PUNK LUREX

Foto© by Jukka Nakari

Zeit zu Handeln

PUNK LUREX, die bis 2008 noch PUNK LUREX O.K. hießen, kommen aus Tampere in Finnland und sind in den 1990er Jahren hierzulande vor allem durch ihre Alben, Singles und Samplerbeiträge auf dem Düsseldorfer Label Teenage Rebel Records bekannt geworden.

Auch eine gemeinsame EP mit TV Smith von THE ADVERTS unter dem Titel „The Future Used To Be Better“ reiht sich in die Diskografie des Quartetts ein. Zwölf Jahre nach der letzten Veröffentlichung erschien Ende November 2024 nun das neue Album „Uusi Suunta“, das in zwölf Songs mit dem typischen melodischen PUNK LUREX-Sound mit finnischen Texten aufwartet. Ich befragte Sängerin und Bassistin Tiina zum aktuellen Stand.

In unserem letzten Interview 2018 in Ox #141 klangst du noch eher zurückhaltend, was neue Aufnahmen von PUNK LUREX angeht. Ich war freudig überrascht, dass nach zwölf Jahren jetzt doch noch mal ein ganzes Album erschienen ist. Wie kam es dazu?
Das haben wir vor allem unserem neuen Gitarristen Markku alias Piise zu verdanken. Nachdem er vor ein paar Jahren eingestiegen ist, hat er eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Band wieder aktiver zu machen. Und die neue LP ist ein Resultat davon. Piise hat unseren früheren Gitarristen Pasi ersetzt und vorher schon in vielen anderen Bands gespielt, zum Beispiel bei der legendären 1982er Hardcore-Punk-Band RIISTETYT. Andere frühere Bands von ihm sind CADGERS, CNT oder LIHASADE. In den frühen 2000ern hat er bei uns auch schon mal Schlagzeug gespielt. Er ist auf unserem Album „Aika Vapaa“ zu hören. Er spielt auch Blasinstrumente in der Ska-Band DONNA AND THE DYNAMITERS mit unserem anderen Gitarristen Kukka. Piise ist musikalisch sehr vielseitig und talentiert.

Wie oft probt ihr und wie sind die neuen Songs entstanden?
Wir proben normalerweise ein paar mal vor Konzerten und vor Aufnahmen. Und manchmal zwischendurch, wenn jemand von uns neue Songs geschrieben hat. Also nicht so oft, haha. Unser Proberaum ist in Tampere in einem alten Schlachthaus. Das liegt ein paar Kilometer außerhalb des Zentrums von Tampere im Stadtviertel Nekala. Die Songs schreiben unsere beiden Gitarristen Kukka und Piise und ich. Früher kamen die meisten Titel von mir, aber für das neue Album hat auch Piise viele Sachen beigesteuert. Normalerweise bereiten wir unsere Songs erst mal getrennt voneinander vor und bringen sie weitgehend fertig mit zur Probe. Aber es gibt auch gemeinsame Songs.

Wie viele Konzerte spielt ihr übers Jahr? In Deutschland wart ihr ja leider schon länger nicht mehr, soweit ich mitbekommen habe.
In den letzten Jahren haben wir generell nicht viele Konzerte gespielt, aber jetzt nach der Veröffentlichung der neuen LP hat sich das natürlich geändert. Wir spielen etwa einmal im Monat, meistens in den größeren Städten Finnlands, also Tampere, Turku und Helsinki, aber wir könnten noch öfter. Letzten Februar waren wir auch mal wieder bei euch in Deutschland, in München, worüber wir uns sehr gefreut haben.

Du engagierst dich politisch in der grünen Partei Vihreä liitto in Finnland. Was machst du da genau? Mit welchen Themen befasst du dich?
Ich bin Stadträtin in meiner Heimatstadt Lempäälä und Stadträtin für Wohlfahrtsdienste im Landkreis Pirkanmaa in der Region Tampere. Meine politischen Schwerpunkte sind Umwelt- und Tierschutz sowie die Unterstützung hilfsbedürftiger, älterer und behinderter Personen, misshandelter Kinder oder Menschen, die an mentalen oder anderen langfristigen Erkrankungen leiden. Auch ein gutes Bildungssystem und eine entschiedene Gewaltprävention sind mir wichtig.

In Deutschland haben die Grünen durch die von ihnen geforderten Klimaschutzmaßnahmen bei manchen das Image einer Verbotspartei. Wie ist das in Finnland?
Einige Leute hier sehen das auch so. In Finnland gibt es beispielsweise starke Meinungsverschiedenheiten zwischen den Grünen und der Partei Die Finnen bezüglich Umweltschutz und Tierrechten. Die Leute tendieren auch dazu, die Grünen als „Städter-Partei“ zu sehen. Menschen, die auf dem Land leben oder in der Landwirtschaft arbeiten, sind oft verärgert über grüne Forderungen nach einer Verbesserung der Lebensverhältnisse für Nutztiere, einem Ende der Pelztierzucht oder einer Einschränkung der Nutzung von fossilen Brennstoffen.

Und wie ist die politische Stimmung in Finnland generell? Ist dort auch ein Trend nach rechts spürbar wie in vielen anderen Ländern?
Diese Entwicklung gibt es leider auch in Finnland. Wir haben eine konservativ-bürgerliche Regierung, die aus der Nationalen Sammlungspartei, den Finnen, der Schwedischen Volkspartei und den Christdemokraten besteht. Die Regierung verfolgt eine rechte Wirtschaftspolitik, indem sie unter anderem Sozialleistungen gekürzt, politische Streiks eingeschränkt und die Einwanderungsregelungen verschärft hat.

Weil die meisten Ox-Leser:innen kein Finnisch können, kannst du uns erklären, worum es in euren Texten geht?
„Tuulispää“ ist dem gleichnamigen Tierschutzzentrum in Somero in Südfinnland gewidmet, das sich um misshandelte und ausgesetzte Tiere kümmert. In „Vastuu“, auf Deutsch „Verantwortung“, geht es um das Schmelzen der Polkappen, das Ansteigen des Meeresspiegels und die Zerstörung der Korallenriffs. Darum, dass nicht mehr gewartet werden kann und wir Verantwortung für unser Handeln übernehmen müssen. „Uppoo laiva“, also „Das sinkende Schiff“, befasst sich mit sozialer Ungleichheit. Arme werden ärmer, Reiche werden reicher. Wenn du schwach, krank oder anderweitig verletzlich bist und nicht alleine klarkommst, wirst du über Bord geworfen. Damit sind wir nicht einverstanden und suchen nach neuen Wegen.

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