst damit auch bei LESS THAN JAKE für das gewisse Extra. Worin liegt für dich der Zauber dieses Instruments, was genau macht das Saxophon so unwiderstehlich?
Also für mich hat das Saxophon diese spezielle Energie und Vielseitigkeit, die in so viele Bereiche passt. Man kann damit mal laut und dreckig klingen oder aber genauso gut in den Hintergrund der Musik rutschen und einfach alles andere untermalen. Es war das erste Instrument, in das ich mich wirklich verliebt habe, weil es einfach so unglaublich ausdrucksstark ist. Ich denke, dass das Saxophon vor allem im Punk dem Sound diese rohe, unerwartete Kante hinzufügen kann. Und natürlich auch ein wenig Spaß und Auflockerung bietet, da dieser sehr eigenwillige Klang des Instruments einfach eine gewisse Persönlichkeit ausstrahlt. Ich will aber mal ganz ehrlich sein: Als Kind habe ich gehofft, dass ich damit irgendwie cool aussehen würde. In der Realität ist das aber leider ganz anders, haha!
War es auch das erste Instrument, das du gelernt hast?
Nein, das erste Instrument, das ich je gespielt habe, war das Klavier. Als ich sechs Jahre alt war, dachten meine Eltern, das wäre eine gute musikalische Grundlage, und auch wenn ich es erst nicht so recht einsehen wollte, hatten sie definitiv recht. Ich habe dabei verdammt viel über Musiktheorie gelernt und darüber, wie Lieder aufgebaut sind. Zum Saxophon kam ich tatsächlich erst ein wenig später, aber seitdem ist es meine Leidenschaft.
Wo wir gerade in die Vergangenheit zurückzublicken: Wenn du dem jungen Peter aus heutiger Sicht einen guten Rat geben könntest, was würdest du ihm sagen?
Ich würde sagen: Gehe nicht nur, sondern renne! Und spare lieber dein Geld – Drogen sind per se viel zu teuer und scheiße. Ernsthaft betrachtet würde ich meinem jüngeren Ich raten, dem Gang der Dinge einfach ein bisschen mehr zu vertrauen. Es wird nicht immer leicht sein, aber aus jeder Wendung auf deinem Lebensweg, aus jeder Hürde, die du überwindest, wirst du etwas lernen. Vertraue einfach dem Prozess und alles wird gut!
Nun gibt es eure Band schon seit unglaublichen 33 Jahren. Was ist das Geheimnis hinter dieser Erfolgsgeschichte?
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass dahinter eine mystische Formel steckt, aber ehrlich gesagt ist das Geheimnis ganz einfach: Es lautet 33 Jahre harte Arbeit, gute Freundschaft und eine große Portion Humor. Oh, und vielleicht noch ein paar Zauberkräuter ab und an! Natürlich gehen wir uns manchmal gegenseitig auf die Nerven, das ist nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit unvermeidlich. Aber wir haben auch gelernt, offen mit allem umzugehen und uns gegenseitig zu sagen, dass wir uns verpissen sollen, wenn es mal wirklich vonnöten sein sollte. Genau diese Ehrlichkeit hilft, alles im Gleichgewicht zu halten.
Lebt ihr alle immer noch in der gleichen Gegend und verbringt ihr auch außerhalb des Bandkontextes Zeit zusammen?
Nein, mittlerweile leben wir eigentlich über die gesamte Ostküste verstreut, was in Bezug auf deine vorherige Frage wahrscheinlich ebenfalls ein wichtiger Grund dafür ist, dass wir uns noch nicht gegenseitig umgebracht haben, haha. Entfernung lässt das Herz definitiv wachsen. Obwohl wir außerhalb des Bandlebens nicht so viel zusammen sind, haben wir immer eine gute Zeit, wenn wir uns für Konzerte, Touren oder Aufnahmen treffen. Dann sind wir einfach eine große Familie.
Dann lass uns mal über die Musik sprechen: „Silver Linings“ aus dem Jahr 2020 war das neunte Studioalbum von LESS THAN JAKE und nun seid ihr endlich mit der EP „Uncharted“ zurück. Was kannst du uns über die Entstehungsgeschichte der neuen Songs erzählen?
