PASIDARYK PATS RECORDS

Foto

Losing money since 2002

Andrius Kulvinskas ist Chef des kleinen litauischen Labels Pasidaryk Pats Records. Er ist noch einer von denen, die zusätzlich zum Online-Versand mit Plattenkisten und Merch auf Konzerte fahren. Außerdem organisiert er Konzerte und Touren. Ich habe ihn gebeten, uns sein Label vorzustellen.

Ich habe kürzlich ein T-Shirt mit dem Logo deines Labels gekauft, auf dem steht: „Losing money since 2002“. Ist es wirklich so schlimm?

Ja, das stimmt. Ich habe viel eigenes Geld in das Label gesteckt, um möglichst jede lokale Punkrock-Band herauszubringen. Inzwischen habe ich meine Strategie aber ein wenig geändert. Ich bin jetzt wählerischer, was die Veröffentlichungen angeht, aber ich stecke immer noch viel Herzblut und Geld in die Musik. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich nicht entmutigen zu lassen und weiterzumachen. Erfahrung ist der beste Lehrer. Es ist wirklich schön zu sehen, dass das Kaufen und Sammeln von Musik wieder in Mode kommt.

Dein Labelname Pasidaryk Pats bedeutet „Do It Yourself“ – ist das die Philosophie deines Labels?
Als ich 2001 mit dem Problem konfrontiert war, dass niemand das Debütalbum „Niekas Neisgirs“ meiner ersten Band SLOPPY LIVIN’ rausbringen wollte, und sich dann noch mehr Bands beschwerten, dass sie Schwierigkeiten hätten, ihre Platten zu veröffentlichen, kam mir die Idee. Ich beschloss, ein Label zu gründen, auf dem die Platten meiner Band erscheinen und auch anderen Bands dabei hilft. Weil ich mich selbst um alles gekümmert habe, war der Name „Do It Yourself“ geboren. In letzter Zeit habe ich mich wieder mehr mit der direkten Produktion beschäftigt, also mit dem Falten, Kleben und Verpacken von Covers. Das macht mir wirklich große Freude.

Die Lage in der litauischen Musikszene war wahrscheinlich schon immer etwas anders als im übrigen Europa. Kannst du uns etwas über die Anfänge des Labels erzählen und wie alles begann?
Das Label wurde in erster Linie gegründet, um die Platten meiner eigenen Band veröffentlichen zu können. Ich denke, so sind die meisten kleinen Labels entstanden. Die ersten drei Veröffentlichungen waren also von meiner Band SLOPPY LIVIN’. Dann folgten Bands aus meinem Umfeld. Die ersten Releases waren noch auf CD-R, die ich selbst zu Hause vervielfältigt habe. Ich habe Etiketten auf die CDs geklebt, die Booklets gefaltet und sie in Hüllen verpackt. Zur gleichen Zeit habe ich einen Job in einer Werbeagentur angenommen, um die Druckarbeiten leichter erledigen zu können. Dort habe ich sogar einen Teil meines Gehalts in Form von Covern und Aufklebern bekommen.

Es ist wirklich bewundernswert, dass du noch immer mit diesen altmodischen Kisten mit Vinyl und anderem Merchandise bei Konzerten auftauchst. Wie wirkt sich die DIY-Ethik auf dein Label aus?
Ich liebe Musik, ich liebe es, über Musik zu sprechen, ich liebe es, Leuten von Musik zu erzählen, die ich interessant finde. Deshalb ist das Reisen mit diesen „Kisten“ eine der Möglichkeiten, dieses Vergnügen zu erleben und diese Freude zu teilen. Ich versuche immer, gute Musik an so viele Menschen wie möglich zu bringen. Das wirkt sich auch auf die Preise aus, denn ich möchte, dass die Musik verbreitet wird, und tue das nicht nur, um damit Profit zu machen.

