
THE MEANIES. Noch ne neue Band aus Australien, denkt sich der Leser. Was bekommt denn schon unsereins von da unten mit? Ist doch eh’ so weit weg - also was soll's? Aber wie In der Ox-Vergangenheit schon öfters geschehen, sind wir mal wieder mit unseren Fühlern nach Down South unterwegs gewesen, um einer guten neuen Band hier Gehör zu verschaffen. The Meanies kommen aus Melbourne und sind dort wohl derzeit eine der beliebtesten Punk/Hardcore-Bands aus Australien, die landauf landab die Hallen problemlos füllen können. In Ihrem Sound verbinden sie Fun mit Energie, den Spaß mit der Aggressivität. Seit 1988 sind sie nun schon zusammen und haben in Australien den Hard Ons schon fast den ersten Popularitätsrang abgelaufen. Ihre Musik Ist eine Mischung aus ramonesmäßigen „one-two-three" Punk-Rock-Songs und fast schon 7-Seconds-ähnlichen Power-Stop&Go-Hardcore-Songs. Vor ein paar Monaten erschien nun auf Au-Go-Go-Records die neue CD-EP „In search of…", die hier In Europa von Semaphore Holland vertickt wird, so dass für uns hier die reelle Chance besteht, diese Platte (es gibt sie als CD als auch als 12"EP) Im Laden zu bekommen. Hier folgend nun einige Auszüge aus einem Interview, das wir von dem Sydney-Fanzine LEMON übernommen haben. Louise Dickinson Ist eine langjährige Freundin der Meanies und hat die Band über ihre Japan-Tour ausgequetscht.
Beschreibe doch mal deine Band In 10 Wörtern oder weniger!
Wally: Grundlegend sind wir eine Punk-Thrash-Band, aber Link, der alle Songs schreibt, mag es nicht so sehr wenn man die Meanies als poppig bezeichnet, weil er das einfach hasst! Was aber eigentlich eine Schande ist, weil er verdammt gute Pop-Songs schreibt.
Zurück zu eurem Bandnamen (THE MEANIES = DIE GEMEINEN): Ich würde es hassen, in einer Band zu spielen, die für euch die Vorband machen soll. Ihr würdet uns wahrscheinlich die Verstärker klauen und uns keine Gage auszahlen.
Wally: Das lustige an unserem Namen ist, dass keiner von uns auch nur einen „mean bone" in seinem Körper hat. Wir sind alle die totalen Weicheier. Wir sind wahrscheinlich die wimpygste Band in ganz Melbourne. Außerdem sind wir als die hässlichste und am meisten beleidigende Band hier bekannt.
Ihr wart Ja nun auch In Japan auf Tour. Wie seid Ihr den daran gekommen?
Wally: Das ist auf dem Mist von Bruce von Au-Go-Go Records gewachsen. Er war schon ein paar mal dort gewesen, und unsere neue CD-EP ist nun hier in Australien auf Au-Go-Go erschienen und in Japan auf Time Bomb Records. Es ist übrigens die aller erste Veröffentlichung von diesem Label, da der Typ bisher nur einen Plattenladen namens Time Bomb hatte. Aber nebenbei hatte er auch noch die Touren für Fugazi und Mudhoney organisiert. Auf der japanischen Pressung ist allerdings als Bonus noch die „Gangrenous" 10" mit drauf als auch die Songs von unserer „Come and see“-EP. Zudem ist der Song „Meanie Twist" auf japanisch gesungen drauf. Da haben wir die Vocals neu aufgenommen.
Ein Japanischer Re-Mix?
Wally: Ja, Link hat den Text rausgeschrieben und per Fax an Kenji von Time Bomb gefaxt, der das dann übersetzt hat und dazu noch ein Tape aufgenommen hat, wo er den Text singt, damit Link die richtige Aussprache hinkriegt.
Was Ist denn eure beste Erinnerung an Japan?
Alle: Disneyland!
(leichtes Befremden) Kulturfaschisten!
Link: Die Shows waren alle gut, muss ich sagen. Die Leute dort waren echt cool.
Wieviele Shows habt Ihr denn In Japan gespielt?
Link: Nur drei. Zwei waren in Tokyo und einer in Osaka. Alle in der Band meinen, dass die Shows in Tokyo die besten überhaupt waren. Guter Alkohol, wirklich gutes Zeugs, und Malz Bier.
Seid Ihr dort auch mit den Zügen gefahren?
Wally: Ja, mit diesem fürchterlich schnellen Bullet-Train. Wir sind viel mit den Zügen dort gefahren, und ohne dass wir großartig verloren gegangen sind.
Ringo: Das war zwar ziemlich verwirrend dort mit der Beschilderung und es war auch oft verdammt voll in den Zügen, aber wir sind nie in der Situation gewesen, dass uns irgendwelche Bahnbeamte mit diesen weißen Handschuhen dann in die Bahn hineinpferchen mussten.
Wally: Wir als Kulturterroristen sind dann jeden Tag erstmal zu Mc Donalds gegangen.
