© by Riley TaylorIn einer alten Kirche ein Album aufnehmen und dazu Cronenberg-Filme schauen? Dabei kann nur so ein Album wie „Ritual Decay“ rauskommen. Über die genaueren Umstände gibt uns Gitarrist und Sänger Dan Auskunft.
Ich habe gehört, dass ihr während der Aufnahmen viele Horrorfilme gesehen habt, insbesondere Sachen von David Cronenberg. Ich frage mich, wie das visuelle Medium Film die Aufnahmen von „Ritual Decay“ diese beeinflusst hat?
Ich denke, es ist ziemlich schwer, die visuelle und psychologische Wirkung, die Cronenberg-Filme allein durch das bloße Anschauen hervorrufen können, zu unterschätzen. Wir waren gerade dabei, ein Album voller Verletzlichkeit zu kreieren und uns durch unsere Version der Hölle zu quälen. Dabei von der Arbeit aufzublicken und sofort in Cronenbergs Welt versetzt zu werden, war fast wie eine Verdopplung des Grauens. Im Nachhinein war es eine sehr intensive, aber effektive Methode, um uns auf dem kreativen Weg zu halten. Wir hatten nie wirklich die Möglichkeit, unsere Entscheidungen zu hinterfragen.
Passend zur Horrorthematik habt ihr in einer alten Kirche aufgenommen. Glaubst du, dass auch diese Kulisse einen Einfluss auf das Ergebnis hat?
Ich denke, das ist eine zweigleisige Antwort. Ein Teil dessen, was wir an Musik lieben, ist die Magie, die entsteht, wenn Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten. Menschen in einem Raum zu haben, die etwas schaffen. Wir hatten so viel Zeit getrennt voneinander verbracht, als wir „Ritual Decay“ geschrieben haben, dass wir das Gefühl hatten, zusammenkommen zu müssen, um das Projekt richtig zu verwirklichen. Außerdem wollten wir mit Brett Romnes zusammenarbeiten und die Chance haben, jemanden Neues in den Prozess einzubeziehen. Das wäre bei mir zu Hause wohl nicht möglich gewesen. Die andere Seite der Medaille war, dass wir unsere gewohnte Komfortzone verlassen haben. Wir wollten einen neuen Raum betreten, in dem wir den Rest der Welt ausschließen und uns ganz auf die Kreativität konzentrieren konnten, um das Mindset zu erreichen, was wirklich nötig war, um „Ritual Decay“ zu dem zu machen, was es ist. Ich denke, die Einsamkeit, die entsteht, wenn man einfach nur zusammen an abgeschotteten einem Ort ist, hat eine Wirkung, die man kaum ignorieren kann.
Glaubst du, dass nicht nur die Aufnahmen, sondern auch die Tatsache, dass ihr viel Zeit in einem Gebäude wie einer alten Kirche verbracht habt, eure Herangehensweise an das Album verändert hat?
Die Kirche war sehr abgelegen, und ich glaube, das hatte mehr Einfluss auf uns und das Album als das Gebäude selbst. Ja, es ist schwer, die Atmosphäre zu ignorieren, die in den Mauern so eines ehemaligen Gotteshauses herrscht. Aber die Einsamkeit, einfach nur irgendwo zu sein, ohne andere Möglichkeiten, als sich voll und ganz der künstlerischen Arbeit zu widmen, war ein viel wichtigerer Aspekt.
Ich habe gelesen, dass ein Großteil der Inspiration für die Band insbesondere aus den Erfahrungen aus den Corona-Jahren stammt. Wie hat die Pandemie LOWHEAVEN und den Sound der Band geprägt?
Die Corona-Zeit war beschissen. Ich weiß nicht, ob es eine bessere Formulierung dafür gibt. Das Leben wurde auf eine Weise auf den Kopf gestellt, die ich immer noch nicht verstehe, und das auch nach fünf Jahren. Als LOWHEAVEN hatten wir keine andere Wahl, als uns übermäßig mit dem zu beschäftigen, was wir schaffen. Es gibt leicht drei bis vier Demo-Versionen jedes Songs im gesamten musikalischen Kosmos von LOWHEAVEN. Die Unmöglichkeit, sich zu treffen, um gemeinsam zu kreativ zu sein, stellte uns vor große Herausforderungen, schuf aber auch ein Umfeld, in dem wir das verfeinern konnten, was wir fühlten und wollten. Im Nachhinein betrachtet ein zweischneidiges Schwert. Was mein Privatleben angeht, hat Corona viele Türen geschlossen, von denen ich akzeptieren musste, dass sie einfach weg sind, und ich würde sagen, dass das wahrscheinlich eine gemeinsame Erfahrung für den Großteil der Menschheit ist. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von uns die Fähigkeit hatte, unbeschadet so viel Zeit fernab von unserem Leben zu verbringen, es ist ziemlich intensiv, darüber nachzudenken, auf der anderen Seite zu stehen. Es lehrt dich wohl gegen deinen Willen Geduld.
LOWHEAVEN wurden 2020 gegründet. Wenn du auf die ursprüngliche Idee zurückblickst, wie die Band klingen sollte, wie nah kommt „Ritual Decay“ dem nun?
Es hat sich viel verändert, aber ich würde sagen, das kommt auch daher, dass wir nie genau definiert hatten, wie LOWHEAVEN wirken sollen. Wir haben einfach geschaffen, weil wir es mussten. Und wie es sich entwickelt hat, wurde direkt von der Welt und den Ereignissen beeinflusst, die wir aktiv durchlebt haben. LOWHEAVEN strahlen auch etwas Trauriges aus, denn „Ritual Decay“ ist ein sehr düsteres Album. Aber ich höre auch den Herzschmerz, den Konflikt. Die Wut und das Scheitern von allem, auch um uns herum. Ich denke, selbst wenn wir mit einer präzisen Vorstellung davon begonnen hätten, was wir wollen, wären wir hier gelandet. LOWHEAVEN sollen so sein.
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