
Das Quartett aus dem estnischen Tartu legt auf seinem Debüt eine beeindruckende musikalische Bandbreite an den Tag, die das Potenzial hat, verschiedenste Hörerlager anzusprechen. Elemente aus Metalcore, Post-Hardcore, Industrial, Nu Metal, Djent und EDM/Elektro verschmelzen auf „Venetian Dark“ mit cineastischen Klanglandschaften zu einem kraftvollen, modernen Heavy-Sound, der PRIDIAN sofort stark und unverkennbar positioniert.
Oft ist das, was frisch und neu klingt, nur der Einfluss von etwas Älterem, das man lange nicht gehört hat“, relativiert Frontmann Laur Lindmäe. „Jüngere Hörer haben vielleicht noch nie etwas von den Bands gehört, mit denen wir aufgewachsen sind. Wir versuchen nicht, ein neues Genre zu erfinden, und experimentieren auch nicht nur um der Andersartigkeit willen. Unsere musikalischen Hintergründe, Fähigkeiten und Geschmäcker sind so unterschiedlich, dass wir ganz natürlich ein breites Spektrum an Klangwelten abdecken und es viel zu entdecken gibt.“ Beim Songwriting setzt die Band aus Estland bewusst auf Instinkt und Offenheit: „Wir versuchen, uns nicht einzuschränken, sondern gehen instinktiv vor: Vertraue deinem Bauchgefühl, vertraue dem Prozess und folge dem, wohin der Song dich führt. Wenn wir das Gefühl haben, dass ein Song techno-industrielle Beats braucht, dann machen wir das. Wenn es sich nach einem neonfarbenen Synthwave-Erlebnis anfühlt, probieren wir es aus. Fühlt es sich religiös an und braucht Chöre? Klar! Und manchmal will ein Song einfach nur ein simples, stinkiges, grottiges Riff-Fest sein – ihr versteht schon.“
Für einen einordnenden Kontext sorgt das zugrunde liegende Thema, wie Lindmäe erklärt: „Unser Debüt ‚Venetian Dark‘ ist jedoch kein Konzeptalbum im herkömmlichen Sinne. Vor dem Schreiben der Musik haben wir uns keine Regeln aufgestellt oder eine bestimmte Geschichte entworfen. Während ich die Songs schrieb, fiel mir einfach auf, dass sie alle etwas gemeinsam hatten. Das Album wurde zu einem Spiegelbild der Zeit, in der wir leben. Es handelt von Tod und Wiedergeburt, Beharrlichkeit und davon, sich von Dingen zu lösen, die einem nicht mehr dienen, und davon, sich selbst zu finden.“ Neben dieser persönlichen Ebene fließt auch Fiktionales in die Stücke ein: „Dem Ganzen fügen wir auch manchmal eine Ebene aus Fiktion oder Storytelling hinzu, um die Songs interessanter und etwas weniger offensichtlich oder direkt anzulegen. Die Texte beziehen sich oft auf frühere Titel oder nehmen in einigen Fällen Motive vorweg, die auf ‚Venetian Dark‘ später noch folgen.“ Schließlich stellte sich nur noch eine Herausforderung – die optimale Tracklist: „Die größte Hürde für mich war es, die endgültige Reihenfolge der Songs festzulegen – ein gutes Tempo beizubehalten und die Stücke auf kohärente Weise miteinander zu verbinden“, so der Frontmann. „Alles musste Sinn ergeben; einige Songs konnten nur an einer bestimmten Stelle der Tracklist stehen, um zu funktionieren. Das war ein lustiges Puzzle!“
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Arne Kupetz
© by Fuze - Ausgabe #103 Dezember 2023 /Januar 2024 2023 und Philipp Sigl
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Arne Kupetz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Andreas Kleen