© by Hopeless RecordsDeanna Belos ist SINCERE ENGINEER, auch wenn das Projekt aus Chicago mittlerweile zur Band herangewachsen ist. Wir sprechen mit ihr über ihren Werdegang und das Etikett „female-fronted“.
Du hast damals im College allein mit der Gitarre angefangen, und jetzt spielst du wieder Solo-Shows – diesmal als Support von SPANISH LOVE SONGS. Fühlt sich das ein bisschen wie eine Rückkehr zu deinen Wurzeln an?
Irgendwie schon! Ich spiele immer noch gern Solo-Shows, wenn ich kann und wenn es Sinn ergibt. Als ich mit SINCERE ENGINEER angefangen habe, waren alle Shows akustisch – bis ich die komplette Band zusammenhatte. Ich mag beides, beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, aber letztlich liebe ich es zu reisen und Musik zu machen, und ich finde es schön, je nach Situation beides machen zu können. Es ist etwa zwei Jahre her, dass ich das letzte Mal eine komplette Akustiktour gemacht habe, deshalb macht es Spaß, wieder damit loszulegen!
Gibt es bestimmte Songs, die in diesem reduzierten akustischen Setup anders wirken?
Ich finde, „Library of broken bindings“ klingt akustisch auf eine eigene Art interessant. Ich schreibe alle Songs zunächst auf einer Akustikgitarre, mit dem Gedanken, dass sie auch akustisch funktionieren sollen. Also müssten sie technisch gesehen alle ziemlich gut in eine Solo-Show übersetzbar sein!
Wie verändert sich für dich die Stimmung, wenn nur du allein auf der Bühne stehst im Vergleich zur kompletten Band?
Es ist definitiv eine intimere und persönlichere Atmosphäre. Wenn wir als ganze Band spielen, gibt es viel weniger Zeit und Möglichkeiten, mit dem Publikum zu sprechen. Ich mag es, zwischen den Songs reden zu können, wenn ich solo spiele. Ich denke, die Energie und Intensität sind bei meinen Solo-Shows trotzdem ziemlich hoch – ich singe im Grunde gleich, egal ob mit Akustikgitarre oder mit voller Band. Und wenn das Publikum bei einer Solo-Show mitsingt, wird es noch persönlicher, fast so, als wären wir alle zusammen in der Band!
Viele Magazine und Festivals benutzen immer noch das Label „female-fronted“. Wie stehst du zu diesem Begriff – empfindest du ihn als empowernd oder eher als eine limitierende Kategorie?
Für mich ist das okay. Ich denke, es kommt darauf an, wie der Begriff verwendet wird, und natürlich kann ich nicht wissen, mit welcher Absicht ihn irgendjemand benutzt. Ich selbst nenne meine Band allerdings nicht „female-fronted“, wenn mich jemand bittet, sie zu beschreiben – falls das irgendwas bedeutet.
Entdeckst du bei diesen Solo-Sets neue Seiten an den Songs oder sogar an deinem Songwriting?
Ich glaube, nach dieser Tour weiß ich besser, welche Songteile akustisch stärker wirken, als ich vorher vermutete. Es hat ein paar Shows gebraucht, um eine gute Setlist für diese Tour zu finden. Ich weiß, dass 30 Minuten bei einem Solo-Act manchmal langweilig werden können, deshalb habe ich versucht, eher die lauteren, schnelleren und Mitsingsongs auszuwählen, um es so interessant und mitreißend wie möglich zu gestalten!
Hast du nach dieser Reihe von Akustikshows schon Pläne für neue Musik oder vielleicht ein weiteres Album?
Ja! Ich habe das Schreiben des kommenden Albums vor ein paar Monaten abgeschlossen. Wir haben es im Dezember aufgenommen und so schnell wie möglich veröffentlicht! Im Januar und Februar sind wir in den USA auf Tour, als Support für MOTION CITY SOUNDTRACK und SAY ANYTHING.
Viele Fans hier in Europa, besonders in Deutschland, hoffen darauf, SINCERE ENGINEER bald wieder mit der kompletten Band zu sehen. Gibt es schon Pläne für eine weitere Tour hier?
Noch ist nichts konkret, aber wir werden auf jeden Fall so bald wie möglich zurückkommen! Ich denke schon eine Weile darüber nach. Hoffentlich innerhalb dieses Jahres, nachdem das neue Album raus ist!
Wie unterscheidet sich das Touren in Europa vom Spielen in den USA? Und gibt es Städte oder Venues, zu denen du besonders gern mit der Band zurückkehren würdest?
In Europa zu touren macht immer super viel Spaß, wir sehen jedes Mal neue Städte, in denen wir vorher noch nicht waren, und es ist definitiv anders als in den USA. Die Fahrtzeiten zwischen den Shows sind normalerweise viel kürzer und die Landschaft ist wunderschön! Leider ist es extrem teuer, mit der Band über den Atlantik zu fliegen – ich wünschte, wir könnten es häufiger tun. Wir haben jedes Mal eine tolle Zeit. Ich würde die Band liebend gern wieder nach Deutschland, in die UK, nach Belgien bringen! Viele Leute haben mich bei diesen Shows gefragt, wann wir zurückkommen, also muss ich das wohl zur Priorität machen!
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