RIVERS OF NIHIL

Foto© by Mike Truehart

Runderneuert

Mit neuem Hauptsänger und neuem Gitarristen an Bord hat die Band aus Pennsylvania nun ihr selbstbetiteltes, fünftes Album veröffentlicht. Wir sprechen mit Neueinsteiger Andy Thomas über seine Rolle in der Band und beim Songwriting.

Du warst ja bereits bei BLACK CROWN ­INITIATE für den Klargesang zuständig. Auch auf dem kommenden RIVERS OF NIHIL-Album ist dieses Element sehr präsent. War von Anfang an klar, dass du eine so prominente Rolle einnehmen würdest?

Ich denke schon. Also, ich mache ein paar Dinge ziemlich gut. Ich bin kein besonders vielseitiger Musiker, glaube ich, aber eine Sache, die ich ziemlich gut kann, ist singen. Es gab eigentlich keine Diskussion darüber, als ich bei RIVERS OF NIHIL eingestiegen bin, dass sich die Musik mit mir so entwickeln würde, also in Bezug auf meinen Gesang. Wir wussten alle irgendwie, dass es so kommen würde. Wir sind im Grunde einfach ins Studio gegangen. Es klingt vielleicht klischeehaft und hippiemäßig, aber ein Song sagt dir, was er braucht, wenn du ihm zuhörst. Es gab keine Diskussion. Oft war es so, dass Brody Uttley mit unserem Produzenten Carson Slovak an Gitarren- oder Gesangsparts gearbeitet hat, während Grant und ich im anderen Raum mit dem Gesang beschäftigt waren. Brody kam dann am Ende des Tages rüber, hörte sich alles an und sagte: „Wow, das ist cool!“ Aber unser Bassist und anderer Sänger Adam Biggs ist derjenige, der alle Texte schreibt, hat auch Ideen zur Platzierung des Gesangs, und dann müssen wir herausfinden, was wohin kommt, wer was singt. Und es gab nie viel Diskussion – Biggs sagte einfach: „Andy, du singst diesen Part“, und ich habe das dann gemacht. Wir haben herausgefunden, wie es geht, und ich hab’s gesungen. Gar kein Problem. Ich glaube, bei RIVERS OF NIHIL war es schon immer so und auch von meinen Bands kenne ich es nicht anders. Es läuft einfach so, wie es laufen muss.

Meiner Meinung nach ist das Saxofon auf dem neuen Album besser integriert. Bislang wirkte es manchmal eher wie eine Erweiterung eines anderen Instruments – es spielte etwa den zweiten Teil eines Gitarrensolos –, aber manchmal war es einfach nicht notwendig.
Da stimme ich zu, ja. Es fühlt sich diesmal nicht so an, als würde das Saxofon über dem Song liegen, sondern als wäre es Teil davon. Und Patti Corona hat da einen wirklich tollen Job gemacht. Ich habe das schon vorher gewusst. Patti ist ein sehr ruhiger, sanfter, freundlicher Mensch, und so spielt er auch. Es gab Teile des Albums, bei denen wir gar nicht wussten, dass er hier Saxofon spielen würde. Zum Beispiel am Ende von „Despair church“ gibt es dieses Interlude mit Klavier, Streichern und Saxofon – er hat das einfach da reingesetzt. Und wir haben es gehört und gesagt: Heilige Scheiße, das ist wunderschön. Und das ist jetzt mein Lieblings-Saxofon-Part auf dem Album. Aber ja, er war sehr gewissenhaft: Wie mache ich das, wie rechtfertige ich, dass es da ist? Ein gutes Beispiel dafür ist „Water and time“. Das Saxofon-Solo zitiert hier viele der Gesangsmelodien aus dem Song. Und es gehört einfach dahin. Sein Spielstil zieht sich durch das ganze Album. Ich bin sehr glücklich damit. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich vor diesem Album kein großer Saxofon-Fan war. Aber wenn das Saxofon auf diesem Album fehlen würde, würde ich es vermissen. Also ja, großes Kompliment an Patti für das, was er gemacht hat. Es ist spektakulär.

Was ich am Album ebenfalls sehr mag, sind die verspielten und detailreichen Arrangements. Warst du als neues Mitglied direkt in das Songwriting eingebunden? Was war dein Beitrag?
Ich war direkt sehr in das Schreiben der Musik involviert. Zum Beispiel der erste Song, den wir für das Album geschrieben haben, war „The sub-orbital blues“. Das war auch der erste Song, den wir dann veröffentlicht haben. Dieses Riff hatte ich schon länger herumliegen. Wir waren in Nashville, haben mit THE CONTORTIONIST gespielt, und ich habe Brody das Riff gezeigt – er hat ein Video gemacht. Dann sind wir nach Hause gegangen, er hat wieder ein Video gemacht und angefangen, den Song zusammenzusetzen, und wir haben dann so hin und her gearbeitet. Mehrere Songs auf dem Album sind so entstanden. Bei „House of light“ war es so, bei „Despair church“ auch. Und man hört das Ergebnis zum Beispiel auch bei „Criminals“. Also ja, ich war definitiv beteiligt. Aber Brody ist ein so produktiver Songwriter, dass es auf dem Album auch einige Tracks gibt, die er komplett allein geschrieben hat. So ist er einfach. Er hatte „American death“ in etwa zwei Stunden fertig. Ich hingegen war immer eher ein kollaborativer Songwriter. Ich mag es, meine Ideen mit jemandem abzugleichen – und das ist jetzt Brody.

Ihr habt jetzt ein selbstbetiteltes Album veröffentlicht, auf dem auch ein selbstbetitelter Song ist. Warum?
Nun, das hat mehrere Gründen. Erstens ist das Vier-Jahreszeiten-Konzept nun nach vier Alben abgeschlossen. Es stand also ohnehin eine Neuausrichtung an. Und mit der Stärke der neuen Besetzung war es irgendwie unausweichlich, dass wir ein selbstbetiteltes Album machen würden. Wir haben uns auch vom „Black Album“ von METALLICA inspirieren lassen – auch selbstbetitelt, auch Nummer fünf, wie bei uns. Was den Song betrifft: Die Lyrics sind einfach wunderschön. Biggs hat großartige Arbeit geleistet. Aber der Song ist auch eine Warnung, das ist der zentrale Punkt von allem. Die „Rivers of Nihil“ sind eine Falle, der man aus dem Weg gehen sollte. Wenn du die Lyrics zu diesem Song liest, ergibt es irgendwie Sinn, dass er selbstbetitelt ist, dass das Album selbstbetitelt ist und was es bedeutet.

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