PUNK-TRADITIONEN - TEIL 37

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Pogo

Es war wohl der NDW-Hit „Pogo in Togo“ von UNITED BALLS aus dem Jahr 1981, bei dem ich erstmals den Begriff „Pogo“ hörte.
Was das freilich sein sollte und ob da irgendein Bezug zu dem afrikanischen Staat vorhanden war jenseits des perfekten Reims, erschloss sich mir mit 13 nicht. Ich war auch mit dem Begriff „Pogo Stick“ nicht vertraut, obwohl ein Nachbarsjunge, dessen Familie kurz zuvor aus den USA zurückgekehrt war, wo der Vater ein paar Jahre gearbeitet hatte, so einen Hüpfstab besaß. In den 1970ern waren diese Dinger in den USA sehr beliebt, quasi eine Stelze mit zwei Fußrasten und einer Feder am unteren Ende, mit der man dann herumhüpfen konnte. Up and down, immer wieder, auf die Fresse, aufstehen, weiterhüpfen ... Pogo! Aber ... tatsächlich kommt der Pogostab, dessen Vorläufer Ende des 19. Jahrhunderts in den USA erfunden wurde ... aus Deutschland! Die Herren Max Pohlig und Ernst Gottschall aus Hannover ließen sich 1920 so eine „Hüpfstelze“ patentieren, und nimmt man die ersten beiden Buchstaben des Nachnamens ... kommt PoGo dabei heraus! Hannover also mal wieder, nicht nur die Stadt der Chaostage, sondern auch die Geburtsstadt des Pogo.Wer auch immer das Rumgehüpfe auf Punk-Konzerten dann erstmals als Pogo-Tanzen bezeichnete ... keine Ahnung. Es ist jedenfalls das Gegenstück zum eher kämpferischen, aggressiven Rempeltanzen aka „Slamdancing“, wobei der Übergang zwischen den beiden Bewegungsarten fließend sein dürfte. Beim begeisterten, emotionalisierten Herumhüpfen auf der Stelle jedenfalls bleiben meist alle unverletzt. An mein erstes wildes Pogen erinnere ich mich noch deutlich: ein NORMAHL-Konzert in Aalen, wo aus dem Hüpfen schnell ein Schleudern wurde, ein wildes wechselseitiges Herumwerfen mit dem allseits geschätzten Reinwummsen in die Umherstehenden. Damals lernte ich auch sehr schnell, was sozial inadäquates Verhalten ist: nämlich dummes Rumschubsen und -rempeln vor der Bühne mit dem Ziel, möglichst viele Leute drumherum zu treffen und die dann auch noch für ihr vermeintlich spaßbremsiges Rumstehen zu verachten.Nein, guter Pogo ist ein gemeinsames, rücksichtsvolles Herumhüpfen, ein Ausdruck purer Lebensfreude, der sich, würde man sich dem Thema wissenschaftlich nähern (das hat doch sicher schon jemand getan, oder?) in zig Kulturen finden lässt, wo Rituale oft von solchen vom Alltag losgelösten Mini-Exzessen begleitet werden. Mein schönstes Pogo-Erlebnis? Der Altpunk mit knapp 70 beim Rebellion Festival, der im Look eines typisch britischen Rentners eine halbe Stunde lang ausdauerndst wie ein Flummi herumhüpfte. Ich würde das keine fünf Minuten mehr durchhalten. Aber wie wär’s, erfinden wir eine neue Trendsportart? Gründen wir den SV Pogo mit gemeinsamen Konzertausfahrten und internationalen Wettkämpfen ...?

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