Link: Und danach praktisch auch jeden weiteren Tag, weil wir sonst nicht wussten, was wir dort essen sollten.
Haben die dort das Burgerfleisch genau so fast roh angeboten wie beim Fisch? Link: Nein, eigentlich nicht. Aber die hatten da so eine japanische Spezialität, den man den Terrijaki-Burger nennt. Das ist so eine Art Burger mit gemischten Sushi-Fleisch. Wally: Ansonsten hast du dort eine Menge Plattenshops gesehen. Wir haben auch nicht davor zurückgeschreckt, Karaoke zu singen, wobei wir aber unheimlich schlecht ausgesehen haben. Dann gibt es da auch noch diese seltsamen Videospiele, wo, wenn du gewinnst, sich eine digitalisierte Frau langsam auszieht. Also ein pornografisches Videospiel. Aber wenn du am Ende zum Sieg kommst, haben die japanischen Zensoren immer einen schwarzen Balken darüber gelegt. Das findest du auch in allen japanischen Pornoheften, wo überall ein Balken drauf ist, wo es etwas zu sehen geben könnte.
Hattet Ihr wenigstens einige verrückte Fans dort, wie man es aus Japan gewohnt Ist?
Wally: Ja, da standen fast jeden Tag irgendwelche Mädchen vor dem Hotel, nur uns ein paar Sachen zu schenken. Japanisches Essen, kleine Video-Games oder T-Shirts.
Link: Wir haben ihnen dann als Gegengeschenk Bierhalter von Victoria Bitter oder Fosters gegeben, und die waren da echt stolz und happy darüber.
Wally: Am ersten Abend waren wir in so einem Club namens „The Zoo" gewesen, der verdammt klein war und wo sie nur den totalen Garage-Trash gespielt haben. Wir waren da so richtig schön betrunken an unserem ersten Abend in Japan.
Seid Ihr dort viel Geld losgeworden? Ist es nicht sehr teuer In Japan?
Link: Wir sind da schon verdammt viel Geld losgeworden. Teuer ist es dort auf jeden Fall. Ich habe dort gut 2 Mille (australische Dollar, gut 2400,DM) auf den Kopf gehauen, von denen ich nach meiner Rückkehr nichts gesehen habe, dass ich mir davon etwas „bleibendes" gekauft hätte. Aber das wussten wir schon vorher, dass das da so teuer werden würde. Deswegen hatten wir uns schon darauf eingestellt.
Hast du Irgendetwas typisch Japanisches ausprobiert?
Link: Ja, Stink-Fisch! Das ist Fisch, der für ca. 2 Wochen in etwa 200 Jahre alter Fisch-Leber mariniert wird. Und das stinkt dann erbärmlich, sag ich dir. Ich habe es dann doch gegessen und es schmeckt auch echt nicht schlecht, aber dann hat es mich doch noch erwischt und ich habe alles wieder ausgekotzt. Einige Leute, die mit uns unterwegs waren, haben mir dann etwas von der Stinke in meine Camera-Tasche getan...und das stinkt heute immer noch! Smart-Asses!
Wie war denn das Publikum dort?
Wally: Yeah, die waren echt witzig drauf! Die sind genau so verrückt wie die Leute hier in Sydney oder Melbourne. Die steigern sich so richtig in die Sache hinein. Die Hallen sind dort nicht besonders groß, aber in der Shinjuku Loft in Tokyo war der Boden zur Bühne nach unten abgesenkt, so dass alle auch von hinten sehen konnten.
Sprechen die dort einigermaßen Englisch?
Wally: Nicht gerade besonders gut, obwohl es Pflichtfach auf der Schule ist. Die meisten können es zwar schreiben oder lesen, aber mit dem Sprechen tun die sich echt schwer. Wenn du da in einen Plattenladen hineingehst und nach etwas fragst, dann geht das meistens so..."Huh? Wot?", und wenn du es dann aufschreibst, dann kommt meistens da große „Ahhhh!".
Link: Ich war am meisten begeistert von den automatischen Toiletten. Du pisst da rein, gehst weg und das Teil zieht sich selbst ab. Bei Mc Donalds auf dem Pott ist dir automatisch die Seife in die Hände geschmiert worden, das Wasser kam sofort danach und der Fön hat dich sofort trocken gemacht. Meist sind wir dann alle gemeinsam zu fünft auf's Klo gegangen, ums uns verwöhnen zu lassen. AI Bundy-Style!
Wie waren den die Leute dort so drauf?
Wally: Eigentlich sehr freundlich und sehr zuvorkommend. Natürlich haben wir schon einige schräge Blicke bekommen, wenn wir die Straße runter gegangen sind. Aber es war richtig lustig zu sehen, das selbst Geschäftsleute bei unseren Shows abgerockt haben. Teilweise sind die direkt von der Arbeit zu der Show gekommen und haben sich dann auf der Toilette umgezogen, und sind dann den ganzen Abend mit ihren Anzügen auf dem Arm herum gelaufen.
Wer hat euch denn in Japan eigentlich herum geführt ?
