Monsters Of Rodeo

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DIY-Punk – Teil 17: Punk-Enthusiasten beleben die Szene

Mit Teil 17 erfährt unsere Reihe eine Art „re-branding“. Es geht hier weiterhin um Vereine und ehrenamtliche Organisationen, die einen Bezug zu Punk oder Hardcore haben, aber mit Schwerpunkt auf DIY-Venues und -Festivals. Diesmal führt uns der Weg nach Oberfranken. Genauer gesagt nach Coburg. Dort gibt es seit 15 Jahren eine Gruppe von Enthusiasten, die sich um Konzerte vor Ort kümmern. Der Verein Mon$ters of Rodeo organisiert das Sommerfestival Outside Rodeo am alten Güterbahnhof, das 2025 sein 20-jähriges Jubiläum feiern konnte, sowie seit zwei Jahren das Indoor-Rodeo als Drinnen-Variante und jede Menge Club-Shows in unterschiedlichen Locations in Coburg, aber auch in Bamberg. Höchste Zeit, sich mal mit den Machern zu unterhalten. Andi P., Gründungsmitglied und Schriftführer des Vereins, und Zahnie aus der Booking-Gruppe beantworten unsere Fragen.

Bitte erzählt uns, wie, wo, wann und warum es zur Gründung eurer Organisation kam.

Andi P.: Der Verein Mon$ters of Rodeo e.V. wurde im Jahr 2010 gegründet. Schon vorher hatten wir einige Jahre lang Club-Shows organisiert und seit 2005 auch unser Open Air Outside Rodeo. Als das Festival größer werden sollte, kam spät nachts am Tresen unserer damaligen Stammkneipe Bei Adam die Idee auf, das Ganze durch eine Vereinsgründung auch rechtlich auf sichere Beine zu stellen.

Wer waren damals die Ideengeber:innen und „Köpfe“, wer ist es heute?
Andi P.: Damals waren wir eine Handvoll Leute aus der Coburger Punkrock-Szene rund ums JUZ Domino, den Plattenladen Toxic Toast und die Szenekneipe Oylnspygl. Mit Unterstützer:innen waren wir vielleicht zehn Personen, also gerade genug, um einen Verein gründen zu können. Überraschenderweise sind es heute immer noch genau dieselben Typen, die in der ersten Reihe stehen, mittlerweile aber unterstützt von vielen motivierten Mitgliedern.

Was ist die Geschichte zu eurem Namen?
Andi P.: Wie so oft bei guten Ideen haben wir damals am Tresen nicht lange nachgedacht. Wir hatten unsere Stammkneipe, die einem Saloon ähnelte, dazu unser Open-Air und weil wir kleine Anspielungen lieben, kam noch der Bezug zum legendären Heavy-Metal-Open-Air Monsters Of Rock dazu. That’s it!

Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?
Andi P.: Schwierige Frage. Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: „Mit Freund:innen eine gute Zeit haben!“ und „Für die kleine, aber feine fränkische Szene ein paar Highlights setzen“. Mittlerweile spielen aber leider auch finanzielle und politische Aspekte eine immer größere Rolle. Es wird immer schwieriger, mit dem Festival bei einer schwarzen Null zu landen, und der Rechtsruck in der Gesellschaft macht Themen wie Soli- und Infostände oder eine klare Positionierung wichtiger denn je. Auch die Nachwuchsförderung – sowohl im Verein als auch bei unseren Veranstaltungen – nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Unser Ziel bleibt, dafür zu sorgen, dass es in Coburg auch in Zukunft eine bunte, alternative Szene gibt. Zusätzlich sind wir gerade dabei, mit dem Inside Rodeo im November ein zweitägiges Club-Festival zu etablieren.

Welche wichtigen Aktionen und Erfolge gab es in der jüngeren Vergangenheit?
Zahnie: 2005 ist das Outside Rodeo im Biergarten mit 80 Gästen gestartet und mittlerweile ist es mit jährlich über 1.000 Besucher:innen aus dem fränkischen Punkrock-Open-Air-Sommer nicht mehr wegzudenken. Wir sind langsam gewachsen und über verschiedene Stationen in der Stadt am alten Güterbahnhof heimisch geworden. Dort wollen wir bleiben und auch die jetzige Festivalgröße beibehalten.

Mit welchen Risiken ist euer Engagement verbunden? Seid ihr Anfeindungen ausgesetzt, werdet ihr kriminalisiert?
Andi P.: Vergleicht man unsere Arbeit mit der befreundeten Szene im benachbarten Südthüringen, leben wir auf einer Insel der Glückseligen. Die Coburger Szene ist seit Jahrzehnten stabil und Anfeindungen gibt es so gut wie keine. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden funktioniert sehr gut. Das ist absolut keine Selbstverständlichkeit und wir wissen das sehr zu schätzen.

