MONRO RANCH

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Punk-affine Hilfsorganisationen - Teil 11

Die MonRo Ranch ist ein Gnadenhof bei Mönchengladbach, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, notleidenden und verstoßenen Tieren einen geschützten Ort für ein neues Leben zu bieten. Der Verein wird ausschließlich durch Spenden finanziert und von einem engagierten Team aus ehrenamtlichen Helfern und Bufdis betrieben. Dort kümmern sie sich um Esel, Pferde, Schafe, Ziegen, Gänse, Enten, Schweine, Katzen, Tauben, Alpakas, Lamas oder Waschbären. Eine der Aktivist:innen ist Anja Langlitz, sie ist Mitbegründerin des Vereins und berichtet uns, was sie antreibt.

Bitte erzählt uns, wie, wo, wann und warum es zur Gründung eurer Organisation kam.

Anja: Die ursprünglichen Betreiber waren verstorben, die Tiere nur noch mehr recht als schlecht versorgt. Nach dem Tod von Monika Cremers war es mit dem Lebenshof steil bergab gegangen. Roman, ihr Mann, kam mit dem Tod seiner Frau nicht klar und so geriet das Projekt immer weiter in Schieflage, bis ein benachbarter Tierschutzverein im Jahr 2016 den Hof kommissarisch übernahm. Aber es war schnell klar, eine Ranch mit 33.000 Quadratmetern Fläche und etlichen Großtieren ist eine Nummer zu groß für einen kleinen, spendenfinanzierten Tierschutzverein. Eine Lösung musste her und so entschied ein kleines Team von aktiven Ehrenamtlern, den Verein „Die MonRo Ranch e.V.“ neu zu gründen. Der Schritt war unumgänglich und es bedurfte viel Mühe, Zeit und Rechtsberatung. Doch im Juni 2019 wurde die Neugründung schließlich bekanntgegeben.

Wer waren damals die Ideengeber:innen und „Köpfe“, wer ist es heute?
Anja: Monika und Roman Cremers haben seinerzeit den „Pferdeschutzhof MonRo Ranch e.V.“ gegründet. Der heutige Verein hat aber mit den Ursprüngen nichts mehr zu tun. Der neue Vorstand hat ganz andere Visionen und Ziele. Mit Oliver Rott, Michaela Weichel und Anja Langlitz hat die MonRo Ranch heute eine streng vegane Spitze und hat den Tierschutzgedanken auf diesem Hof komplett neu aufgesetzt.

Welche Ziele habt ihr euch gesetzt? Was wollt ihr erreichen?
Anja: Neben der Tatsache, dass wir denen eine Stimme geben, die keine eigene haben – zumindest keine, die die meisten Menschen bereit sind zu verstehen –, und neben der Aufnahme von in Not geratenen Tieren, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, einen Bildungs- und Aufklärungsauftrag zu erfüllen. Unsere Gesellschaft verroht immer mehr, Tiere sind immer weniger wert und das ganz große Ziel ist es, dass es Lebenshöfe wie unseren gar nicht mehr geben muss. Natürlich wissen wir, dass diese Vorstellung ein großes Luftschloss ist, und deshalb machen wir auch weiter. Unsere Vision ist es, so viele Menschen wie möglich mitzunehmen, ihnen zu zeigen, welch großartige Charaktere zum Beispiel in sogenannten Nutztieren stecken und dass jedes Lebewesen leben will und auch ein Recht darauf hat, unversehrt und unausgebeutet zu sein und es auch zu bleiben. Die Tiere, die es bis zu uns schaffen, bleiben bis zu ihrem Lebensende in unserer Obhut, sind geschützt vor Ausbeutung durch den Menschen und dürfen einfach nur sein. Leider haben wir nur sehr begrenzte Aufnahmekapazitäten, aber die wenigen, die bei uns sind, sind in Sicherheit.

