SCHMUTZKI

Foto© by Lukas Held

Stichwort: Rausch

Mit „Rausch Against The Machine“ haben die Stuttgarter eine neue Platte am Start, ganz DIY auf dem eigenen Label veröffentlicht. Wir nahmen das zum Anlass, Beat Schmutz ein paar Stichworte hinzuwerfen und ihn zu bitten, basierend darauf ein paar Gedanken zu formulieren.

„Rausch Against The Machine“: Geht es da um Saufen gegen den Staat?

Haha, nee. Wird sind ja nicht MÜLHEIM ASOZIAL. Dany hatte den Titel im Kopf und wir haben den von der ersten Minute an abgefeiert. Die Platte ist etwas anders geworden als viele unserer früheren. Wir blödeln etwas weniger rum und haben versucht, trotz allem nicht den Polit-Punk-Zeigefinger zu heben, sondern wie immer unsere Themen und Texte mit etwas Zynismus und einem Hauch Ironie zu versehen. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Die Corona-Jahre waren für alle Musiker so wie für die Gesellschaft beklemmend. In der Zeit haben wir ja unser „Bodensee Calling“-Album aufgenommen, in dem wir uns sowohl musikalisch als auch inhaltlich etwas weiter aus dem Fenster gelehnt haben. Jetzt haben wir hier mit der „Rausch ...“-Platte wieder den Weg zurück zum klassischen Punk gesucht. Am Ende ist vielleicht der Rausch das Bindemittel unserer Gesellschaft. Egal, ob Konsum, Alkohol, Drogen, Adrenalinrausch oder sonst was. Die Kombination mit dem Rage-Titel fanden wir da zu 100% stimmig. Der Rausch an sich kann auch helfen, aus dem starren Korsett unserer Handlungsmuster auszubrechen, was am Ende ja auch zu einer Veränderung führen kann oder einem zumindest neue Perspektiven ermöglicht.

WIZO: Ihr habt ein Feature mit Axel. Wie habt ihr euch kennengelernt, was verbindet euch?
Wir waren schon mit WIZO auf Tour und Axel ist mit uns befreundet. Dany trifft sich auch privat hin und wieder mit ihm und an sich ist es naheliegend, dass sich die Stuttgarter Punk-Szene ein wenig gegenseitig supportet. Wir haben schon ein paar Anläufe genommen und sind jetzt super happy mit dem Ergebnis. Wir finden auch, dass der Song zu 1000% zu ihm und uns passt! Das Beste aus zwei Welten, könnte man sagen. Abgesehen davon finden wir es spannend, wie Axel WIZO am Leben hält. So eine Karriere würde sich doch jeder wünschen, der deutschsprachigen Punk macht. Eigenständig und voll auf DIY zu sein und eine große Relevanz bis heute für die Szene zu haben, hat wohl kaum ein anderer über so einen langen Zeitraum geschafft. Cool, dass er dabei ist! Und genauso freut es uns, dass Panzer von ITCHY mit uns ein Feature gemacht hat. Wir teilen seit Jahren die gleichen Bühnen auf Festivals und sind im ständigen Austausch. Da hat es einfach Sinn gemacht, ihn mal zu fragen.

Ein Song heißt „Schmutzgart“: Damit wird man nicht Pop-Botschafter der Schwabenmetropole, oder?
Wir haben ja schon mehrfach in unseren Texten betont, wie zwiegespalten wir zu dieser Stadt stehen. Einerseits ist das die Stadt, in der wir die Band gegründet haben und zu zwei Dritteln leben. Aber andererseits bewegt sich kulturell in unserem Bereich fast nichts. In den letzten 15 Jahren haben fast alle Live-Clubs zugemacht und da ist nicht mehr viel übrig. Wenn man sieht, wie in Hamburg um das Molotow gekämpft wird, man da Lösungen sucht, und in Stuttgart alles mehr oder weniger stillschweigend hingenommen wird, dann ist das schon eine Ansage! Auch deshalb haben wir den Molotow-Song geschrieben. Da ist schon auch Wut und Verzweiflung mit dabei! Vielleicht könnte man von Hassliebe sprechen. Das trifft es, denke ich, ganz gut.

DIY: Warum macht man als Band alles selber ...? Und wer macht was?
Das hat sich so ergeben. Nachdem wir keine Plattenfirma mehr hatten und auch der Manager weg war, haben wir uns hingesetzt und gesagt: Egal, komm, dann machen wir es selber – und vieles daran ist positiv. Natürlich nerven manchmal Dinge, aber am Ende können wir drei immer demokratisch abstimmen, wohin die Reise gehen soll, und dann machen wir das so. Mit KKT als Booking-Agentur und Cargo als Vertrieb unseres Labels haben wir ja auch starke Partner mit an Bord. Außerdem leisten wir uns seit zwei Jahren einen Manager, der uns nervige kleinere Aufgaben vom Schreibtisch nimmt. Im Großen und Ganzen versuchen wir einfach, Dinge schnell und unkompliziert wegzuarbeiten. Die Arbeitsteilung ist an sich so, dass Dany das meiste im künstlerischen Bereich macht, Flo kümmert sich um Social Media und Marketing und ich um den Shop, bürokratische Themen, Reisen und Shows. Außerdem um die Kommunikation zu KKT. Alan, unser Manager, betreut das Label BÄM Records und die externen Partner wie Wulle, Cordial Kabel, unser Street Team etc.

