SURRENDER THE CROWN

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Saarbrooklyn

Die Saarländer SURRENDER THE CROWN fahren ihren von modernem US-Rock geprägten Sound nun schon 15 Jahre lang. Wie sich dieser auf dem neuen Album „Travails“ niederschlägt und was eigentlich so im Saarland los ist, klären wir mit Sänger Matthias und Gitarrist Patrick.

Wenn ihr auf die letzten 15 Jahren blickt, wie hat sich SURRENDER THE CROWN entwickelt?

Matthias: Rückblickend fallen mir besonders zwei Dinge auf. Erst mal haben wir uns ziemlich konsequent und zielgerichtet weiterentwickelt, was die professionelle Aufstellung der Band, gleichermaßen aber auch das Songwriting angeht. Darauf bin ich ziemlich stolz, muss ich sagen. Mir bedeutet es aber eigentlich sogar noch mehr, wie sehr wir in dieser Zeit persönlich miteinander gewachsen sind. Es gibt sehr viel gegenseitigen Respekt und sehr wenig Ego in dieser Band.
Patrick: Neben dem Umstand, dass wir in den ersten Jahren zu einer richtigen Band herangewachsen sind, finde ich, dass wir unsere gemeinsame musikalische Sprache entwickelt haben. Die Punkte, die Matthias zuvor genannt hat, haben hierzu maßgeblich beigetragen.

Denkt ihr, die gesammelten Erfahrungen sind auf dem neuen Album zu hören?
Matthias: Auf jeden Fall sind sie zu hören, sie sind meine größte Inspiration. Jedes Album ist textlich eine Reflexion dessen, wo ich in einem bestimmten Moment im Leben stehe. Gerade in den letzten drei oder vier Jahren war es bei mir auf menschlicher Ebene ziemlich turbulent und intensiv, und ich bin froh, dass ich die Musik als Ventil dafür habe. Songs wie „Toe the line“ oder „We need you here“ kommen nicht von ungefähr, sondern basieren auf realen Situationen, die jeweils unterschiedliche, aber eben sehr starke Reaktionen in mir ausgelöst haben. Ich glaube, ich werde immer besser darin, meine Gedanken und Gefühle in Worte zu verpacken. Das hilft mir dann letztendlich auch, an solchen Erfahrungen zu wachsen.

Ihr kommt ja aus dem Saarland, dafür dass das ein kleines Bundesland mit einer niedrigen Einwohnerzahl ist, bin ich immer wieder überrascht, wie lebendig die Szene bei euch ist. Wie nehmt ihr die Musikszene im Saarland wahr?
Patrick: Da kann ich mich nur anschließen. Ich bin auch immer sehr positiv überrascht, wie viele Bands und Musiker:innen es hier bei uns gibt. Auch wenn ich aktuell nicht mehr so oft in der lokalen Szene unterwegs bin, nehme ich sie doch als recht lebendig wahr und es ist toll, dann auch immer wieder „neue“ Bands zu entdecken. So war es zum Beispiel auch mit SAVAGE SENTENCE, die nun auch bei unserer Release-Show am 18.10. dabei sind.

Eure hörbaren Einflüsse würde ich mal in der modernen, amerikanischen Rock-Szene verorten, gibt es noch andere, die vielleicht nicht so offensichtlich sind? Wenn ja, in welchen Momenten verbergen sich diese?
Matthias: Das hörst du ganz richtig. Der amerikanische Anteil kommt dabei wahrscheinlich zu einem großen Teil von mir. Ich mag DISTURBED, ALTER BRIDGE, ­SEVENDUST und solche Sachen. Das fließt musikalisch zwangsläufig mit ein. Gleichzeitig habe ich mich aber immer schon sehr intensiv mit Bruce Springsteen, Alanis Morissette oder Sting befasst und ich glaube, dass mich vor allem deren Texte sehr geprägt haben. In den letzten Jahren kam auch Taylor Swift dazu, die bei allem Hype um ihre Person einfach eine fantastische Texterin ist. Patrick kommt da aus einer ganz anderen Ecke und das ergibt immer wieder eine sehr spannende Mischung.
Patrick: Genau, ich komme musikalisch eher aus dem skandinavischen Raum und auch aus einer etwas härteren Richtung. Bands wie IN FLAMES, EMPEROR, GHOST, DEATH, SYMPHONY X, BETWEEN THE BURIED AND ME, aber auch ROXETTE oder DAVE MATTHEWS BAND sind mir da näher als der typische US-Rock. Ich habe auch schon immer viel Instrumentalmusik von Leuten wie Steve Vai, Guthrie Govan oder Wes Montgomery gehört. Wenn es um amerikanischen Rock geht, war ich eher bei VAN HALEN und WHITESNAKE. ALTER BRIDGE habe ich tatsächlich erst durch Matthias kennen gelernt.

Wie gerade schon gesagt, ich finde, euer Sound muss sich hinter US-Amerikanischen Bands nicht verstecken. Was denkst du, wie ist der Stellenwert dieses Sounds aktuell in Deutschland?
Patrick: Vielen Dank. Natürlich wird der Sound US-amerikanischer Bands bei der Art von Musik, die wir machen, immer als Maßstab genommen. Es ist wohl auch so, dass er in Amerika einen höheren Stellenwert hat als in Deutschland, das fällt manchmal schon auf. Zwei Drittel unserer Spotify-Plays kommen aus den USA, das spricht ja eine deutliche Sprache. Ehrlich gesagt haben wir uns aber nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Für mich ist unser Sound das logische Ergebnis unserer Einflüsse.
Matthias: Wir haben auch schon von Plattenfirmen Sätze gehört wie: „Ihr macht das ja ganz gut, aber SHINEDOWN gibt’s halt schon.“ Stimmt, aber was willst du machen? Wir müssen die Musik schreiben, die aus uns rauswill und die wir zuallererst mal selbst mögen. Alles andere wäre unecht. Der Antrieb kann deshalb auch niemals Geld oder Fame sein. Wenn man ständig darauf wartet, dass der große Erfolg kommt, wird man bescheuert und verliert wahrscheinlich relativ schnell die Motivation. Auf dieser Basis funktioniert keine Band 15 Jahre lang.

Euer Album heißt „Travails“, was bedeutet der Titel für euch?
Matthias: Der bezieht sich auf die Mühe und Plackerei, die die Welt und das Leben so bereithalten, die am Ende aber oft dazu beitragen, dass wir uns selbst besser verstehen. Es kommt immer darauf an, welche Perspektive wir einnehmen oder durch welche Linse wir auf das alles blicken. Abgesehen davon ist „Travails“ das Album, an dem wir bisher mit Abstand am längsten und intensivsten gearbeitet haben, insofern passt der Name sogar auf dieser Ebene.

Welche Themen erwarten uns auf „Travails“?
Matthias: Es geht um menschliche und persönliche Fragen, um Dinge, die in meinem Leben passieren oder einen Einfluss darauf haben. Ich schreibe zum Beispiel aus verschiedenen Blickwinkeln über Beziehungen, beschäftige mich mit dem Gefühl des Verlorenseins im eigenen Leben und habe mir nach einer besonderen Begegnung auch so meine Gedanken zum Thema Depression gemacht. Der eine oder andere wird vielleicht auch politische Einflüsse finden, natürlich gefiltert durch meine persönliche Wahrnehmung. Wie gesagt, es muss mich bewegen, denn ich glaube, nur dann kann es auch ein Publikum bewegen.

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