Wie viele ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende habt ihr?
Zahnie: Das Outside Rodeo wird von den Vereinsmitgliedern komplett ehrenamtlich organisiert, unterstützt von bis zu 60 Helfer:innen am Festival-Wochenende.

Wo ist der Mittelpunkt eures Vereinslebens?
Andi P.: Im Grunde spielt sich nahezu alles rund um den Plattenladen und die Szenekneipe Toxic Toast von unserem Gründungsmitglied Mike ab. Die Verbindungen ins lokale Jugendzentrum sind ebenfalls seit Jahren gut.

Wie viele Mitglieder beziehungsweise Unterstützer: innen habt ihr? Beschreibt doch mal die „typischen“ Unterstützer:innen.
Andi P.: Der Verein Mon$ters of Rodeo e.V. hat aktuell 40 Mitglieder. Ein Teil davon organisiert über das Jahr hinweg die Club-Shows. Zum Open Air kommen dann noch mal 60 Leute aus der Coburger Szene als Unterstützer:innen dazu. Die Gründungsmitglieder sind eindeutig Kategorie „Grauer Punker“ – 50+, männlich, weiß, kleiner Bierbauch und zunehmend weißer Haaransatz, haha. Unsere Mitglieder und Unterstützer:innen sind da zum Glück deutlich diverser. Es sind auch jüngere Menschen, viele Frauen und auch non-binäre Personen am Start.

Was könnt ihr leisten, was eine staatliche oder konfessionelle Organisation nicht kann?
Andi P.: Wir sind absolut frei in dem, was wir tun. Gemacht wird, was wir gut finden und uns Spaß macht. Klar, immer mit dem Gedanken: Was bringt es der lokalen Szene, was bringt es der Gesellschaft? Diese Lockerheit und finanzielle Unabhängigkeit haben wir staatlichen oder konfessionellen Organisationen einfach voraus. Und das merkt man auch.

Welche konkrete Arbeit leistet eure Organisation? Also was genau macht ihr? Und mit wem arbeitet ihr dabei zusammen?
Andi P.: In unserer Satzung steht, dass wir Kunst und Kultur fördern wollen, um die Achtung vor der Würde des Menschen, Empathie, Weltoffenheit und eine solidarische Haltung in der demokratischen Zivilgesellschaft zu stärken, genauso wie Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Überzeugungen. Genau darum geht es uns auch. Wie wir Konzerte und Lesungen organisieren, wie wir Menschen zusammenbringen, das ist unser Weg, etwas beizutragen. Und wenn es sein muss, beziehen wir auch ganz klar Stellung. Unsere Veranstaltungen sind oft mehr, sie sind Anker- und Krafttankstellen für politisch engagierte Leute aus der Region.

In welchen Regionen seid ihr aktiv?
Andi P.: Unser Engagement konzentriert sich hauptsächlich auf Coburg. Aber durch gute Kontakte sind wir auch ins restliche Frankenland und bis nach Südthüringen vernetzt.

Wofür verwendet ihr das Geld, das euch gespendet wird? Und habt ihr so was wie ein Spendensiegel oder wie wird gewährleistet, dass mit den Spenden satzungsgemäß umgegangen wird?
Andi P.: Das gespendete Geld fließt zu 100% direkt wieder in die Organisation unserer Veranstaltungen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und obwohl das alles ziemlich „unpunkig“ klingt – mit Mitgliederversammlungen, Kassenprüfungen und Steuerberater –, läuft bei uns alles sehr vorbildlich und transparent.

Wie kann man euch unterstützen? Nur mit einer Spende oder auch mit aktiver Mitarbeit?
Andi P.: Spenden sind natürlich immer eine feine Sache, gerade fürs Open Air. Und keine Sorge: wir wissen ganz genau, wie wir das Geld sinnvoll einsetzen. Wenn die „Chemie“ stimmt, sind wir aber auch immer offen für aktive Mitarbeit. Wir bieten außerdem eine Fördermitgliedschaft an. Meldet euch einfach bei uns.

Habt ihr prominente Fürsprecher:innen aus dem Musik- und Kulturbereich? Wer ist das, und warum passen die zu euch?
Zahnie: Der Oberbürgermeister von Coburg ist seit Jahren Schirmherr unseres Festivals. Das zeigt, dass wir hier in der Stadt was bewegen. Für prominente Fürsprecher:innen aus dem Kulturbereich sind wir in der Provinz vielleicht zu klein, aber unsere guten Kontakte zu Bookern und Bands sind nicht zu unterschätzen. Die Bands kommen gerne zu uns, weil sie wissen, dass das hier mit Leidenschaft organisiert wird, die Abläufe stimmen und man auch abseits der Bühne eine gute Zeit hat. Das hat sich herumgesprochen – und genau das wollen wir beibehalten.

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