© by Raz AzraaiMimi Barks sitzt auch mit ihrer neuen EP wieder zwischen den Stühlen. Wir sprachen mit der Künstlerin über ihre Musik und ihre Beziehung zu Deutschland.
Du bist in Deutschland aufgewachsen, mischst in der Musikszene eher international mit. Wie ist dein Blick auf die deutsche Szene, fühlst du dich ihr verbunden?
Ich habe Deutschland nie wirklich als meine musikalische Heimat empfunden. Gerade am Anfang hatte ich oft das Gefühl, dass niemand so richtig wusste, was er mit meiner Musik anfangen soll. Sie war für die einen zu elektronisch, für die anderen zu hart oder einfach zu ungewöhnlich. Meine Musik hat deshalb schon sehr früh ein internationales Publikum gefunden. Ich fühle mich weniger einer bestimmten Szene verbunden als Menschen, die sich unabhängig von Genres mit dem identifizieren können, was ich mache. Musik kennt für mich keine Landesgrenzen. Emotion ist universell.
Deine neue EP erscheint auf deinem eigenen Label Deathkiss Records – wie kam es zu dem Schritt?
Das war für mich kein großer Schritt. Am Ende ist Deathkiss Records nur ein Name, ich habe schon jahrelang independent gearbeitet. Meine Arbeitsweise hat sich dadurch nicht verändert. Ich war schon immer in jeden kreativen Prozess involviert, von der Musik über die Videos bis hin zu Artwork, Merchandise und der gesamten visuellen Welt, die um einen Release entsteht. Das Label gibt dem Ganzen einfach einen eigenen Rahmen. Ich muss und musste niemanden jemals um Erlaubnis fragen oder mich an Erwartungen anpassen. Die kreative Kontrolle lag schon immer bei mir. Jetzt trägt sie einfach auch den passenden Namen.
Metal ist heute wesentlich offener anderen Musikrichtungen gegenüber. Stößt du mit deinem Mix immer noch auf Widerstand, gerade wenn es um Festivals geht, deren Ausrichtung vielleicht deutlicher in einem Genre verhaftet sind?
Ich glaube Widerstand wird es immer geben, sobald man etwas macht, das sich nicht eindeutig einordnen lässt. Aber ehrlich gesagt interessiert mich das nicht besonders. Ich habe nie Musik gemacht, um in irgendeine Szene oder Schublade zu passen. Früher wusste die Musikindustrie nie, wo sie mich einordnen soll, zu elektronisch für Metal, zu hart für elektronische Musik, zu düster für Rap. Irgendwann habe ich aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen. Die Menschen, die am lautesten über Genres diskutieren, sind meist nicht diejenigen, die selbst etwas aus dem Nichts erschaffen. Daher lassen mich diese Meinungen eher kalt. Mich interessiert es mehr, etwas Eigenes aufzubauen, als die Grenzen anderer zu respektieren. Am Ende transportiert Musik Emotion und die kennt keine Genres.
Mit „Dreamstate Of Fear“ gibt es jetzt eine neue EP von dir – würdest du es als Fortsetzung deines Sounds bezeichnen? Was hat sich verändert?
„Dreamstate Of Fear“ erweitert die Welt, die ich mit „This Is Doom Trap“ aufgebaut habe. Musikalisch gibt es mehr Melodien und zum ersten Mal singe ich deutlich mehr, anstatt nur zu rappen oder zu screamen. Gleichzeitig sind die Breakdowns wahrscheinlich die härtesten, die ich bisher veröffentlicht habe. Inhaltlich ist die EP mein bisher fokussiertestes Werk. Sie beschäftigt sich mit Bewusstsein, Angst, Transformation und der ständigen Entscheidung zwischen Himmel und Hölle, nicht im religiösen Sinn, sondern als Geisteszustand.
© by Fuze - Ausgabe #108 Oktober/November 2024 und Mia Lada-Klein
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #108 Oktober/November 2024 und Mia Lada-Klein