ONLY HARDCORE STICKER

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Free stickers with every order

Backstageräume und Clubtoiletten sind voll von ihnen: Sticker. Oft übersehen als kosten­loses Mitbringsel vom Merchstand bekommen sie selten die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdienen. Thomas Rackow hat sich des Themas als eine Art Archivar angenommen und veröffentlicht seine Sammlung an Hardcore-Aufklebern bei Instagram unter @only.hc.sticker – und nun auch als Buch.

Thomas, wie begann deine Leidenschaft für Aufkleber?

Das fing tatsächlich schon ganz, ganz früh an, als Kind. Ich war großer Fan von den damaligen Duplo- und Hanuta-Sammelbildern. Da gab es so Tiere und solche Sachen und auch Fußballbilder und so was. Und es gab dann immer ein Heft zu. Ich war schon damals jemand, der auch immer möglichst komplettiert gesammelt hat. Also ich habe nie aufgehört, bevor ich nicht auch wirklich den letzten aus dieser Serie hatte. Das waren so die ersten Sachen. Und dann gab es natürlich wirklich bahnbrechende, einschneidende Erlebnisse wie das „Star Wars“-Panini-Sammelalbum. Und ab den frühen 1990ern habe ich noch relativ halbherzig auch Hardcore- und Punk-Sticker gesammelt, wenn die mit irgendeiner Bestellung mitkamen oder wenn es die auf einem Konzert gab. Und die habe ich auch wirklich immer in die Plattencover reingesteckt und habe die sehr akribisch aufgehoben. Natürlich habe ich manchmal auch irgendwo einen hingeklebt, aber nur wenn ich auch sicher war, ich habe noch einen zweiten davon. Ich habe irgendwie sporadisch so vor mich hingesammelt. Und damals gab es auch nicht die Möglichkeit, da noch mal anders dranzugehen. Das änderte sich aber im Jahr 2019. Da hatte ich einige schöne Sachen, aber im Vergleich war das relativ wenig. Nachdem ich nicht mehr so Lust auf Plattensammeln hatte, weil das einfach zu teuer geworden ist und mich das auch nicht mehr so faszinierte, nachdem das auch preislich einfach so explodiert ist, habe ich damit angefangen, jeden Tag einen Sticker zu posten. Und am Anfang habe ich die Bilder auch noch nicht bearbeitet. Mir war das irgendwie egal. Ich nahm das nicht allzu ernst.

Und wie hat das Ganze Fahrt aufgenommen?
Das verselbständigte sich irgendwie, weil ich natürlich mit meinem unzerstörbaren Enthusiasmus jetzt wirklich jeden, den ich traf, gefragt habe, ob sie noch alte Hardcore- oder Punk-Sticker aus den 1980ern oder 1990ern haben. Dann habe ich getauscht und Sammlungen aufgekauft und so wurde das immer mehr. Und dadurch ist die Seite auch teilweise eine Referenz geworden. Vor vier Jahren haben mich dann zwei Italiener aus Mailand angeschrieben, die so eine kleine Galerie haben: Hey, wir lieben deinen Account, wir sind Riesenfans, hast du Bock, nach Mailand zu kommen für ein Wochenende? Du kannst bei uns eine Ausstellung machen und wir machen so ein kleines Interview. Wir zahlen dir den Flug. Da habe ich erst mal laut gelacht und dann hab ich die Mail geschlossen und dachte, das kann doch jetzt eigentlich nicht wahr sein. Und so bin ich da reingestolpert und das war ein Riesenerfolg. Da waren 120 Leute aus Mailand, alles so Grafiktypen und ein paar Hardcore-Punk-Veteranen. Und diese Leute kannten wiederum andere Leute und die haben mich weitervermittelt an eine Galerie in Paris, die dann was Ähnliches mit mir machen wollte. Das wurde schon ganz anders aufgezogen, da haben teilweise Musiker für mich so kleine Clips eingespielt. Also Jeff Caudill von GAMEFACE hat was gemacht und Popeye von FARSIGHT hat sich mit der Gitarre hingesetzt und Tim McMahon von MOUTHPIECE, und Porcell habe ich bei einem YOUTH OF TODAY-Konzert angesprochen, der hat auch was gemacht. Und da gab es ein riesiges Feedback und das ist total nach vorne gegangen. Ja, und dann waren wir in Paris und haben eine dreitägige Ausstellung gemacht und da kamen 600 Leute. Das war der Wahnsinn.

