MALTHUSIAN

Foto© by Relapse Records

Kommt Zeit, kommt Rat

Mit „The Summoning Bell“ veröffentlichen die Iren MALTHUSIAN dieser Tage ihr zweites Studioalbum. Wir sprechen mit Gitarrist und Hauptsongwriter Matt Bree über den kürzlichen Wechsel zu Relapse Records und was das für ihre Musik bedeutet.

Mit eurem neuen Album seid ihr bei Relapse gelandet. Wie ist es dazu gekommen?

Unser erstes Demo wurde 2013 auf Invictus veröffentlicht, aber ich bin noch mal meine E-Mails durchgegangen: Relapse hatten uns schon damals, etwa eine Woche vor der Veröffentlichung kontaktiert. Ich weiß nicht, ob sie das Promomaterial erhalten oder einfach nur den Song „Hallucinogen“ gehört hatten, der die erste Veröffentlichung war, jedenfalls haben sie sich zu diesem Zeitpunkt bei uns gemeldet. Es war eine sehr schmeichelhafte E-Mail, die ich damals erhielt. In den frühen 2000ern war ich ein großer Relapse-Fan und dieses Label spielte vor 20 Jahren eine große Rolle in meiner musikalischen Sozialisation. Es ergibt also Sinn, dass die Musik, die ich schreibe, ihnen gefallen könnte. Aber wir sind erst mal bei Invictus gelandet, die aus unserer Nähe kommen und deren Betreiber Darragh ein Freund von uns ist. Wir hatten den Eindruck, dass wir uns in einer guten Position befanden, also wollten wir zu diesem frühen Zeitpunkt nichts ändern. Die Dinge entwickelten sich perfekt und mit gutem Schwung. Das letzte Album wurde wieder auf Invictus veröffentlicht und Dark Descent brachte es in den USA heraus. Dann, 2022, veröffentlichten wir mit „Time’s Withering Shadow“ ein Split-Album mit SUFFERING HOUR. Das wieder nur bei Darragh. Wir schickten aber auch zwei Demotracks an Relapse. Die hatten im Laufe unserer Karriere schon ein paar Mal Interesse an uns gezeigt. Wir hatten das Gefühl, dass die letzte Veröffentlichung so etwas wie das Ende einer Ära war, sowohl musikalisch als auch personell. Es fühlte sich also an, als sei jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. Meiner Meinung nach ist die Musik dieses Mal etwas direkter. Ich glaube, die Produktion von „Across Deaths“ hätte es mehr behindert. Sie hat einfach nicht das repräsentiert, was ich wollte, was wir wollten. Es war eine mühsame Sache. Viele der Riffs wurden einfach in der Produktion begraben, was eigentlich nicht die Absicht war. Dessen waren wir uns also bewusst. Unsere letzte Veröffentlichung, die Split-Platte mit SUFFERING HOUR, hatte dann deren Bassist und Sänger Dylan produziert. Er hat einen tollen Job gemacht. Wir waren wieder auf dem richtigen Weg. Wir haben überlegt, Dylan auch für das neue Album zu engagieren, aber Greg Chandler ist einfach ein großartiger Produzent und Musiker, also schien er der richtige Mann zu sein.

Nun ist Relapse ein sehr renommiertes Label, das schon jahrelang existiert und einige Höhen und Tiefen überstanden hat. Haben sie irgendwelche Ansprüche oder Erwartungen an euch formuliert?
Die Welt der Musik hat sich erneut massiv verändert. Diese Form von Übersättigung ist einfach nicht mehr normal. Ich glaube, sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass keine Band mehr das verkaufen wird, was sie vor Jahren verkauft hat, selbst die Spitzenbands nicht. Es liegt einfach am Aufkommen von Spotify und der schieren Masse an leicht verfügbarer Musik. Das betrifft die Leute, die auch physische Releases kaufen, natürlich nicht. Relapse waren erst später involviert, als wir das Album bereits geschrieben hatten, also hatten sie keinen Einfluss auf irgendetwas davon. Aber ja, sie sind einfach eine andere Maschine, weißt du. Abe es gab keine Diskussionen über so etwas. Angesichts der Tatsache, dass wir schon seit 13 oder 14 Jahren in Kontakt sind, haben sie Vertrauen in uns und unseren Sound. Sie sind Fans davon. Und damit haben sie auch Vertrauen in uns, so wie wir in sie. Es gab also kein direktes Gespräch darüber.

Wie bekommt man Leute dazu, vertrackten, im ersten Moment recht unzugänglichen Death Metal zu hören, wenn es da draußen so einfach und schnell den nächsten Kick zu hören gibt?
Ich denke, dass die Leute, die sich für diese Musik interessieren, sie auch auf diese Weise genießen wollen. Aber wir, die wir sie geschrieben haben, haben uns ja auch die Mühe gemacht. Einiges davon steht also in direktem Gegensatz dazu. Hier gibt es ein dreiminütiges Intro. Das schreibe ich gerne, nur um die Leute zu testen. Nein, das ist nicht der eigentliche Sinn der Sache, aber für mich funktioniert es. Und wenn die Leute an dieser Stelle schon von Bord gehen, ist das in Ordnung. Ja, es ist nur so, dass die Entwicklung, wie wir besprochen haben, zu einer solchen Wegwerfkultur geführt hat, dass die Leute — und ich bin, wie jeder andere auch, mitschuldig daran. Wenn etwas nicht sofort zündet, denke ich auch, ich kann ja einfach weiterskippen. Dessen bin ich mir voll bewusst, aber ich denke, es ist fast ein Rückschritt, wenn man versucht, die Leute dazu zu bringen, sich darauf einzulassen. Denn alles wurde mit einer Struktur im Kopf geschrieben, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Du sollst auf eine Reise gehen. Du wirst dafür belohnt, wenn du dir die Mühe machst. Aber wenn du dir etwas anderes anhören willst, bitte sehr. Ich habe meinen Teil getan. Ich liebe es, in ein Album einzutauchen. Ich liebe den ganzen Weg, den es geht. Gerade ein so dichtes Album kann unglaublich lohnend sein. Manchmal mag es sich undurchdringlich anfühlen und vielleicht braucht es ein paar Durchläufe, aber dann macht es Klick.

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