MELA SCHULZ (CAVA)

Foto© by Christoph Lampert

My Little Drummer Girl Folge 84

Drummergirl dieser Ausgabe ist Mela Schulz vom Garage/Punk-Duo CAVA aus Berlin. Schon auf den zwei Studioalben der Band fiel ihr versiertes Schlagzeugspiel besonders auf, weil die einzelnen Instrumente bei zwei Personen sehr viel differenzierter zu hören sind als bei großen Bands. Melas eigentliche Stärke ist jedoch ihr unglaublich kraftvolles Spiel bei den Live-Auftritten, mit dem sie ihre Bandpartnerin Peppi Ahrens ständig weiter nach vorne treibt. Auf diesem hohen Energielevel nebenbei auch noch fast mühelos zu singen, verblüfft den Zuschauer dann vollends. So freuen wir uns, dass Mela kurz nach den Support-Shows für TOCOTRONIC Zeit für dieses Interview hatte.

Mela, gibt es Geschichten, dass du schon als kleines Kind auf den Töpfen deiner Eltern getrommelt hast?

Nein, eigentlich nicht. Mein Vater war zwar sehr musikbegeistert, aber selbst Musik gemacht hat er nicht. Meine Mutter hat zwar früher einmal Mandoline gespielt, aber das ist wohl auch schon lange her. Meine Eltern haben mich auch nicht zu irgendeiner musikalischen Früherziehung geschickt, sondern ich habe später irgendwann selbst den Entschluss gefasst, dass ich gern Musik machen würde. Meine Schwester hatte eine Gitarre geschenkt bekommen, aber sie spielte nicht darauf und dann habe ich mir die geschnappt und angefangen, darauf herumzuklimpern. Ich habe dann nach Tabs alte NIRVANA-Songs nachgespielt und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mit Gitarrenunterricht angefangen habe. Der Lehrer meinte dann allerdings bald, er wüsste nicht, was er mir noch beibringen sollte, weil ich damals wirklich viel zu Hause Gitarre geübt habe und den anderen in der Gruppe immer einen Schritt voraus war. Der Lehrer hat mir dann empfohlen, doch lieber in die Schlagzeugklasse zu wechseln. Das habe ich auch gemacht und hatte mit 14 einen Schlagzeuglehrer, der eher konservativ war und gleich zu Beginn versucht hat, uns lateinamerikanische Rhythmen beizubringen. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich versucht habe, Bossa Nova zu spielen, und das hat für mich überhaupt nicht getaugt. Ich hätte auch sehr viel üben müssen, aber bei uns zu Hause im Plattenbau konnte ich natürlich kein Schlagzeug spielen und einen Übungsraum hatte ich damals auch nicht. Also habe ich mit dem Unterricht schnell wieder aufgehört, aber das waren so meine ersten Erfahrungen am Schlagzeug. Im Nachhinein ärgere ich mich schon ein bisschen darüber, dass ich damals nicht länger bei der Sache geblieben bin, denn wenn ich mehr geübt hätte, wäre das aus heutiger Sicht natürlich von Vorteil gewesen.

Wann hast du das erste Mal in einer Band gespielt?
Das war noch zu Schulzeiten, als ich mit Freundinnen zusammen meine erste Band gegründet habe. Damals habe ich aber Gitarre gespielt und gesungen und danach habe ich mit anderen Freundinnen noch eine zweite Band gegründet, in der ich dann Bass gespielt habe. Ich habe dann auch ziemlich lange Pause gemacht, bevor ich mit Peppi zusammen CAVA gegründet habe und das ist tatsächlich auch die erste Band, in der ich wirklich Schlagzeug spiele. Peppi hatte damals auf Instagram eine Suchanzeige aufgegeben, dass sie eine Bassistin und/oder Schlagzeugerin suchte. Daraufhin hatte ich mich gemeldet, und weil ich ja schon vorher Bass in einer Band gespielt hatte, hatte ich jetzt Lust, mich am Schlagzeug auszuprobieren. Ich war am Anfang etwas unsicher, ob ich auch gut genug sein würde, aber Peppi und ich hatten uns vor unserer ersten Probe schon ein paar Mal in der Kneipe getroffen und es war schnell klar, dass für Peppi auch die persönliche Ebene wichtiger war als die mitgebrachten Skills. Das war für mich selbst sehr schön, weil es mir die Sorge genommen hat, nicht gut genug zu sein, und für uns als Band war es sehr gut, weil wir uns zusammen entwickeln konnten und uns genug Raum dafür gegeben haben. Ich habe dann auch angefangen, regelmäßig zu üben, und bin häufig in den Übungsraum gefahren, um Dinge auszuprobieren, die wir uns zusammen überlegt hatten und die ich dann natürlich auch gern umsetzen wollte. Für mich war das „Gute“ daran, dass wir die Band während der Corona-Pandemie gegründet haben und ich viel Zeit zum Üben hatte, weil man sowieso nichts anderes tun konnte.

