SEBADOH

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Ein Lichtblick inmitten der Popkomm.

Das Motto der diesjährigen Popkomm. hätte auch lauten können: Eine Mutter frisst ihre Kinder. Denn dieser entartete und aus den Fugen geratene Bastard, dessen Atmosphäre eher einer Fabrikhalle mit dem dazugehörigen ohrenbetäubenden Lärm glich, ließ jedes Gefühl mütterlicher Geborgenheit vermissen. Statt einem vom Aussterben bedrohten Kulturgut einen relativ abgeschlossenen Schutzraum zu gewähren wurde die Popkomm. zum Medienspektakel verbraten und jeder prostituierte sich so gut, wie er konnte. Schon im Vorfeld gab es kaum eine Regionalzeitung, die nicht von der Popkomm. als der „mittlerweile größten Musikmesse der Welt“ zu berichten wusste. Dazu kam die Hofberichterstattung durch den neuen Musikkanal Viva, den Popkomm.-Vater Dieter Gory mit anfänglichen Kinderkrankheiten vor einiger Zeit ins Leben rief
und der einem nach der Messe noch einmal ein geschöntes Medienbild der harten Realität vorführte, die dadurch völlig neue Erlebnisqualitäten entwickelte.

Erweckte die Popkomm. vor zwei Jahren noch einen fast intimen Eindruck, ist sie in diesem Jahr endgültig zu einer „richtigen" Messe mutiert und damit in erster Linie zu einem Forum der Interessen großer Plattenfirmen geworden. Doch selbst die Indies, als die letzten Vertreter von so etwas ähnlichem wie Gegenkultur gebärdeten sich diesmal, besonders bei der voll durchgestylten Ausstaffierung ihrer Messestände, als ob sie in erster Linie Innenausstattungswettbewerbe gewinnen wollten. Bei der Popkomm. 94 stand die äußere Form überall deutlich über den Inhalten. Indiz dafür war z.B. auch die Überlegung von Superpfeifen wie dem Chefredakteur des WOM-Journals, ob er nicht mit seinem billigen Werbeheftchen an den Kiosk gehen sollte. Deutlicher ließ es sich kaum noch ausdrücken, dass Tonträger nur noch Objekte der Begierde unterschiedlicher Marketingstrategien sind. Mit Kultur hatte das alles nicht mehr viel zu tun, stattdessen waren die beiden Schlagworte der Messe „Markt" und „Kommunikation“. Reden tat man
miteinander, aber nur um seinen Kram irgendwie an den Mann oder die Frau zu bringen. Der Fanzinestand erschien einem da wie der einsame Fels in der Brandung, der von den meisten „wichtigen" Leuten auch ohne Schiffbruch zu erleiden, sicher umrundet wurde.

Um so verwunderlicher kam es einem abseits dieses Trubels vor, Interviews mit zwei Bands zu führen, die so gar nicht in dieses lieblose Vermarktungskonzept passen wollten, und auch sichtlich genervt waren, ständig wechselnden Interviewpartnern Rede und Antwort zu stehen. Der Einfluss der Popkomm. ließ sich selbst hier nicht eliminieren, da SEBADOH und ELEVENTH DREAM DAY Teil des City Slang-Pakets am gleichen Abend im Luxor waren, womit sich das Berliner Label im Rahmen der Messe präsentierte.

Persönlich verkörpern beide Bands den klassischen Typ der gezielt gelebten Independent-Haltung, was größere Erfolge bisher ungerechtfertigterweise ausschloss, da man seinen musikalischen Kreativitäts- und Selbstverwirklichungsdrang nicht irgendwelchen künstlich erzeugten Erwartungshaltungen, sowohl durch Publikum als auch Plattenfirma, beugen wollte. Insofern standen auch beide bisher unter einem ähnlich schlechten Stern. Während sich ELEVENTH DREAM DAY im Moment noch von den Folgen ihres sich über die Platten erstreckenden, eher unbefriedigenden Major-Deals erholen, beginnen sich SEBADOH erst langsam aus dem langen Schatten des großen Bruders DINOSAUR JR. zu lösen. Lou Barlow war der nicht ganz so wichtige Typ neben J. Mascis, aber seit der letzten, schlappen DINOSAUR-Platte gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass Herr Mascis über ein drittklassige Neil Young-Kopie nicht mehr hinauskommt. SEBADOH dagegen entwickeln inzwischen sich stetig erweiternde, frische Identifikationsangebote. Die Band rückte auch bei mir erst richtig mit ihrer zweiten, von CITY SLANG in Deutschland veröfftentlichten, Platte „Bubble & Scrape" ins Bewusstsein, da sie von dem fragmentarischen Charakter der
Frühwerke etwas abrückte und SEBADOH somit als homogen klingende Band akzeptierbar wurden.

