Punk Art #49

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Nano Barbero

In dieser Artikelreihe stellen wir Menschen aus der Punk- und Hardcore-Szene vor, die sich im weitesten Sinne grafisch betätigen und Poster, Flyer und Cover gestalten. Diesmal sprechen wir mit Nano Barbero von der Kanareninsel La Palma, der für die Artworks des Canarias Calling-Festivals verantwortlich ist und auch das aktuelle Ox-CD-Cover gestaltet hat.

Stell dich bitte vor.

Ich bin Nano Barbero, 55 Jahre alt und multidisziplinärer Künstler. Ich arbeite als Art Director und mache nebenbei Design und Illustration. Ich komme eigentlich aus Teneriffa, wohne aber gerade auf der Insel La Palma. Als Illustrator bin ich eng mit der Rockabilly- und Psychobilly-Szene verbunden, aber ich mochte schon immer Punk. Als ich deine Anfrage gelesen habe, habe ich versucht, mich daran zu erinnern, was das erste in Sachen Punk war, was ich gehört habe. Und wenn ich mich recht erinnere, waren das mit 14 Jahren die spanische Band LA POLLA RECORDS und die britischen THE EXPLOITED. Jahre später hat sich die Liste ziemlich erweitert: ESKORBUTO, CICATRIZ, DEAD KENNEDYS, SEX PISTOLS, TOY DOLLS ... Und natürlich meine Lieblingsband: THE CLASH. Sie haben die Grenze zwischen den verschiedenen Genres so verwischt, dass sie unter anderem von Rockern, Rude Boys und Punks gehört werden konnten.

Seit wann bist du als Künstler aktiv, wie hast du angefangen, wie hat sich das entwickelt?
Ich habe 1986 angefangen, in einem wegweisenden Grafikdesignstudio auf Teneriffa zu arbeiten. Beeinflusst von Werbung, Musik, Comics und Videospielen habe ich je nach dem, was ich zeichnen musste, mit verschiedenen Illustrationsstilen experimentiert, obwohl der Einfluss des französisch-belgischen Stils in vielen meiner Arbeiten deutlich zu erkennen ist. Jetzt arbeite ich an meiner ersten Graphic Novel, und in diesem Fall ist der Stil, den ich verwende, eindeutig französisch-belgisch. Als Kind waren meine Lieblingscomics „Valerian“, „Jo, Jette und Jocko“ und „Umpah-Pah“ aus dem gleichen Genre; als Erwachsener dann Zeichner/Autoren wie Mike Mignola zum Beispiel. All das spiegelt sich in meiner Arbeit wider.

Wie arbeitest du? Klassisch, mit Papier und Farbe, oder digital, am Computer?
Ich benutze immer gerne mein Notizbuch und meinen Bleistift: Ich nehme sie überallhin mit. Danach gehe ich digital zur Tusche und Farbe über. In letzter Zeit zwinge ich mich, auch den Bleistift digital zu verwenden, um Zeit zu sparen und aus Gründen der Sauberkeit, aber ich ziehe es immer noch vor, meine Skizzen auf Papier anzufertigen.

Bist du Autodidakt oder hast du eine klassische künstlerische Ausbildung genossen?
Als Designer hatte ich einen großartigen Lehrer, der mir solide Grundlagen in Design und Werbung vermittelt und mir geholfen hat, mich beruflich weiterzuentwickeln. Als Illustrator bin ich komplett Autodidakt, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

Hast du künstlerische Vorbilder?
Wenn ich einige nennen müsste, dann sind Leyendecker, Hal Foster oder Moebius für mich eine ständige Quelle der Inspiration und Motivation, mich zu verbessern. Die Werke dieser Genies zu sehen, hilft mir, mich daran zu erinnern, wie klein ich bin und wie viel Arbeit noch vor mir liegt, um mich zu verbessern: Sie holen mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

Und welche Stile beeinflussen dich oder haben dich beeinflusst?
Wie ich schon gesagt habe, hat mich der französisch-belgische Stil wahrscheinlich am meisten beeinflusst, zusammen mit spanischen Zeichnern wie Carlos Giménez.