Hast du zu der Zeit viel für dich allein geübt und Lieblingslieder nachgespielt?
Ja, ich habe viele NIRVANA-Songs nachgespielt und kann sagen, dass Dave Grohl immer noch eine große Inspiration für mich ist. Ich habe aber auch viel Kraut- und Psychedelic-Kram gehört, mit viel Beckeneinsatz und Breakdowns. In der Richtung hatte ich viele Songs in meinen Spotify-Listen gespeichert und habe die nachgespielt. Weil wir mit der Band während der Corona-Zeit ja nicht viele Konzerte spielen konnten, hatte ich dann auch Zeit, für ein paar Monate Schlagzeugunterricht zu nehmen. Lustigerweise habe ich meinen Schlagzeuglehrer über eBay-Kleinanzeigen gefunden. Ich habe dann über Monate verteilt ein paar Stunden bei ihm Unterricht genommen, aber als es wieder mit Konzerten und Arbeit losging, hatte ich zu wenig Zeit, um regelmäßig die Rudiments zu üben, und so habe ich damit wieder aufgehört. Heute verspüre ich schon das Bedürfnis, mehr zu üben, und merke, dass ich noch viel Nachholbedarf habe. Wenn wir neue Songs schreiben und ich die Ideen nicht so umsetzen kann, wie ich gerne möchte, fühle ich mich schon in meinen Fähigkeiten limitiert. Es ist aber auch nicht so einfach, sich die Zeit zu nehmen, wenn man viel mit der Band unterwegs ist.

Was waren deine ersten Erfahrungen mit Aufnahmen in einem Tonstudio?
Die ersten Aufnahmen haben wir mit einem Freund in seinem Proberaum gemacht, so dass wir in einer vertrauten Umgebung aufnehmen konnten und nicht in einem High-End-Audiostudio waren. Das war schon sehr DIY, aber ich fand es total spannend, mich das erste Mal aufgenommen zu hören. Sonst hört man sich immer nur im Übungsraum spielen und nimmt einen Song mit dem Handy auf, aber jetzt das ganze Schlagzeug voll mikrofoniert zu hören, war schon aufregend. Wir spielen ja auch alle Songs live und ohne Klick ein und da schwang auch gleich wieder die Angst mit, ob ich die Songs auch wirklich tight genug spielen kann oder schneller oder langsamer werde. Am Ende hat aber alles gut funktioniert.

Bist du im Studio schnell mit deinen Aufnahmen zufrieden?
Ja, eigentlich schon. Ich denke, je häufiger man einen Song aufnimmt, desto verkopfter geht man an die Sache ran und dann wird es schwierig. Nach drei bis vier Durchläufen bin ich meistens mit einem Song fertig. Peppi und ich gehen aber auch sehr gut vorbereitet ins Studio. Wir proben in den Wochen vorher sehr viel und vor allem auch ohne Gesang, damit die Abläufe perfekt sitzen. Nur an den Texten ändern wir manchmal noch direkt im Studio einzelne Zeilen.