Bei „Bakesale" findet diese Homogenisierung ihre konsequente Erweiterung, wobei sie dadurch auch Gefahr laufen, in nächster Zeit das etwas abwertende Etikett „College-Rock" aufgedrückt zu bekommen. Die Lebensgeschichte beider Bands soll hier nicht weiter ans Licht gezerrt werden und anderen Magazinen überlassen werden, denn sie spielt meiner Meinung nach kaum eine Rolle für die Musik, bei der einfach der manchmal vielleicht etwas farblose, korrekte Rocksong im Vordergrund steht, der nach einem gesunden Ausgleich zwischen Lärm und Harmonie sucht, wie es bei Urmitglied und Bassist Douglas McCombs im Gespräch treffender ausgedrückt hat: „Tension and release!"

Jason Loewenstein:
Von welchem Magazin seid ihr?

Vom Ox. O-X.
Jason:
So ähnlich wie diese Tiere, die Äcker umpflügen?

Nein, eine Bekannte von mir hatte eine Katze, die so hieß, aber das ist eine andere Geschichte. Wie lange gibt es SEBADOH denn eigentlich schon?
Jason:
Ungefähr seit zehn Jahren!
Lou Barlow: Das würde ich nicht sagen. Wir sind schon seit 12 Jahren zusammen.

Was nun? 10 oder 12 Jahre?
Bob Fay:
15 Jahre.
Jason: Eigentlich sind es sechs Jahre. Denn zuerst waren wir eine Reggae-Band, die ausschließlich Bob Marleysongs gespielt hat.
Lou: Ja, wir nannten uns anfangs auch STRICTLY MARLEY.

Und dann habt ihr euch in SEBADOH umbenannt?
Bob:
Danach hießen wir erst SIKIGILY ZAPPAT
Lou: Nein, nein, danach nannten wir une STRICTLY SATRIANI. Wir spielten danach nurnoch Joe Satriani-Songs.
Jason: Dadurch lernten wir besser zu spielen. Satriani geht sehr geschickt mit seinem Instrument um. Und davor haben wir ziemlichen Respekt. Seitdem können wir auch alle so gut spielen wie Joe Satriani. Man bemerkt bei uns noch heute seinen Eintluß.

Aha. Und wie alt seid ihr?
Jason:
Zusammen sind wir 25.
Bob: Lou ist 23.
Jason: Ich bin 35 und Bob ist 75.
Lou: Ich bin 50.

Habt ihr irgendwas geraucht oder sind das die grünen Nudeln?
Jason:
Du willst uns doch wohl nicht als Drogen-Konsumenten bezeichnen?
Lou: Vor SEBADOH hatten wir übrigens noch eine Hardcore-Band. die JUST SAY NO hieß. Damals waren wir total straight edge.
Jason: Wenn du genau hinschaust, kannst du noch das X erkennen, das ich mir damals mit einer Glasscherbe in die Hand geritzt habe.

Jaja, die gute alte Zeit des Boston-Hardcore.
Lou:
Eigentlich war es New Haven/Conneticut.

Kommt ihr etwa alle aus New Haven?
Lou:
Nein, wir kommen aus Gegend um Springfield/Massachusetts. Bob jedoch kommt aus Maine.

SEBADOH werden immer als Bostoner Band bezeichnet.
Lou:
Irgendwie kommen wir ja auch daher.
Jason: Boston liegt fast in der Nähe von Springfield.

Das ist aber alles ziemlich verwirrend.
Lou:
Für uns weniger. Okay, okay, wir gestehen, wir sind doch aus Boston. Bob und ich leben in Boston und Jason in Kentucky. Wir treffen uns, wenn wir Platten aufnehmen oder Auftritte haben.