Welche Aktionen und Erfolge gab es in der jüngeren Vergangenheit?
Anja: Tja, wo fange ich an? Einen Meilenstein haben wir sicher gesetzt, indem wir uns dem Thema Streunerkatzen angenommen haben. Ohne uns würde es in Mönchengladbach heute keine Katzenschutzverordnung geben, die vorsieht, dass es keinen unkastrierten und ungekennzeichneten Freigänger mehr geben darf. Streuner sind für viele unsichtbar und fristen oft ein jämmerliches Dasein. Wir haben uns des Themas angenommen und die Tiere sichtbar gemacht. Wir haben unfassbar genervt und waren sehr laut, bis wir es geschafft haben. Seit Januar ist die Katzenschutzverordnung in Kraft und tatsächlich werden wir endlich in unserem großen Kastrationsprojekt auch städtisch unterstützt. Dann ist da Benjamin, ein Kamerun-Schaf, das wir aus der übelsten Haltung retten konnten. Sein Gesundheitszustand war eine Katastrophe, die Aussicht, dass er zumindest noch eine kurze Zeit ein schönes Leben haben durfte, äußerst gering. Kaum angekommen, war er aufgrund seiner schweren Arthrose nicht mehr in der Lage aufzustehen. Niemand wollte ihm eine Chance geben, aber seine Augen flehten uns an. Nach zwölf Jahren in der Hölle konnte es das jetzt nicht gewesen sein. Also installierten wir das „Team Benjamin“, bestehend aus einer Tierphysiotherapeutin und einem kleinen Team, das die Hoffnung noch nicht aufgeben wollte. Olli baute ihm einen Rollstuhl, um die Beine zu trainieren, so dass die Muskulatur stark genug werden konnte, die Gelenke zu schonen. Zehn Wochen lang wurde er täglich morgens aus dem Bett in den Rollstuhl gesetzt, dann wurde in Zweierteams täglich mindestens fünf Stunden mit ihm trainiert und abends wurde er wieder ins Bett gebracht. Zehn verdammt harte Wochen und im April war es so weit – Benjamin konnte wieder laufen. Zwar wackelig, aber er lief und hörte damit auch nicht mehr auf – das war im April. Heute halten wir ihn schmerzfrei und er hat mittlerweile auch eine Lebensgefährtin, die ihm neuen Lebensmut gibt, von seinem Rollstuhl will er nichts mehr wissen. Auch wenn die Arthrose ihn dennoch irgendwann in die Knie zwingen wird – die Zeit, die er bekommen hat, kann ihm keiner mehr nehmen. Benjamin steht als Beispiel für ganz viele große und kleine Tierschicksale. Wir geben nicht auf, wenn auch nur ein Funke Hoffnung besteht. Aktuell bauen wir ein Behandlungshaus mit Quarantänestation, wo man auch ein krankes Großtier gut behandeln kann. In diesem Haus wird es einen Schulungsraum geben, in dem wir Tierschutzseminare, Erste-Hilfe-Kurse für Tiere und Jugendprojekte anbieten wollen. Denn Tierschutz muss dort beginnen, wo man noch etwas bewirken kann – bei Kindern und Jugendlichen. Ende 2024 wird das Haus wohl fertig werden.

Mit welchen Risiken ist euer Engagement verbunden? Seid ihr Anfeindungen ausgesetzt?
Anja: Allein durch unser großes Kastrationsprojekt stehen wir oft in der Kritik, wir würden in die Natur eingreifen, und natürlich schlägt das Thema „Tierschutz fängt auf dem Teller an“ immer große Wellen. Aber wirklich nennenswerten Risiken sind wir tatsächlich nicht ausgesetzt.

Wie viele ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende habt ihr?
Anja: Unser Team besteht aus knapp zehn ehrenamtlichen Helfern, die wirklich zuverlässig und mit Fokus auf die Tiere arbeiten, und wir konnten Freiwillige finden, die immer dann da sind, wenn Bauprojekte anstehen – also fast immer. Zudem haben wir seit diesem Sommer drei Mädels, die ihren Bundesfreiwilligendienst bei uns auf der Ranch absolvieren. Aktuell klappt das sehr gut.