Du organisierst auch Konzerte in Litauen – gibt es irgendwelche denkwürdigen Geschichten oder Momente?
Es gibt so viele denkwürdige Anekdoten, dass es schwer ist, eine herauszupicken. Man könnte wahrscheinlich ein Buch darüber schreiben. Jede Veranstaltung hat ihre eigene Geschichte. In letzter Zeit ist das Organisieren von Konzerten ein wenig in den Hintergrund getreten. Ich kann nicht mehr alles selbst organisieren. Früher habe ich etwa zehn bis zwanzig Konzerte im Jahr veranstaltet, aktuell sind es nur noch einige wenige. Darunter natürlich das Vilniaus gatve, ein Punkfestival, das es seit 2006 gibt. Außerdem habe ich vor zehn Jahren Europatouren für lokale Bands organisiert, die sie drei, vier Wochen durch ganz Europa führten. Jetzt helfe ich leider nur noch mit Kontakten und Empfehlungen. Ich denke, wie bei allen Labels ist das größte Problem der Mangel an Mitteln und Geld. Denn je kleiner man ist, desto weniger Geld hat man, um sein Geschäft zu betreiben. Das ist in der Regel der größte Stolperstein für die Expansion. Ich bin sehr stolz auf die Musik, die ich herausbringen konnte, und vielleicht auch darauf, dass ich manchmal jemanden helfen konnte, neue, gute und interessante Musik zu entdecken.

Ich würde gerne wissen, wie du es schaffst, dich in der sich verändernden Landschaft der Musikindustrie zu behaupten, vor allem in Zeiten des digitalen Streamings. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass du von ARMATURA ein Album auf USB-Sticks verkaufst, die die Form eines Hammers haben.
Ich selbst achte da nicht so sehr drauf, ich höre Musik sowohl auf digitalen Plattformen als auch auf physischen Medien. Was das Album „Paris – Dakar“ von ARMATURA betrifft, so wurde diese wunderbare Veröffentlichung von der Band selbst konzipiert und herausgegeben. Wir sind nur am Versand beteiligt.

Gibt es Projekte oder Veröffentlichungen, die eine internationale Wirkung haben?
Wenn ich reise, versuche ich immer, so viele lokale Gigs wie möglich zu besuchen, lokale Bands zu treffen, die jeweilige Szene kennenzulernen und Plattenläden und Labels zu besuchen, weil ich es einfach liebe, neue und aufregende Musik zu entdecken. Seit vielen Jahren sind unsere Veröffentlichungen nicht nur Teil der litauischen Szene, tatsächlich gibt es nur sehr wenige rein litauische Releases, sondern die meisten sind Kooperationen mit Labels aus anderen Ländern. Ich habe Bands aus Spanien, Frankreich, Dänemark, Malaysia, Polen, Lettland, Serbien, Ungarn, Italien, Großbritannien, Indonesien, der Ukraine, Griechenland, Russland, Weißrussland, Katalonien, Deutschland und vielen weiteren Ländern im Programm. Ich freue mich gerade sehr, euch eine der neuesten Bands vorstellen zu dürfen: die legendäre chinesische Punkband THE NONAME, die im Juli und August auch durch Europa und Großbritannien getourt ist. Ich bin stolz, das neue Album der Band in Europa zusammen mit zwei deutschen Labels, Abbruch Records und Smith & Miller, rausbringen zu dürfen.

Ich denke, es ist einfacher, ein Label in einem größeren Markt als Litauen zu betreiben.
Ja, natürlich. Je größer der Markt ist, desto einfacher ist es, aber auch der Wettbewerb nimmt zu, sowohl zwischen den Labels als auch zwischen den Bands. Auf dem litauischen Markt 300 Vinyl-Exemplare zu verkaufen, ist eine große Herausforderung, was in Deutschland wahrscheinlich „nichts“ ist, denn das ist die Auflage, die sich jede aufstrebende Band leisten kann.

Full disclosure: Ich spiele selbst in der Band THE THUNDERCOCKS, habe Andrius aber nicht gebeten, uns zu erwähnen! Da ich kaum Litauisch spreche und Andrius sich in Englisch nicht wohl fühlte, haben wir das Interview schriftlich per Übersetzer geführt.

Anzeige