Ist SEBADOH in erster Linie Lou Barlows Band?
Jason:
SEBADOH ist J. Mascis Band.
Bob: Durch ihn gibt es SEBADOH überhaupt erst, da er Lou rausschmiss. Lou: Alles begann mit J., wegen ihm traf ich erst Eric (Gaffney) und gründete mit ihm SEBADOH, später kam Jason dazu. Dann verließ Eric die Band - wie er es alle zwei Wochen tat Bob kam zurück in die Band zum fünften Mal hintereinander. Das ist SEBADOH.

Was ist eigentlich an dem Gerede über J. Mascis dran? Jeder hält ihn wohl für ein ziemliches Arschloch.
Lou:
J. ist Geschäftsmann und liebt es, Golf zu spielen. Er hat einfach besseres zu tun, als sich um dieses Gerede zu kümmern.
Bob: Was ihn viel mehr quält, ist, wenn er Musik machen muss. Er würde es gerne aufgeben, aber das kann er aus finanziellen Gründen nicht. Hör dir doch die letzten DINOSAUR-Platten an. Die klingen, als ob er seine eigenen Songs nicht leiden könnte. Lou: Der arme Junge hasst ganz einfach Musik. Was ist ein Musiker wert, der das, was er am meisten tut, hasst? Das hat er mir sogar selber gesagt. Das waren seine exakten Worte: Er hasst Musik! Er hasst mich und dich. Alle, die etwas mit Musik zu tun haben.

Wenn J. Mascis ein perfekter Geschäftsmann ist, seid ihr dann weltfremde Idealisten?
Lou:
Ich bin dagegen ein ziemlich schlechter Geschäftsmann. Ich habe keine Ahnung, wie ich meine Platten am besten verkaufen kann.

Wie populär seid ihr überhaupt? Kaufen nicht dieselben Leute, die DINOSAUR-Platten kaufen, auch SEBADOH-Platten? Ich meine, wegen der ähnlichen Einflüsse?
Lou:
Wer DINOSAUR mag, hört mittlerweile auch SOUL ASYLUM. Und SOUL ASYLUM und SEBADOH haben überhaupt nichts gemeinsam. Wir würden auch nicht wie DINOSAUR klingen wollen, nur um dadurch eventuell mehr Platten zu verkaufen.
Bob: Hör dir doch die neue DINOSAUR an, das hat keine Ähnlichkeit mit SEBADOH.

Ich habe sie gehört, und sie scheint nur aus Gitarrensoli zu bestehen.
Lou:
Aber das genau macht doch DINOSAUR aus, und das war auch schon immer so.
Jason: Dabei ist dieser Gitarrensolo-Bullshit doch noch das beste an alten DINOSAUR-Platten.
Lou: Es ist das Beste und gleichzeitig auch das Schlechteste.

Nervt euch das nicht, ständig über DINOSAUR sprechen zu müssen und über euch erst an zweiter Stelle?
Lou:
Nein, es ist mir eigentlich ziemlich egal. Heute z.B. regnet es draußen. Okay, dann regnet es eben. Es ist ein Teil der Natur, den du akzeptieren musst. Dinge, die du nicht ändern kannst, lässt du eben so weiterlaufen. Außerdem ist DINOSAUR ein wichtiger Teil meines Lebens, und solange sich jemand mit mir darüber unterhalten will, werde ich auch darüber reden.
Bob: Die besten DINOSAUR-Platten waren doch die mit Lou in der Band. Warum sollte ihm das jetzt peinlich sein?
Jason: Es ist viel schlimmer, wenn jemand mit seiner Vergangenheit nicht umgehen kann. Lou hat die besten Jahre bei DINOSAUR genießen können, und dann verließ er die Band. Das ist die beste Position, die man haben kann. Deshalb würde er sich auch am liebsten 24 Stunden am Tag darüber unterhalten. Manchmal ruft er auch Leute an, um mit ihnen darüber zu sprechen…

Was für Leute, glaubt ihr, hören SEBADOH? Ich frage danach, weil das Ox an sich ein HardcoreFanzine ist und es oft Leute stört, wenn man über eher normale Rockbands wie euch schreibt.
Lou:
Wenn ich 15 Jahre alt wäre, würde ich SEBADOH auch für große Scheiße halten und sie mir nicht anhören. Das wäre mir viel zu langsam. Wenn du 15 bist, brauchst du eine Menge Energie. (Es folgt eine relativ authentische Imitation eines „typischen" Hardcore-Songs)
Stört euch der Begriff College-Rock? In Heften wie dem MRR werden Bands damit meistens deklassiert.
Lou:
MRR is a piece of shit. MRR ist für und von Leuten, die sich nicht verändern wollen. Sie halten krampfhaft an dieser nicht mehr existierenden Punkrockidee fest. Die Idee existiert natürlich noch irgendwie, aber das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Ebenso, wie MRR unterschiedliche Musikstile unterscheidet und dadurch spaltet. Musik ist für jeden, und deshalb kann sich auch jeder die Musik aussuchen, die er mag. Ich habe MRR bis zur zehnten Ausgabe gekauft, danach nicht mehr, weil es mich nur noch gelangweilt hat.

