© by Nick FancherLeigh Kakaty, Sänger und Kopf der US-Band, redet schnell und viel. Auch nach über 20 Jahren im Musikbusiness ist er nicht müde und erzählt begeistert von seiner Band und den Weg, den sie eingeschlagen haben. Auch das neue Album „What Remains“ unterstreicht dies. Musikalisch ist es mehr denn je dem Metal zu gewandt, inhaltlich ehrlicher und authentischer.
What Remains“ ist ja schon angekündigt und es ist bereits eine erste Single erschienen. Wie ist die Resonanz bisher gewesen? Ich weiß, es ist immer eine sehr spannende Zeit für einen Musiker.
Ja, es ist aufregend! Die Resonanz der Fans war überwältigend und wir freuen uns schon darauf, 2025 auf Tour zu gehen und diese Songs live zu spielen. Wir sind ganz heiß auf die neue Platte.
Ich habe gehört, dass die neue Platte mehr auf Metal ausgerichtet ist. War das eine bewusste Entscheidung von euch?
Wir haben alle eine klare Haltung zu den Dingen, die in der Welt vor sich gehen. Es herrscht eine Menge Frustration, eine Menge Wut, eine Menge Verwirrung. Ich glaube, das kommt ganz selbstverständlich aus uns heraus. Gleichzeitig wollten wir nicht wieder einen Schritt zurück gehen. Wir denken ständig über die Gestaltung unsere Live-Show nach und wie wir sie besser machen und für unsere Fans aufregender gestalten können. Wenn man den Erfolg bedenkt, den wir hatten, sind wir gesegnet, aber man kann diese Songs nur einmal in einer Setlist spielen, oder? Wir wollen unser Set weiterentwickeln. Wir wollen wachsen. Und wir hatten Line-up-Wechsel. Wir wollen Songs spielen, die die Zukunft sind, im Studio Risiken eingehen und Dinge tun, die wir auf früheren Platten noch nicht versucht haben. Das ist sehr wichtig für mich, es ist wichtig für die Band, um einfach weiter zu wachsen und um unsere musikalische Entwicklung immer weiter voranzutreiben, anstatt uns bloß auf dem Erreichten auszuruhen. Wir haben einfach mehr Spaß als je zuvor. Offensichtlich sind wir jetzt sowohl auf als auch abseits der Bühne besser als je zuvor. Das Gute an dieser beschissenen Pandemie war, dass wir konzentrierter gearbeitet haben. Wir sind fokussierter auf das, was wir tun wollen, auf die Dinge, die vielleicht bei der Band nicht funktioniert haben. Wir wollten das in Ordnung bringen und das, was funktioniert hat, ausbauen. Und neue Dinge ausprobieren und unsere Fangemeinde ein bisschen mit Unerwartetem überraschen, das ist es, was Spaß macht. Wenn man anfängt, ein Album zu schreiben, und schon vorher denkt, man muss jetzt wieder das Gleiche machen wie schon beim letzten oder vorletzten Mal, dann macht das keinen Spaß.
Ich denke, um einen Song oder ein Album zu schreiben, mit dem sich die Leute identifizieren können, muss man sich selbst gegenüber sehr ehrlich sein, damit die Leute das spüren. Weißt du, was ich meine?
Ja, ich glaube, die Fans sind schlauer als je zuvor, sie wissen, was sie wollen, und sie wollen, dass es authentisch ist. Wenn du versuchst, es zu erzwingen, oder wenn du versuchst, etwas zu kopieren, was du schon mal gemacht hast, wird es wirklich schwer. Man will wachsen, man will immer nach vorne schauen, und wie du schon sagtest, es muss ehrlich sein. Bei diesem Album denke ich natürlich vom Standpunkt des Sängers oder des Songwriters aus darüber nach. Als ich jünger war, wurde ich oft davon abgehalten, etwas über mich selbst zu schreiben. Das sei selbstsüchtig, das soll man nicht tun. Also dachte ich, ich fühle mich wohler, wenn ich über uns schreibe, oder, was ich meine, wenn ich Menschen zusammenbringe. Die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Probleme stand also immer im Hintergrund. Ich habe mich vorher nie wirklich darauf konzentriert. Auf diesem Album gibt es aber eine Menge „Ich“. Ich bin das, was mir bleibt. Ich muss es tun. Ich muss das in Ordnung bringen. Wenn man über all die Widrigkeiten nachdenkt, die einem im Leben passieren, hat man die Wahl, wie man damit umgeht. Willst du rückwärts gehen, willst du Stillstand oder willst du vorankommen? Du musst die Entscheidung treffen, was das Beste für dich ist. Willst du ein positiver Mensch sein oder willst du nur ein negativer Mensch sein? Für mich ist klar, dass ich an mir arbeiten will. Ich will versuchen, positiver zu denken. Also habe ich mich gefragt: Wie fange ich an? Und womit? Das könnte ein Album sein, vielleicht werden es auch zwei oder drei, ich weiß es einfach nicht. Ich weiß vielleicht nicht einmal genau, was alles im Argen liegt. Wie du sagst, es ist wahrscheinlich eines der authentischsten Alben, die ich je gemacht habe, einfach weil ich in all diesen Texten etwas von mir erzähle.
Aus der Perspektive des Künstlers ist es auch nicht einfach, sich selbst in einem Song für jeden transparent zu machen, es geht so viel in jedem von uns vor, und das für jeden sichtbar zu machen, ist auch ein Prozess, den man lernen muss.
Ja, es kann einschüchternd sein. Alles an unserem Job ist immer einer Beurteilung unterworfen. Man bringt ein Album heraus und wird bewertet vom ersten Lick an. Die ersten Interviews, die ersten Kritiken über das Album. Jemand hat eine Meinung dazu, wovon die Songs handeln. Man hat Jahre damit verbracht, diese Songs auszuarbeiten und zu perfektionieren. Und manchmal kann das negative Feedback richtig destruktiv sein. Ich glaube, je weiter man in seiner Karriere voranschreitet, zumindest bei mir ist das so, merkt man, dass man keine Kunst für alle machen kann. Man wird nie etwas schaffen, das wirklich jeder liebt. Man will natürlich, dass es der Mehrheit der Leute gefällt. Aber noch einmal, ich denke, zuallererst muss man es selbst lieben. In ein paar Jahren wird sich niemand mehr daran erinnern, ob die Leute dein Album mochten oder nicht. Man kann es nicht kontrollieren, das klingt vielleicht offensichtlich, aber wenn man jünger ist und am Anfang seiner Karriere steht, versucht man es noch. Ich habe sicherlich alles, was ich konnte, gemikromanaget, und wenn es dann nicht so funktioniert, wie man will, ist man enttäuscht. Aber die Realität ist, dass man mit der Kunst, die man vorlegt, zufrieden sein muss, damit man im schlimmsten Fall zumindest weiß, dass es einem geholfen hat, einen Punkt zu erreichen, an dem man abseits der Bühne besser sein kann, so dass man auf der Bühne besser werden kann.
© by Fuze - Ausgabe #111 April/Mai 2025 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #89 August/September 2021 und Pascal Irmer
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