PLAIINS

Foto© by Arne Beschorner

Weltstadt Hamburg

Sänger Chris ist in Städten wie London und Hongkong aufgewachsen und hat sich am Ende für Hamburg entschieden. Warum es ihm da so gut gefällt, und warum es für seine Band und das Debütalbum „Happy Faces“ in Deutschland etwas schwieriger ist als im Vereinigten Königreich, erklärt er uns im Interview.

Du stammst ursprünglich aus Großbritannien und bist von London nach Hamburg gezogen, normalerweise höre ich nur von Bands, bei denen es umgekehrt ist, dass sie wegen der Karriere in Städte wie London, New York oder Berlin gehen. Warum also Hamburg?

Ja, mein Vater ist aus Großbritannien und meine Mutter aus Hongkong, und ich habe bis zu meinem frühen Teenageralter in Hongkong gelebt, dann sind wir nach Großbritannien gezogen. Ich schätze mich glücklich, dass ich beide Orte kennen gelernt habe. Ich weiß, was du meinst, haha! Nun, ich habe Hamburg 2019 besucht, ich war als Solo-Künstler bei einem kleinen Plattenlabel in Stuttgart unter Vertrag und einmal haben sie mich für einen Abstecher nach Hamburg geflogen, und ich war total begeistert. Ich hatte nun länger in London gelebt und war bereit für eine Veränderung, also sagte ich mir: Warum nicht, los geht’s! Ein paar Monate später packte ich meine Sachen und zog nach Hamburg. Es ist eine ganz besondere Stadt. Ich war schon in Berlin und New York, die auch toll sind, aber Hamburg hat mich einfach angesprochen und es fühlte sich richtig an, also habe ich den Schritt gewagt und es war fantastisch.

Die Leute denken im Allgemeinen, dass Länder wie Großbritannien, die USA oder Schweden in Sachen Musik immer etwas weiter sind als andere. Trifft das heute noch zu?
Ja, ich denke, das stimmt noch. Deutschland hat aber ein großartiges Gespür dafür, Musik und Künstler im Allgemeinen zu unterstützen. Vor allem wenn man in Deutschland auf Tour ist, merkt man das. Künstler werden hier wirklich gut behandelt, man bekommt Essen und Getränke, in Großbritannien kann man sich glücklich schätzen, wenn es ein kostenloses Pint gibt. Aber ich denke, was das Avantgardistische und die Innovationskraft der Musiker angeht, stimmt das. Ich bin mir nicht sicher, woran es liegt, aber ich habe das Gefühl, dass die Bands, die künstlerisch neue Wege gehen, meist aus Großbritannien, den USA oder Schweden und auch aus Australien kommen, zumindest in unserer Szene.

Wie werden PLAIINS in Deutschland im Vergleich zu Großbritannien deiner Meinung nach wahrgenommen?
Uff, das ist eine schwierige Frage. Ich weiß nicht, ob wir schon bekannt genug sind, um das richtig einschätzen zu können, aber ich kann definitiv sagen, dass es für uns in Deutschland bis zur Veröffentlichung unseres Albums ziemlich schwer war. Ich denke, was wir machen, ist ziemlich anders und neu im Vergleich zu den meisten Bands in Deutschland. Mir scheint, als sei die Punk-Szene in Deutschland eher von der amerikanischen Pop-Punk-Szene inspiriert, in die wir überhaupt nicht hineinpassen. Es gibt einige wirklich coole Bands wie TEAM SCHEISSE, die viel roher klingen, aber sie singen auf Deutsch, auch wieder ganz anders als wir. Ich denke, die Branche hier in Deutschland hat uns nur sehr zögerlich wahrgenommen, abgesehen von unserem Label. Unsere Fans in Großbritannien scheinen dagegen ziemlich begeistert zu sein, und es war großartig, eine so positive Albumrezension vom Kerrang! Magazine zu bekommen. Das hat mir sehr viel bedeutet, da ich mir dieses Magazin als Teenie bestimmt zwölf Jahre lang jede Woche gekauft habe. Nächsten Monat spielen wir jedenfalls unser erstes Konzert in Großbritannien, dann werden wir mehr wissen!

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