Könnt ihr euch denn mit dem Begriff „Losercore " identifizieren?
Lou:
Das hat eigentlich keine Bedeutung für SEBADOH, es ist nur der Titel einer meiner Songs. Wenn jemand das als Definition für uns verwendet, ist das seine Entscheidung, nicht unsere. „Losercore" hat nichts mit diesem Generation X-Ding zu tun, und auch nichts mit BECK.

Was macht ihr neben SEBADOH?
Lou:
Jason hat ein Projekt namens SPARCALEPSY, Bob eine Band namens THE UNCONVINCED und ich mache noch THE FOLK IMPLOSION.
Bob: SEBADOH nimmt im Moment durch das Erscheinen der Platte und die Tour ziemlich viel unserer Zeit in Anspruch. Wenn wir aber zu Hause sind und uns langweilen, finden wir immer jemanden, mit dem wir etwas zusammen rausbringen können. Es macht Spaß, viele unterschiedliche Platten zu machen zu können.

Und welche Musik hört ihr im Moment selber?
Lou:
DROP DEAD und SILVER APPLES, ein Duo, das nur aus Drums und Keyboards besteht.
Jason: Die HOLY MODAL ROUNDERS, ein Bluegrass-Duo aus den späten Sechzigern. Leute aus New York, die versuchten, so zu klingen, als kämen sie aus Kentucky.
Bob: Ich höre mir Stockhausen an. Er ist aus Deutschland und wirklich gut.

Was würdet ihr denn als eure musikalischen Einflüsse bezeichnen?
Bob:
„Das ist eine schwierige Frage. Man muss dabei immer Bands aufzählen, nach denen man eigentlich gar nicht klingt, nur um anzudeuten, dass man die Art mag, wie sie Songs schreiben. Du bist irgendwie von allem beeinflusst, was du hörst und magst.

Und was ist mit Einflüssen anderer Bands aus Boston?
Bob:
Die gibt es nicht. Das ist einfach eine Frage der Geographie. Ihr seid tausende Meilen weit weg von Boston. Ich würde auch nicht behaupten, dass alle deutschen Bands wie die SCORPIONS klingen. Aber so denken Journalisten und arbeiten Magazine. Sie versuchen alles irgendwie in Verbindung zu bringen.
Lou: Die meisten Bostoner Bands sind ursprünglich gar nicht aus Boston. Sie leben überhaupt nicht dort. Die LEMONHEADS z.B sind keine richtige Bostoner Band. DINOSAUR ist auch keine richtige Bostoner Band. Juliana Hatfield ist nicht aus Boston. Das sind alles Leute, die vielleicht dort aufgewachsen sind oder ein paar Jahre da gelebt haben, aber ich selbst habe sie noch nie dort gesehen.

Eure neue Platte ist in den Staaten bei Sub-Pop herausgekommen. Warum ist sie in Deutschland bei City Slang erschienen und nicht bei Sub-Pop Europe?
Lou:
Wir wollten gerne ein deutsches Label haben, mit Leuten zu denen du einen direkten und persönlichen Kontakt hast.

Habt ihr eine Erklärung, weshalb Bands wie BUFFALO TOM mittlerweile so groß sind und SEBADOH nach wie vor eine Insider-Band?
Bob:
Weil wir nicht wie sie neun Monate im Jahr touren. Sie machen nichts anderes, diese Jungs sind wirklich erbärmlich. Ihr Label sagt ihnen, wenn sie diese Tour machen, dann kriegen sie jenes dafür. Sie veröffentlichen seit '87 Platten und touren seitdem regelmäßig. Mittlerweile haben sie ihre eigenen Häuser und für die haben sie auch schwer geschuftet. In Amerika musst du tolle Videos aufnehmen und viel touren, um Erfolg zu haben. Schau dir die Entwicklung von R.E.M. oder HÜSKER DÜ an. Auf diese Dinge haben wir nie unsere Zeit verwendet. Erfolg in den Staaten hat nichts damit zu tun, wie viel credibility du besitzt. Das mag vielleicht in Deutschland eine Rolle spielen.