„Mannomann“: Ganz schön „Dad-Sprech“, dieser Ausdruck. Mit welchen anderen Ausdrücken entlarvt ihr euch bei der Gen Z als Ü30er?
Oh Mann! Wir erfinden das Rad nicht neu und müssen, glaube ich, auch nicht auf jeder Welle mitreiten. Wir stehen mit 40 Jahre alten Amps auf der Bühne und machen Musik, die es so ähnlich schon in den 1980ern gab. Außerdem beantworten wir gerade Fragen für ein Printmagazin. Also wenn irgendwas oldschool ist, dann ja wohl das. Ganz ehrlich, so ein Song entsteht ja durch einen Zufall, einen kurzen Impuls. Der Ausdruck „Mannomann“ hat sich eben richtig angefühlt und angehört, und wir empfinden das auch nicht als altbacken. Ich glaube, dass es eher umgekehrt ist. Wenn wir jetzt Begriffe wie „random“ in unsere Songs packen würden, würde sich das eher falsch anfühlen, und viele Wörter kommen ja auch irgendwann zurück, wie zum Beispiel „Lauch“. Das gab es in unserer Jugend auch schon und jetzt ist es gerade wieder in. Also was soll’s. Wir machen, was wir können, und das, was sich für uns richtig und gut anfühlt. Aber es stimmt ja auch, wir sind alle Ende 30 und keine 18 Jahre mehr. Das können wir nicht ändern, auch wenn sich das für uns anders anfühlt.

„Mein Leben rauscht“: Habt ihr Tinnitus? Habt ihr In-Ear-Monitoring? Oder bloß kein Dolby am Tapedeck?
Wir glauben, dass der Rausch einen immer wieder einholt. Das Leben ist eine Art Katerfrühstück. Sobald man es übertreibt und sich seinem eigenen Rausch hingibt, muss man wieder was ausbaden. Egal, wie oft man denkt: „Boah, so eine Nacht, nie wieder!“ Es holt einen ein und irgendwann wirft man seine Vorsätze über den Haufen und übertreibt es. Egal, ob du das an einem Abend mit Alk machst oder im Fitnessstudio. Der Gong kommt, unausweichlich. Am Ende treibt man eben durch das Leben und ist den Zufällen darin ausgesetzt. Gut hören werden wir mit 70 aber wohl nicht mehr.

Konstanz ...
Da kommen wir her. Wir sind Kinder vom See. Hör mal unseren Song „Kind vom See“ von der „Bodensee Calling“-Platte, dann weißt du, wie das war. Aber später wollten wir weg und sind in Stuttgart gelandet. Konstanz ist schön, aber auch langweilig gewesen vor 15 Jahren. Einen Teil des Lebens in der Provinz haben wir auf „Bodensee Calling“ beschrieben. Aber wie auch Stuttgart ist Konstanz natürlich eine Konstante in unserem Leben. Wir haben dort Familie, Flo arbeitet dort und wir gehen auch gern dahin zurück. Zumindest für einen kurzen Trip!

„Positive brutality“ ...
Das ist ja seit Jahren einer unserer Leitsätze. Auch das kann vieles sein. Ein Moshpit kann wehtun, setzt aber super viel positive Energie frei. Das sehen wir bei all unseren Konzerten, da geht es so „brutal“ ab und diese Energie wollen wir bündeln und in etwas Positives umleiten. Gerade bei den Konzerten springt da der Funke oft über. Wir müssen der Verbitterung und Verrohung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen, und bei uns ist es ein gewisses Übermaß an Positivität. Kann wehtun, aber für uns ist das der Weg, den wir seit Jahren gehen. Wir überschütten die Leute von der Bühne aus mit Liebe! Vielleicht hilft das ja. Wer weiß!

Streaming ...
Damit kennen wir uns nicht aus. Du meintest ja eben, dass wir alte Säcke sind und bei der Jugend nicht ankommen, haha. Ich glaube, dass wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen können. Streaming ist, was es ist, Fluch und Segen zugleich. Geil, man kann sich als 18-Jähriger sofort das gesamte Werk von LED ZEPPELIN reinziehen. Blöd nur, dass man als Musiker an der Stelle kein Geld verdient. Aber was soll’s. Das ist nicht der Grund, warum es SCHMUTZKI noch gibt. Wir machen das, weil wir sehen, dass viele Leute zu den Shows kommen und danach glücklich nach Hause gehen, nachdem sie am Merchstand noch ein Bier mit uns getrunken haben. Am Ende ist es für die Konzertgänger und für uns wie eine Art Kurzurlaub. Man lässt seine Sorgen vor dem Club und lädt die Batterien mit positiver Energie auf, dann fällt man abends nach dem SCHMUTZKI-Konzert glücklich und erschöpft ins Bett. Das ist unser Antrieb.

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