
Im April 2025 hatten sich PANKHURST aus Italien auf den Weg nach Regensburg gemacht, um mit ihren Songs die Bühnenbretter ordentlich wackeln zu lassen. Dort durfte ich sie kennenlernen und ich muss sagen, sehr interessante Persönlichkeiten. Auch der Name der Band ist ungewöhnlich. Denn PANKHURST („Pank“ nicht „Punk“) haben sich benannt nach Emmeline Pankhurst, einer radikalen britischen Feministin, die Anfang des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht kämpfte. Die Band auf ein Genre festzulegen, ist schwierig, von leichten Ska-Einschlägen über Indierock bis zu härteren Punkrock-Klängen ist alles dabei. Der Song „Recognizm“ war übrigens auf der Ox-CD der Ausgabe 181 zu hören. Aber lassen wir die Band, die lieber anonym bleibt und auf Fotos Masken trägt, selbst zu Wort kommen.
Wann ging es mit PANKHURST konkret los?
Wir haben 2019 in einem Tonstudio angefangen und im September unsere erste EP „The Vote“ veröffentlicht. Dann kam Corona und wir haben im Juli 2021 eine zweite EP namens „On The Border“ herausgebracht, im März 2023 folgte „Out Of The Kingdom“. In der Zwischenzeit haben wir angefangen aufzutreten, aber nicht in unserer italienischen Heimat, weil wir sehen wollten, ob unsere Art von Punk auch anderswo funktioniert. Seit Oktober 2024 touren wir nun mit Hilfe einer kleinen Booking-Agentur namens Indie Prog durch Europa. Und im Juni 2025 haben wir die EP „And The War Came“ veröffentlicht ... also eine EP alle zwei Jahre.
Ihr kommt also aus Italien ...?
Wir sagen gerne, dass wir aus Washington, D.C. kommen. Dort haben wir uns zwar gegründet, eigentlich leben wir aber jetzt in Mittelitalien. Nur, interessiert es euch wirklich, woher wir kommen? Das ändert nichts an unserer Musik. Wir halten Abstand zu typisch italienischem Punkrock, auch wenn wir eine Reihe italienischer Punkbands lieben.
In euren Songs beschäftigt ihr euch viel mit dem Thema Menschenrechte, was ist die Intention dahinter?
Unsere Songs handeln von dem, was auf der Welt passiert: Folter, Migration, Krieg, Unterdrückung, kein Recht auf Abtreibung, Gewalt gegen Frauen, keine sexuelle Freiheit, Faschismus, Waffenhandel ... In unseren Songs hört man keine politischen Monologe oder Statements, wir beschreiben diese Dinge nur mit Bildern. Wir leben in diesem kleinen Teil der Erde, in dem die Dinge besser zu laufen scheinen als in anderen Teilen, deshalb interessieren wir uns mehr für diese anderen Teile der Welt.
Warum zeigt ihr eure Gesichter nicht auf Bildern? Warum die Masken?
Das ist unsere Art, politische Gefangene zu unterstützen, deren Gesichter in Vergessenheit geraten sind. Es hat auch noch ein anderer Hintergrund: die großen Internet-Konzerne stehlen dein Gesicht, KI saugt es auf, und dann werden deine Daten zur Überwachung verwendet, in Diktaturen und Demokratien gleichermaßen. Unsere Gesichter nicht zu zeigen, ist eine Möglichkeit, darauf hinzuweisen. Wir verstecken uns nicht, weil wir geheimnisvoll oder gefährlich wirken wollen. Bei unseren Live-Shows könnt ihr uns ohne Masken erleben.
Ich habe eure Videos gesehen. Sie wirken fast seltsam für eine Punkband, keine Gewalt, keine Ausschreitungen, keine zerbrochenen Biergläser. Was steckt dahinter?
Ja, vielleicht sehen sie anders aus, als man es von einer Punkband erwarten würde. Wir haben mit zwei sehr jungen italienischen Filmemachern zusammengearbeitet, Alessandro Rocca und Martina Mele. Wir haben vier Videos zusammen gedreht, immer etwas, das völlig außerhalb des Genres liegt. Wir sind nicht einmal in den Videos zu sehen, außer im letzten, in dem wir mit den Masken auftreten – das ist „Recognizm“, unser Song gegen die Unterdrückung von sexueller Identität auf der aktuellen EP „And The War Came“. Du siehst, wir geben immer unser Bestes, um unser typisches Publikum nicht zu erreichen!
Du hast „And The War Came“ erwähnt. Diese EP hat fünf Tracks – wie alle anderen auch. Warum immer fünf?
Das ist unsere Methode. Wir konzentrieren uns auf fünf Songs, arbeiten daran, nehmen sie auf, fertig.
Das beste Kompliment, das ihr je bekommen habt?
Das beste? „TALKING HEADS auf Amphetaminen“. Das hat uns umgehauen!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Kerstin Röhrl