Habt ihr denn inzwischen Videos produziert?
Bob:
Ja, für „Skull" von der neuen Platte haben wir ein Video gemacht und hoffen, dass es demnächst bei „120 Minutes" läuft.

Ist MTV denn wichtig für eine Band wie SEBADOH?
Bob:
Generell natürlich nicht, aber eine alternative Sendung wie „120 Minutes" hat für den Independent-Bereich schon eine Bedeutung.

Man muss dabei aber auch berücksichtigen, dass die wenigsten bei dieser Sendung gespielten Bands noch wirklich Independent sind, in der Regel haben die alle schon einen Majorvertrag in der Tasche. Wirklich kleine Indie-Bands werden da äußerst selten gefördert.
Lou: Naja, aber bei MTV ist es das einzige, was einer Independent-Show nahekommt.
Bob: Ich würde sagen, daß 50% der Bands in der Sendung noch wirklich Independent sind. Und MTV ist ein gewaltiger Faktor in den Staaten. Die Sendung läuft zwar Sonntags um Mitternacht, was nicht unbedingt der beste Sendeplatz ist, aber dennoch sehen eine Menge Leute die Sendung. Es ist gute Publicity. Der Einfluss von Videos ist schon eine seltsame Angelegenheit.
Lou: Ich mache auch lieber eine Tour, als mich durch Videos präsentieren zu müssen. Nur deshalb sitze ich jetzt hier.

Hat sich bisher noch kein Majorlabel für SEBADOH interessiert?
Lou:
Nein. Es haben mich zwar einige Leute deswegen angerufen, aber keiner mochte uns so richtig.

Fändet ihr es denn positiv, bei einem Major unter Vertrag zu sein?
Lou:
Große Firmen wollen mehr Geld von dir. Sie verschwenden große Mengen an Geld und wollen, dass du hinterher dafür aufkommst. Am Ende hast du noch weniger übrig als bei einem Independent-Label.

Hat diese „Four track"-Philosophie noch eine Bedeutung für SEBADOH?
Lou:
Eigentlich sind nur meine Solo-Platten und SENTRIDOH so eingespielt worden. Seit der dritten SEBADOH-LP sind alle Platten in einem richtigen Studio aufgenommen worden.

Warum hast du die SENTRIDOH-Platte eigentlich aufgenommen? SEBADOH-Fans werden in der Regel davon etwas enttäuscht sein.
Lou:
Gibt es einen plausiblen Grund, warum ich sie nicht hätte aufnehmen sollen? Wenn sie jemand nicht gefällt, auch gut. Der verkauft sie dann an einen Plattenladen und jemand anders freut sich, dass er sie für die Hälfte des Geldes bekommt. Ich nehme Platten nicht auf, damit Leute sie mögen, sondern weil ich sie mag. Wenn die Leute das nicht verstehen, ist das deren Problem. Niemand kann alles mögen, was ich herausbringe. Du kannst einfach nicht jeden zufriedenstellen. Außerdem finde ich es gar nicht so schwer, beides zu mögen, schließlich mag ich es auch.

Und, wie lange wollt ihr euer Rock'n'Roller-Leben noch durchziehen? Wäre es nicht wunderschön, einen geruhsamen 8-Stunden-Tag zu haben?
Lou:
Ja, das würde bestimmt großen Spaß machen. Jobs suck. Warum soll ich einer geregelten Arbeit nachgehen, warum soll ich zum College gehen? Vergiss es. Es ist viel besser, in einer Band zu spielen, auf Tour zu gehen und gute Platten aufzunehmen - oder ein paar schlechte.

Aber irgendwann kommt doch der Punkt, wo man einfach seine Ruhe haben will, weil man von allem gefrustet ist.
Lou:
Den hast du bei einem geregelten Job aber auch, und ich sehe die Band als wesentlich angenehmere Form von Job.
Bob: Uns passiert auch genug, worüber wir uns ärgern, aber das ist überall gleich. Wenn du in einer Band spielst, führst du trotz aller nach wie vor vorhandenen Zwänge immer noch ein wesentlich selbstbestimmteres Leben, als es bei einem regulären Job der Fall wäre.

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