Und wie viele Mitglieder beziehungsweise Unterstützer:innen habt ihr?
Anja: Den Mitgliederanteil halten wir bewusst sehr klein, weil es doch gerade im Tierschutz vielen Menschen oft nur um das eigene Ego geht und die dann auch schnell querschießen, wenn dieses nicht befriedigt wird. Die typischen Unterstützer sind Menschen, die etwa Tierpatenschaften übernehmen und damit unsere Tiere finanziell unterstützen oder eben monatlich feste Beiträge spenden. Denn der Kostenapparat ist massiv. Bei rund 120 Großtieren und gut 400 geretteten Streunern explodieren natürlich die Futter- und Tierarztkosten. Da wir außer bei den Kastrationen keinerlei finanzielle Förderung durch die Stadt erhalten, freuen wir uns natürlich über jede kleine und große Aktion. Sei es der Verzicht auf ein Hochzeits- oder Geburtstagsgeschenk oder eben die Übernahme einer Patenschaft oder einer monatlichen Spende. Und natürlich bezeichnen wir auch unsere Helfer als Unterstützer. Ob sie die Mistgabel schwingen, Zäune setzen, Futtersäcke füllen oder Medikamente geben– den typischen Helfer gibt es nicht, denn jeder hat seine Stärken und hilft im Rahmen seiner oder ihrer Möglichkeiten.

Was könnt ihr leisten, was eine staatliche Organisation nicht kann?
Anja: Finanziell nichts – aber wir begegnen jedem unserer Bewohner mit Respekt und Empathie. Unsere Tiere dürfen Liebe erfahren, egal, ob sie zu den Wildtieren oder Nutztieren gehören. Jeder darf sein, wie er will – wir lassen ihn.

Wofür verwendet ihr das Geld, das euch gespendet wird? Und habt ihr so was wie ein Spendensiegel?
Anja: Wer uns kennt oder kennenlernen möchte, der sollte uns einfach besuchen kommen. Jedem wird sehr schnell klar werden, dass wirklich jeder gespendete Euro in unsere Tiere fließt. Zudem sind wir natürlich zur Ausstellung von Spendenquittungen berechtigt. Wir sind transparent, berichten über Einnahmen und zeigen offen, wofür wir Gelder einsetzten. Ich denke, ein Blick auf unsere Homepage oder unsere Social-Media-Kanäle macht deutlich, was wir mit Spenden tun und dass diese immer satzungskonform und zweckgebunden eingesetzt werden.

Wie kann man euch unterstützen? Nur mit einer Spende oder auch mit aktiver Mitarbeit?
Anja: Wer wirklich zuverlässig Zeit, ein echtes Verständnis für Tiere und kein tiermedizinisches Studium bei Dr. Google absolviert hat, ist bei uns herzlich willkommen. Unsere Tiere sind da – 365 Tage im Jahr. Sie kennen keinen Urlaub, keine Feiertage, und ob es regnet, schneit oder ob die Sonne bei 37 Grad vom Himmel brennt, ist ihnen vollkommen egal. Es hilft uns nicht, wenn wir Helfer aufwändig einarbeiten, diese dann zwei Mal kommen und beim ersten Regen lieber auf dem Sofa bleiben. Deshalb suchen wir immer Helfende, die wirklich verstehen, um wen es geht – um unsere Tiere. Jeder, der wirklich daran interessiert ist, uns aktiv zu unterstützen, ist herzlich willkommen. Dennoch, allein durch körperliche Arbeit werden unsere Bewohner nicht satt. Finanzielle Unterstützung wird immer benötigt. Die Spendenbereitschaft nimmt aber aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation immer weiter ab, Spendenplattformen werden abgeschaltet etc. Wir sind heute mehr denn je darauf angewiesen, finanzielle Zuwendungen zu bekommen.

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