Wie war dein erster Live-Auftritt für dich?
An das erste Konzert in Berlin erinnere ich mich sehr genau, weil ich damals so unglaublich aufgeregt war. Es waren sehr viele Freund:innen von uns anwesend und dann bin ich noch angespannter als bei Publikum, das uns noch nicht kennt. Als wir die ersten Shows außerhalb von Berlin gespielt haben, hatte ich schon den Drang, besonders gut zu sein, weil uns die Leute ja noch nicht kannten und wir sie mit unserer Musik überzeugen wollten. Fremde Menschen sind ja erst einmal kritischer, weil unsere Freund:innen uns und unsere Musik schließlich schon mögen, und da möchte man das neue Publikum natürlich besonders beeindrucken.

War es bei eurer Bandgründung schon klar, dass du als Schlagzeugerin auch singen würdest?
Ja, wir hatten bei CAVA schon von Anfang an den Plan, dass wir zwei Gesangsstimmen haben wollten. Peppi hatte mich auch gleich zu Beginn gefragt, ob ich mir das Singen vorstellen kann, und ich hatte kein Problem damit, auf der Bühne zu singen. Schlagzeug spielen und singen gleichzeitig erfordert aber schon einiges an Übung und Koordination, insbesondere, wenn der Rhythmus und die Gesangslinie gegeneinander laufen oder der Gesang nicht so straight ist wie das Schlagzeug. Das ist immer noch eine große Übungssache, damit ich das dann auf der Bühne gut hinbekomme.

Beobachtest du bei euch in Berlin, dass in den letzten Jahren mehr Mädchen und Frauen anfangen, Schlagzeug zu spielen?
Ja, das glaube ich tatsächlich. In letzter Zeit hat der Anteil der Frauen und FLINTA*, die Schlagzeug spielen, schon deutlich zugenommen. Ich finde aber, dass es immer noch mehr FLINTA*-Personen sein könnten, die Schlagzeug spielen, weil das Schlagzeug doch noch sehr hinter den anderen Instrumenten zurückliegt. Häufig ist es immer noch so, dass Bands, die aus FLINTA*-Personen bestehen, trotzdem immer noch einen Typen am Schlagzeug haben. Das Schlagzeug scheint so eines der letzten Instrumente zu sein, die immer noch anders besetzt werden könnten. Woran das liegt, ist schwer zu sagen, aber vielleicht ist es so, dass der Zugang zum Schlagzeug schwerer ist als zu anderen Instrumenten. Viele FLINTA* fangen ja erst als Erwachsene an, Musik zu machen, und wenn man sich als älterer Mensch entschließt, ein Instrument zu lernen, ist eine Gitarre oder ein Bass schnell gekauft. Man kann in jeder Wohnung bequem üben, während man für das Schlagzeug gleich einen Übungsraum braucht und der Aufwand ungleich größer ist.

Hast du schon einmal ein richtig großes Schlagzeug mit vielen Toms und Bassdrums ausprobiert?
Nein, noch nicht. Das liegt auch daran, dass wir einen sehr kleinen Übungsraum haben und ich mir das Schlagzeug mit dem Drummer der anderen Band bei uns im Raum teile. Der spielt auch ein sehr reduziertes Set und so kommen wir gut zurecht. Ich wäre schon daran interessiert, ein Doublebass-Pedal auszuprobieren, aber zur Zeit bin ich mit meinem Equipment sehr zufrieden und genieße es, bei unseren Konzerten nicht so viele Trommeln schleppen zu müssen.

Ihr tauscht ja bei CAVA auch die Instrumente. Würdest du dich wohl fühlen, wenn du dauerhaft die Sängerin der Band wärst?
Also wir tauschen, je nach Setlänge, meist für ungefähr drei Songs die Instrumente. Peppi hatte mir irgendwann gesagt, dass sie auch gern einmal Schlagzeug spielen würde, und so haben wir dann den Songs, bei denen ich auch die Gitarrenriffs geschrieben habe, die Instrumente getauscht. Das war bisher auf jedem Album bei drei Songs der Fall. Ich sehe mich aber auf jeden Fall als Schlagzeugerin der Band und fühle mich hinter dem Schlagzeug sehr wohl. Dauerhaft vorne am Bühnenrand zu stehen, das wäre nichts für mich.

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