LØLØ

Foto© by Fearless Records

Dear diary

Auf ihrem zweiten Studioalbum scheut die kanadische Künstlerin LØLØ nicht mehr davor zurück, ihr Gefühlschaos zu offenbaren. Wie es ihr im Songwriting-Prozess dabei ergangen ist, erzählt sie uns im Interview.

Aus dem Titel „God Forbid A Girl Spits Out Her Feelings!“ scheint viel Frustration zu sprechen. Gab es einen Moment, in dem du dich entschieden hast, deine Gefühle bedingungslos auszudrücken, unabhängig davon, wie das vielleicht aufgenommen werden kann?

Auf meinem letzten Album ging es darum, wie sehr ich mir wünschte, ein Roboter zu sein, um nichts fühlen zu müssen. Aber als ich es live gespielt habe, ist mir klar geworden, dass es okay ist, Dinge zu fühlen, und es das ist, was es ausmacht, ein Mensch zu sein. Und das ist wunderschön. Dadurch war ich bei diesem Album total entschlossen, all meine Gefühle zu teilen. Ich möchte einfach zeigen, dass ich mich nicht mehr davor fürchte. Ich dachte: Scheiße, die Leute werden denken, dass ich nur über Beziehungen schreibe. Das habe ich schon so oft gehört. Aber dann dachte ich mir: „God forbid a girl spits out her feelings“, denn das ist genau das, was ich im letzten Jahr gefühlt habe, und darüber habe ich geschrieben.

Gab es Schwierigkeiten, die du dadurch erlebt hast?
Ich kann die kleinste Kleinigkeit nehmen, es in meinem Kopf überdramatisieren und dann einen Song daraus machen. Manchmal bringt mich das in Schwierigkeiten. Als ich zum Beispiel „Me with no shirt on“ geschrieben habe, hatte ich wirklich jemandem ein Foto geschickt und auf eine Antwort gewartet. Die kam zwar auch, aber zu spät und ich hatte bereits einen Song darüber geschrieben. Ich habe voreilige Schlüsse gezogen und es in meinem Kopf hochgespielt. Aber ich glaube, dass es gut ist, wenn ich über einen bestimmten Moment schreibe und ihn mit einem größeren Moment in Verbindung bringen kann. Der Song handelt zunächst davon, auf die Antwort auf eine SMS zu warten. Aber eigentlich geht es nicht darum. Es geht um den Moment, in dem man merkt, dass die Person, die man liebt, diese Gefühle nicht mehr erwidert. Jeder Song beschreibt natürlich eine andere Situation. Aber ich habe definitiv manchmal auch Angst, dass jemand, um den es nicht geht, denken könnte, er sei gemeint, oder das jemand die Botschaft nicht versteht. Aber in der Situation, wenn ich den Song schreibe, denke ich nicht darüber nach. Dann ist es wie Therapie. Zum Glück bin ich nicht Taylor Swift, wo alle Leute sofort wissen, auf welche Person sich ein Titel bezieht, haha.

Wenn man sich die Kommentare ansieht, merkt man, dass sich viele Leute mit deinen Songs identifizieren können. Ist das etwas, worüber du nachdenkst, wenn du daran arbeitest?
Ich dachte immer, dass die Stücke nicht zu spezifisch sein sollten, damit die Leute sich darin wiedererkennen können. Aber dann dachte ich mir: Ich schreibe diesen Track für mich selbst und nicht für andere. Bei „Hot girls in hell“ haben so viele Leute gesagt: „Die erste Strophe hat mich sofort angesprochen, genau das ist mir auch passiert“. Das ist verrückt, weil das ist das Spezifischste, das ich je geschrieben habe. Ich glaube, je verletzlicher man als Songwriter ist und je mehr man sich selbst mit Details offenbart, desto mehr können sie sich wirklich auf diese Emotion einlassen und die Authentizität spüren.

Eine letzte Frage: Vans oder Converse?
Vans. Der Teufel trägt Converse.

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