© by Ryan SmithGitarrist Ryan Phillips wirkt ehrlich begeistert, während er unsere Fragen beantwortet. Anstatt krampfhaft zu versuchen, den Platin-Erfolg ihres Debüts zu reproduzieren, nehmen es STORY OF THE YEAR mit Gelassenheit und haben offenbar mehr Spaß denn je. So schreiben sie auch nach 25 Jahren noch richtig gute, authentische Musik. Ryan erzählt uns von den Hintergründen des neuen Albums „A.R.S.O.N.“, verrät, woraus er seine Leidenschaft schöpft und weshalb er auf der Suche nach einem alten Porsche 911 ist.
Wie waren die ersten Reaktionen auf eure neuen Songs?
Es gibt einfach kein besseres Gefühl, als nagelneue Songs live zu spielen und die Crowd kann bereits jedes Wort mitsingen. Für Veteranen-Bands wie uns ist es ja fast unmöglich, noch mal richtig abzureißen, weil alle nur unser bekanntestes Album hören wollen. Dass Leute unsere neuen Sachen so enthusiastisch aufnehmen, ist traumhaft!
Gab es einen Moment im Albumprozess, in dem du besonders enthusiastisch warst?
Ehrlicherweise die ganze Zeit. Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt kitschig klinge: Musik zu machen, ist für mich ein spiritueller Prozess. Ich lebe, um Musik zu schreiben. Etwas zu erschaffen, das es vorher nicht gab, ist das Beste daran, in einer Band zu sein. Wenn im Studio alles zusammenkommt, ist das magisch! 15 Stunden fühlen sich dann an wie eine.
Bei mir ist insbesondere der Song „Halos“ hängengeblieben, der spiegelt genau die Essenz von STORY OF THE YEAR wider. Der hätte genauso gut in den frühen 2000ern entstanden sein können, funktioniert heute aber ebenso gut.
Ja, den hätten wir definitiv 2002 in meinem Schlafzimmer schreiben können. Das hätte der Opener unseres Debütalbums sein können. Ich glaube, deshalb kommt er auch so gut an. Es ist einer dieser Songs, die stark von Bands wie REFUSED und dem Hardcore der späten 1990er und früher 2000er beeinflusst sind.
Dazu passt auch, dass ihr ein Feature mit Jacoby Shaddix von PAPA ROACH aufgenommen habt. Wie kam es zu „Fall away“?
Unser Produzent Colin Brittain hatte eine Session mit PAPA ROACH im gleichen Studio wie wir und dabei hingen wir ein bisschen zusammen herum. Jacoby hat sogar extra seine Session verlassen, um das Stück mit uns zu schreiben. Er ist voller Leidenschaft und Energie, das hat uns dazu inspiriert, dem Song gemeinsam eine neue Richtung zu geben.
Ich habe gehört, dass euer Songwriting-Prozess generell smoother geworden ist. Woran liegt das?
Wir hängen nicht mehr so sehr an unseren Ideen. Früher habe ich mich an jeden coolen Gitarrenpart gekrallt und dafür gekämpft. Wenn es heute an einer Stelle nicht so richtig läuft, gehen wir einfach weiter zur nächsten, auch wenn das bedeutet, dass wir mal eine Idee verwerfen. Wir sind besser darin geworden, nichts zu forcieren – und haben seitdem so viel mehr Spaß!
Bist du auch privat entspannter geworden?
Wenn ich nicht auf Tour bin, dreht sich mein ganzes Leben um meine Familie. Vater zu sein, hat mich zu einem so viel besseren Menschen gemacht. Ich wusste nicht, dass ich so viel Liebe empfinden kann, und das überträgt sich interessanterweise auf alles, was ich tue, vor allem auf die Musik. Liebe ist die Quelle für alles, was ich mache. Ich habe das Gefühl, ich schreibe aktuell die besten Songs meines Lebens – aber ich bin auch ein richtiger Vorstadtvater, der den Rasen mäht und Baseball-Training gibt – und das mit Leidenschaft!
Der Albumtitel „A.R.S.O.N.“ steht für „All Rage Still Only Numb“ und soll auf eine spielerische Rebellion verweisen. Wieso fühlt ihr euch trotzdem manchmal wie betäubt?
Weil es diese seltenen Momente der Apathie gibt, in denen es einfach zu sehr wehtut, emotional involviert zu sein.
Das Albumcover zeigt einen Sportwagen. Das ist ein Lamborghini Countach, oder?
Ja! In meiner Kindheit war das die ultimative Machine, die absolute Spitzenklasse. Das Auto jetzt auf dem Cover brennen zu sehen, hat eine seltsame Komik. Darin ist eine Metapher versteckt.
Interessiert du dich für Autos? Welches würdest du gerne mal besitzen?
Absolut! Als Kind war mein Zimmer tapeziert mit Autopostern. Und heute arbeite ich gerne mit meinen Händen, daher hoffe ich, perspektivisch einen älteren, luftgekühlten Porsche 911 zu finden, den ich mit meinem Sohn restaurieren kann. Ich hätte zwar gerne auch einen Porsche 964 oder 993, aber die sind so ungeheuerlich überteuert. Ein Carrera 3.2 ist realistischer. Ich liebe einfach diese analoge Ausstrahlung der älteren Porsches. Das sind fahrende Kunstwerke.
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