© by Kaylene WiddoesMit ihrem Debütalbum „When A Flower Doesn’t Grow“ erzählt uns das kanadische Geschwisterduo Geschichten über Unterdrückung und Selbstbestimmung. Sie selbst beschreiben ihr Werk als innere Metamorphose der Revolution. Was genau dahinter steckt, erzählt uns Gitarristin und Sängerin Mercedes Arn-Horn.
Es beginnt mit einer Naivität und beschreibt dann traumatische Ereignisse, die uns radikalisiert haben. Diese sind im Leben jeder Frau so präsent, dass wir sie verinnerlichen und sie seltsamerweise zur Normalität werden. Aber wir alle erreichen den Punkt, an dem wir uns weigern, die Unterdrückung und Diskriminierung weiter zu akzeptieren. Um dorthin zu gelangen, müssen wir die schädlichen Gewohnheiten ablegen, die wir als Gesellschaft normalisiert haben. Wir müssen auch lernen, uns selbst so zu akzeptieren, wie wir sind. Ich habe das als offen-queere Frau getan, und ich hoffe, dass jeder, der dieses Album hört, sich ermutigt fühlt dasselbe zu tun.
Inwieweit hat dir das Album persönlich weitergeholfen?
Ich habe in einer Phase daran gearbeitet, als ich viele Veränderungen durchgemacht habe. Ich habe eine neunjährige Beziehung beendet und mich als queer geoutet. Ich musste herausfinden, was das für mich bedeutet. Ich musste in mich gehen und verinnerlichte Muster aufbrechen. Das hat mir eine Perspektive auf prägende Erfahrungen und frühe Traumata eröffnet, die ich bisher vermieden hatte zu verarbeiten. Ich glaube, man kann diese Selbstreflexion in den Texten auf eine sehr verletzliche Art erkennen. Es hat mich in gewisser Weise von den Dingen befreit, die ich immer unterdrückt habe.
In „She said, he said“ geht es um Victim blaming und das damit einhergehende frauenfeindliche Misstrauen. Welche Botschaft möchtest du Frauen mitgeben, die damit zu kämpfen haben?
In unserer Gesellschaft haben wir diese gewisse Skepsis Frauen gegenüber, die ihre Geschichten erzählen, normalisiert. Wir werden als Aufmerksamkeitssuchende wahrgenommen, die versuchen, mächtigen Männern zu schaden. Uns wird gesagt, dass wir das Problem sind, dass wir etwas anders hätten machen können, um uns zu schützen. Aber ich möchte ganz klar sagen, dass geschlechtsspezifische Gewalt nicht das Problem der Frauen ist. Es ist ein Problem der Männer, das sie lösen müssen. Wir sind nicht verantwortlich für die Aktionen der Männer, die uns angegriffen haben. Das Opfer ist niemals schuld. Die Diskussion über dieses Thema wurde zu oft verzerrt, um uns zu beschämen und zum Schweigen zu bringen. Wir wollen dieses Narrativ hinterfragen und Frauen klarmachen, dass wir ihnen glauben und sie keine Schuld trifft.
© by Fuze - Ausgabe #116 Februar/März 2026 und Jule Cattau
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