© by Jonathan WeinerDie ersten Minuten des Interviews redet Cullen Moore über „Naruto“ und hält seine Tattoos in die Kamera, allesamt inspiriert von dem Manga. Er ist guter Dinge und spricht voller Vorfreude über das neue Album „Afterglow“ seiner Band aus Memphis, Tennessee und seine musikalischen Einflüsse.
Ich habe gelesen, dass du gesagt hast, im Grunde sollte jeder Song ein guter Popsong sein. Ist das etwas, das du im Kopf hast, wenn du beginnst zu schreiben, oder manifestiert sich das einfach irgendwie?
Ich glaube, das war bei mir schon immer so. Als ich angefangen habe, mit unserem Produzenten Dave Cowell zu arbeiten, sind wir einfach ins Studio und haben gesagt: Mann, wenn wir das als Popsong und als Metalsong gut machen können, dann haben wir schon eine Menge für den Song getan, weil er in jeder Richtung, die wir wollen, funktionieren kann. Wir können hinzufügen, was immer wir wollen. Wir können ihn so frei gestalten. Das befreiende Gefühl der Kreativität ist einfach endlos. Und da wir diese Idee von Anfang an hatten, glaube ich, dass sich das in unseren Köpfen verankert hat, dass wir genau das mit diesem Projekt vorhaben. Wir fangen also einfach an zu schreiben und haben kreative Ideen. Ich denke, das ist bereits eine solide Grundlage für unsere Arbeit.
Als du aufgewachsen bist, welche Art von Musik wurde in deinem Elternhaus gehört? Wovon warst du damals umgeben? Es finden sich so viele Einflüsse auf „Afterglow“, R&B und Metal, und auch Popmusik.
Das ist ganz unterschiedlich. In meiner Kindheit, also in meinen jüngeren Jahren, habe ich mit meinem Vater und meiner Mutter viele Oldies gehört. Du weißt schon, TEMPTATIONS, Michael Jackson, ISLEY BROTHERS, BOYS II MEN. Und es geht sogar bis zu den SPINNERS,, es waren einfach diese ganzen Klassiker. Das waren Sachen, die schon meine Großmutter gehört hat. Mein Vater hat also bei meiner Oma schon manchmal Stevie Wonder gehört. Ich stand nicht so sehr auf Stevie Wonder, aber dessen Songs waren immer dabei. Ich habe erst gestern Abend mit meinem Vater Musik gehört, Bobby Womack. Es sind so viele verschiedene Einflüsse, die ich gar nicht so genau benennen kann. Aber als ich selbst angefangen habe, mich mit Rockmusik zu beschäftigen, bin ich immer tiefer eingetaucht. Und so landete ich später in meiner Jugend eher in der Warped-Tour-Szene, ich glaube, so nennt man das. SCARLET DRIVE, DANCE, GAVIN DANCE, A DAY TO REMEMBER, PARAMORE, all diese Bands. Damit bin ich aufgewachsen. Und das ist es, was mir das Genre nähergebracht hat, LINKIN PARK waren wichtig für mich, THREE DAYS GRACE, FALL OUT BOY.
Die meisten Bands, die du gerade erwähnt hast, besitzen für mich einen großen Pop-Appeal.
Ich mag einfach gute Musik. Es ist mir egal, wie du es nennst. Hauptsache, es funktioniert. Und es macht mich glücklich. Es macht die Zuhörer glücklich. Und die Zahlen zeigen, denke ich, deutlich, was den Leuten gefällt.
Als ich jünger war, war es für mich wichtig, nicht wie andere Popmusik zu hören, sondern Hardcore und Metal, um mich von der Mehrheit abzugrenzen. Das gibt es ja auch heute noch, dass manche Leute dich ablehnen, wenn du offen gegenüber Popmusik bist.
Ich will, dass unsere Musik für jeden konsumierbar ist. Wenn man eine Musik macht, die nur eine bestimmte Gruppe anspricht, verliert man seine Reichweite. Und ich meine, du kannst immer noch so kreativ sein, wie du willst. Aber es bedeutet mir mehr, dass meine Eltern, die keine Rocker sind und Geschrei in der Musik nicht abkönnen, meine Musik mögen. Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, wo mein Vater sagt, sein Lieblingspart von einem unserer Songs ist die Bridge. Das hätte ich von meinem alten Herrn nicht erwartet. Meine Familie haben mich immer unterstützt, aber jetzt fragen sie, wie sie auf unsere Konzerte kommen können. Weißt du, ich sehe aber auch Kinder im Publikum. Und natürlich gibt es auch bei alle möglichen anderen Bands Kinder auf den Konzerten. Und das bedeutet einfach etwas. Wenn Oma es sich anhören kann und wenn die Kinder es sich anhören können, kann jeder dazwischen es auch hören. Ich bin also zufrieden damit, wo wir gerade stehen.
Es gibt auch eine Ballade auf dem neuen Album. Wenn ich in Deutschland das Radio anmache, dann höre ich oft eine Ballade, in der ein Klavier vorkommt. Also das ist ein Popsong für mich. Aber wenn ich das in einem anderen Kontext höre, wie auf deiner Platte, dann macht es genau so viel Sinn.
Wir haben noch eine weitere Ballade geschrieben, die es nicht auf das Album geschafft hat, weil sie zu poppig war. Sie lag zu weit außerhalb dessen, wofür wir stehen . Es war ein toller Song. Ich liebe Balladen. Und ich denke, dass sie einem Album eine andere Struktur geben. Mir ging es immer darum, auf dem Album ein Gleichgewicht zu erreichen, zwischen Rock, Heavy Music oder Screams, wie auch immer du es nennen willst. Daher wollte ich, dass es immer einen Ausgleich gibt. Ich bin mit Balladen aufgewachsen. ich finde es wunderbar, jetzt eine auf dem Album zu haben.
Du kannst diese Ballade, die jetzt nicht auf dem Album ist, immer noch deinen Eltern vorspielen, oder?
Ja, das habe auch gemacht und mein Vater wollte natürlich wissen: „Warum habt ihr den nicht veröffentlicht?“ Und ich sagte: „Dad, es braucht nur ein bisschen Zeit.“
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