Was macht für dich einen besonderen Sticker aus? Sind deine Favoriten eher die von deinen Lieblingsbands oder die mit einem besonders ikonischen Design?
Also da gibt es für mich als Sammler mehrere Kriterien. Und ich kann nicht abstreiten zu sagen, ich finde es nicht faszinierend, Sachen zu besitzen, wirklich in physischer Form, die einfach einen höheren Seltenheitswert haben. Das macht noch mal eine Zusatzfaszination aus, zu sagen, okay, den hat man jetzt. Und auch da sind wieder mehrere Kriterien dabei. Also mir geht es natürlich einmal um das Sammeln selbst, weil das etwas ist, das mich auch umtreibt und beschäftigt und am Laufen hält. Und mit dem Sammeln geht natürlich auch ganz viel Kommunikation mit Leuten einher. Was ich total toll finde, mit Leuten zu kommunizieren und neue Leute kennen zu lernen und dadurch neue Bekanntschaften und Freundschaften zu schließen. Das ist total wichtig, finde ich. Dann kommt der Punkt Design, also Art und Grafik, die ich toll finde. Ja, und dann kommt natürlich noch dieser Seltenheitswert dazu. Und wenn es dann noch eine Band ist, die ich selber total mag, greift alles irgendwie unweigerlich ineinander.

Wie viele Seiten wird das Buch haben und wie viel von deiner Sammlung wird darin abgebildet sein?
Ich glaube, 224 Seiten. Und das war auch ein Kernproblem, weil wir immer verhandeln mussten und immer wieder neu diskutieren, welchen Sticker nehmen wir rein, welchen schmeißen wir raus, wie viel Platz haben wir überhaupt, in welcher Größe kann man das überhaupt darstellen. Teilweise habe ich auch Sachen genommen, da habe ich gesagt, ich finde zwar den anderen schöner, aber hier ist eine andere Grafik und wir wollen das noch ein bisschen diverser aufstellen. Da mussten wir viele wieder rausschmeißen, was jetzt wirklich im Buch gelandet ist, sind jetzt vielleicht 35 oder 40% meiner Sammlung. Es kommt ja auch immer wieder was dazu. Das war auch eines der Probleme, über die ich gestolpert bin. Ich dachte, ich will ein Buch machen über Hardcore-Punk-Sticker und dann musste ich mich sehr schnell entscheiden, wo ziehen ich jetzt die Grenze. Und plötzlich war Punk in dem Sinne irgendwie raus bei den ganzen Melodic-Sachen. Und ich musste mich wirklich spezifizieren auf das Thema Hardcore oder das, was man dafür hält. Das ist ja auch ein weites Spektrum. Dann ging es mal nur um die 1990er, was ich aber nicht wollte. Wir fangen jetzt vorne bei den 1980ern an und gehen bis in die Neuzeit und versuchen, einen geordneten Querschnitt über alle Zeiträume und auch Genres zu zeigen, was total schwer ist. Aber ich glaube, das ist uns gut gelungen am Ende. Das ist auch etwas, das ich im Vorwort ganz klar sage. Das ist etwas, was ich gewollt hätte. Eine Enzyklopädie, weil es mir natürlich im Blut liegt, Sammlungen möglichst zu komplettieren. Aber mir wurde schnell klar, das ist unmöglich. Niemand kann das. Das ist nicht machbar. Es geht nicht. Und daher mussten wir uns eben entscheiden. Ich weiß, das, was wir hier gemacht haben, ist nur ein kleiner Blick durch ein Fenster auf dieses Medium, bei dem ich mir aber wünsche, dass ihr mal reinschaut, um euch ein bisschen damit zu beschäftigen, und die Geschichten dahinter lest, die die Leute mitgebracht haben, die ganz, ganz, ganz, ganz toll geworden sind. Mehr nicht.

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