Die EP entstand ehrlich gesagt auf eine ziemlich unerwartete Weise. Ursprünglich war nämlich gar nicht geplant, die Songs zusammen auf einem Release herauszubringen. Wir hatten einfach nur hier und da mal eine Single veröffentlicht. Aber als immer mehr neue Songs dazukamen, wurde uns klar, dass sie einfach in einen Gesamtkontext gehören. Also gingen wir ins renommierte Blasting Room Studio nach Fort Collins, Colorado, um dort gemeinsam mit Bill Stevenson aufzunehmen, was sowohl für uns als Musiker als auch für die Lieder selbst eine große Veränderung bedeutete. Sein Können und sein Gespür hoben die Songs für mich auf ein völlig neues Level. Bill ist unglaublich. Er wirkt im Studio wie ein Jedi-Meister und besitzt die Fähigkeit, genau das Richtige zu sagen, wenn man an einem Scheideweg steht und wieder eine gewisse Orientierung braucht. Das Aufnehmen mit ihm war eine unglaubliche Erfahrung. Wir waren alle fünf am Schreibprozess beteiligt und so fügte sich alles auf eine ganz organische Weise zusammen. Es war fantastisch. Und somit sind die sieben Songs auf „Uncharted“ wie die einzelnen Teile eines Puzzles, die in Form der EP ein großes Gesamtbild ergeben.
Wie ein Puzzle ist auch diesmal das Artwork geraten, denn die Cover der Vorabsingles waren einzelne Teile einer Landkarte, die auf „Uncharted“ zu einer großen Karte zusammengesetzt wurden.
Ja, das alles begann damit, dass unser Bassist Roger und ich uns Gedanken machten, wie wir die Artworks als Teile einer größeren Reise darstellen könnten. Wir wollten dabei unbedingt die Idee des „unerforschten“ Gebiets mit einbeziehen – genau wie bei einer Schatzkarte, bei der man erst die einzelnen Teile zusammensetzen muss, um das ganze Bild zu sehen. Steve Vance, der für die künstlerische Gestaltung verantwortlich war, hat unsere Vision auf unglaubliche Weise zum Leben erweckt.
Und was ist die Botschaft hinter dem Titel? Begebt ihr euch auf unkartiertes Terrain?
Absolut, so ist es. Jedes Mal, wenn wir neue Musik schreiben, fühlt es sich für mich so an, als würden wir eine Art unerforschtes Territorium betreten. Es geht darum, uns selbst voranzutreiben und gleichzeitig dem treu zu bleiben, was wir sind. Diese EP markiert den Beginn eines neuen Kapitels für uns, und ich bin gespannt, wohin uns die Reise führt!
Gibt es denn einen roten Faden, der sich durch die Stücke zieht?
Also inhaltlich gibt es nicht direkt einen roten Faden. Es ist vielmehr dieses bestimmte Gefühl, das sie vermitteln, sowie ihre Energie und die Stilistik der Songs selbst, die die EP letztlich zu einem großen Ganzen machen. Sie beschreiben alle zusammen auf metaphorische Art genau die Reise, auf der wir uns derzeit als Band, als Freunde und als Individuen befinden. Und das Besondere daran ist rückblickend, dass die neuen Lieder zwar zu völlig unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen Bandmitgliedern zusammenkamen, sich aber genau ab dem Moment, in dem wir gemeinsam im Studio standen, wie eine Einheit anfühlten. Das hatten wir so zuvor noch nie erlebt.
Wo wir gerade beim Erleben sind: Die Ska-Szene erlebt gerade ein gewisses Revival und die Begriffe „New Tone“ und „Fourth Wave of Ska“ machen die Runde. Wie nimmst du die Entwicklung von Ska und Ska-Punk in den letzten Jahren wahr?
Oh ja, es ist großartig! Es erinnert mich an die frühen 1990er Jahre, als wir mit LESS THAN JAKE angefangen haben. Viele Bands arbeiten gerade wieder hart daran, sich ihren eigenen Raum zu schaffen und wahrgenommen zu werden. Gerade Bad Time Records in Alameda, Kalifornien, hat dabei eine verdammt große Rolle gespielt. Labelboss Mike Sosinksi, der ja auch bei KILL LINCOLN spielt, hat wirklich fantastische Bands herausgebracht und der Szene damit einen wahnsinnigen Schub gegeben.
Welche sind deine momentanen Lieblingsbands im Ska-Punk-Sektor?
Also ich liebe KILL LINCOLN – sie sind eine unfassbar geniale Band und wirklich super nette Menschen. Außerdem stehe ich zur Zeit total auf BAD OPERATION, CATBITE, BITE ME BAMBI und JER. Sicher habe ich jetzt einige andere großartige Bands vergessen.
Gibt es vielleicht auch Pläne für ein ganzes Album?
Noch ist nichts in Stein gemeißelt, aber wir schreiben immer an neuen Songs. Im Moment liegt der Fokus aber erst einmal auf den Auftritten und dem Spaß an der neuen Musik.
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