Wally: Das war meist Kenji von Time Bomb. Und in Osaka hat Bruce von Au-Go-Go uns herum geführt, weil er schon öfters da war. Allerdings ist es dort echt schwer an Gigs zu kommen. Es ist so teuer, weil man die Hallen mieten muss, dazu noch die Anlage, Security und so weiter. Meistens packen die dort dann viel zu viele Bands in eine Show rein, damit bloß viele Leute kommen, damit sich die Show auch rentiert. Um dir mal zu verdeutlichen, wie teuer es ist, für ausländische Bands dort zu spielen, gebe ich dir mal ein paar Preise rüber. Wir sind ja auch nur eine Shitlickerband und keine wirklich große Band aus den USA, aber für die Tickets für unsere Shows mussten die Leute umgerechnet gut 40 australische Dollar zahlen (ca.45 DM), und wir haben da immer noch drauf gezahlt. Das hat uns echt in der Seele weh getan. Aber wir haben das nicht anders erwartet, weil es ja auch unserer erste Tour dort war.
Wie sehen denn dort so die Städte aus?
Link: Tokyo ist so, als ob man alle australischen Städte zusammen fasst. Als wir mit dem Zug von Tokyo nach Osaka gefahren sind, hat es nie eine Stelle gegeben, die nicht bebaut war. Meist gab es irgendwelche Häuser und Städte und dazwischen vereinzelt Reisfelder. So ein kleines Stück Acker kostet dann auch wieder Millionen von Yen. Bauern sind dort die wirklich reichen Leute. Es gibt auch verdammt viele Politiker, deren Grundlage das Bauer-Sein ist. Der Raum in Japan ist so beschränkt, dass alles immer kompakter und komprimierter gebaut wird. Bei Tankstellen hängen die Tankschläuche direkt von der Decke herunter, nur um Platz zu sparen.
Wally: Da gibt es Parkhäuser, auf denen die Parkdecks rotieren, wie in einem gigantischem Diskwechsler. Wenn du dein Auto willst, wird dann das richtige Deck nach unten gefahren.
Link: Wir waren dann auch noch einmal in einem Plattenshop, der in einem Wolkenkratzer im achten Stock war. Der war aber dann auch so klein, dass man zu zweit schon nicht mehr an einander vorbei gehen konnte.
Wie sieht es denn dort mit den Frauen aus? Müssen die sich Immer noch dauernd zur Begrüßung bücken?
Link: In den großen Kaufhäusern stehen da echt solche Frauen da an den Türen herum, deren Job es einfach nur ist, den Kunden höflich zu grüßen und ihm einen guten Einkauf zu wünschen. Da sind dann aber auch Frauen dabei, die Universitätsabschlüsse haben. Aber die Frauen, die wir dort in der Szene getroffen haben, waren da zum Glück schon anders. Im Augenblick gibt es da schon eine sehr emanzipatorische Bewegung in Japan, wo sich die Frauen aus ihrer angestammten Rolle befreien wollten und es auch tun. Aber diese Frauen gelten in der normalen Gesellschaft trotzdem als „drop outs“. Aber es gibt dort in Japan recht viel Sexismus, in allen Bereichen. Insgesamt ist die Gesellschaft dort sehr sexistisch orientiert.
Wally: Das haben wir auch bemerkt während unserer Shows. Da waren die Girlfriends von der Vorband dabei, und die Typen aus der Band fanden es echt störend, dass ihre Freundinnen dauernd um sie herum hingen. Die Frauen dort sind anders als hier. Hier in Australien passiert es uns schon mal, dass eine Frau an Geschmacksverirrung leidet und versucht, einen von uns abzuziehen. In Japan sind sie aber eher total schüchtern. Sie reden zwar mit dir, aber sie schenken dir lieber etwas, anstelle dir ihren Körper aufzudrängen.
YOUR PERSONAL MEANIE-GUIDE TO THE JAPANESE LANGUAGE:
Nihongo = japanisch für „Japanisch";
Saporro und Kirri = die 2 wichtigsten jap. Biere;
Jakuza = jap. Mafia;
Manko = Cunt;
Minikuie : häßlich;
Kawaii = Cute;
Chimpo = Schwanz;
Debu = Fett;
Kacco-E = Cool!
Eine Bemerkung:
Warum wir vom Ox eine für unsere Breitengrade unbekannte Band australische Band nach ihrer Japantour befragen? Erstmal wollen wir euch eine Band unterjubeln, die musikalisch verdammt gut ist. Für die nächste Ox-7" ist geplant, einen MEANIES-Song zu verwenden. Und was sollen wir euch immer Interviews zum Lesen geben, wo unwichtige Statements zu nicht unbedingt notwendigen Fragen fabriziert werden. Das betrifft unbekannte als auch bekannte Bands. Deswegen fand ich die Story über Japan und was da so abgeht doch echt interessant. Vielleicht hat jetzt doch jemand Lust bekommen, die MEANIES ins Auge zu fassen und sich bei nächster Gelegenheit eventuell 'ne Pladde von denen zu holen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #149 April/Mai 2020 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #157 August/September 2021 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #123 Dezember 2015/Januar 2016 und Axel M. Gundlach