Ist deine Kunst zu kaufen?
Im Moment verkaufe ich nichts mehr, bis auf T-Shirts über Canary Rockers. Ich habe alle Verkaufsplattformen geschlossen, um mich ganz auf das Zeichnen und vor allem auf die Graphic Novel zu konzentrieren, an der ich gerade arbeite.

Arbeitest du kostenlos oder auch auf Auftragsbasis? Zum Beispiel für Bands oder Konzertveranstalter?
Ich arbeite im Auftrag für viele Bands und Festivals und mache auch einige Kooperationen. Aber auch hier versuche ich, mich auf meine persönlichen Projekte zu konzentrieren. Ich habe seit einigen Jahren zu viele Anfragen, eine hohe Auftragsauslastung und eine Überlastung mit Arbeit, so dass ich derzeit nur Aufträge annehme, die mich interessieren, und das unter ziemlich strengen finanziellen und arbeitsbezogenen Bedingungen.

Und was ist mit Ausstellungen?
Ich habe schon an einigen Gemeinschafts- und Einzelausstellungen teilgenommen und auch Workshops gegeben. Aber ich bin sozial nicht sehr effizient: Es fällt mir schwer, Kontakte zu knüpfen oder aus meiner Höhle herauszukommen. Ich nehme an, das hat mit dem zuvor Gesagten zu tun: zu viele Aufträge und zu viel Arbeit.

Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema. Was denkst du darüber?
Das ist ein kompliziertes Thema. Ich wurde schon von Menschen aus aller Welt plagiiert: Es gibt Designs von mir auf AliExpress, auf Temu und auch viele Privatpersonen, die glauben, sie hätten das Recht zu drucken, was sie wollen. Ich habe im Laufe der Jahre Hunderte von ihnen angezeigt. Was KI angeht, denke ich, dass sie ein nützliches Werkzeug sein kann, wenn man sie verantwortungsbewusst einsetzt. Ich glaube auch, dass sie zwar im Moment aufgrund ihrer Durchschlagskraft ein wenig beängstigend ist, die Ergebnisse sich aber tendenziell wiederholen: Die Stile ähneln sich am Ende sehr. Das wird den Wert derjenigen, die kreativ sind, eher steigern. Ich sage immer, dass man keine Energie darauf verschwenden sollte, gegen KI zu kämpfen: Sie ist da und es gibt kein Zurück. Man sollte seine Energie darauf verwenden zu zeigen, dass die eigene Arbeit und der eigene Arbeitsablauf jeder KI weit überlegen sind. Warum? Weil man etwas hat, was sie nie haben wird: persönliche Erfahrung, auf dem eigenen Wissen und Lernen basierendes Denken ... und, was am wichtigsten ist, man hat Spaß am Zeichnen oder Entwerfen. Das kann KI nicht. KI kann sich nicht mit einem Kunden hinsetzen und mit ihm reden, und der Kunde kann nicht sehen, wie dein Gesicht strahlt, wenn du ihm eine Idee erzählst, um ihm das Beste von dir zu geben. Trotzdem habe ich mit KI experimentiert, um zu sehen, wie sie mir in meinem kreativen Arbeitsablauf helfen kann, und auch um zu sehen, wie ich mit meinen Illustrationen eigene Animationen erstellen kann. Wie ich bereits sagte, glaube ich, dass sie als Werkzeug eingesetzt sinnvoll werden kann.

Was bringt dir deine Kunst emotional?
Für mich ist sie meine Lebensweise, mein Zufluchtsort und meine Art zu reisen. Sie ist alles. Ich wüsste nicht, was ich ohne mein Schaffen tun sollte: Ich bin jeden Tag zu 100% kreativ.

Wo findet man dich online?
Meine Websites sind ziemlich veraltet. Ich habe nanobarbero.es und nanobarbero.net, aber ich nutze sie nicht und werde nur eine Landingpage stehen lassen. Am besten folgt ihr mir in den sozialen Netzwerken, ich bin überall als nanobarbero zu finden.

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