
Winston Smith (der Künstlername nimmt Bezug auf die Hauptfigur im Roman „1984“ von George Orwell), startete seine Karriere als Designer für Musikacts nach seiner Rückkehr aus Italien (dort hatte er Kunst studiert) in die USA Ende der 1970er. Nachdem Smith einige aus Spaß zusammencollagierte Fakeflyer für Konzerte von nichtexistenten Bands in fiktiven Venues in San Francisco verteilt hatte, kamen echte Bands auf ihn zu und baten ihn darum, Flyer für ihre Gigs zu erstellen. Den Kontakt zum DEAD KENNEDYS-Frontmann Jello Biafra stellte ein Freund her, der deutliche Parallelen in deren gemeinsamem Hang zu sarkastisch angehauchten Collagen sah und der Meinung war, die beiden würden gut zueinanderpassen.
Er sollte recht behalten, Smith und Biafra verstanden sich auf Anhieb blendend und begannen, auf künstlerischer Ebene zusammenzuarbeiten. Nach von Smith gestalteten Flyern und Artworks wollte Biafra schließlich ein nach ganz speziellen Vorstellungen ausgearbeitetes Logo für die in der Punk-Szene immer bekannter werdenden DEAD KENNEDYS: Es sollte möglichst einfach zu sprayen und ein an politische Symbole erinnerndes, besonders einprägsames Zeichen sein. Also experimentierte Smith mit einfachen geometrischen Formen und Linien und kam schließlich mit ein paar simplen Hilfsmitteln auf die zündende Idee, wie er 2013 in einem Museum of Contemporary Art-Interview erzählt: „Den Rest des Abends verbrachte ich allein am Tisch und zeichnete eine Linie nach der anderen. [...] Schließlich fand ich endlich etwas, das sich mit wenigen Strichen umsetzen ließ: Ich reihte Zahnstocher auf – okay, was lässt sich mit nur vier Zahnstochern legen? – und stellte fest, dass ich dieses D und K, ergänzt um eine kleine Verlängerung, mit nur vier Zahnstochern zusammenbringen konnte. Also rief ich am nächsten Tag bei B[iafra] an und sagte: Ich hab’s. Eine Linie, X, noch eine Linie – und fertig ist es. DK.“
Smith verlieh dem Ganzen mit ein paar einfachen Ergänzungen einen dreidimensionalen Touch, der für schnelle Tags aber auch einfach weggelassen werden konnte, ohne die visuelle Gestalt des Symbols zu zerstören, und setzte einen Kreis aus roten Ziegelsteinen dahinter, der später durch einen schlichten roten Kreis ersetzt wurde. Der visuelle Wiedererkennungswert war enorm und die auf das Wesentliche reduzierte Formensprache des Logos sorgte für eine zügige Verbreitung des heute ikonischen Zeichens. Smiths provokant sozialkritisches bis sarkastisches Werk beeinflusste Kunstgrößen von HR Giger bis Frank Kozik. Aktuell wurde Smith durch einen Herzinfarkt – dem amerikanischen Gesundheitssystem sei Dank – ins finanzielle Abseits befördert. Wer ihn mit einer Spende unterstützen will, kann dies hier tun: gofundme.com/f/winstons-heart-needs-your-help-to-heal
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Anke Kalau