TUBA (PEPPONE, BEN RACKEN)

Foto© by Christoph Lampert

My Little Drummer Boy Folge 80

Unser Drummerboy dieser Ausgabe ist der Magdeburger Tuba, ein musikalisches Multitalent, das seine vielfältigen Leidenschaften gleich in mehreren Bands oder Projekten auslebt. Sein Schlagzeugspiel zeichnet sich aus durch einen ebenso relaxten wie auch dynamischen Stil. Es scheint so, als ob nichts und niemand diesen sympathischen Zeitgenossen aus der Fassung bringen könnte, und so treibt er seine Band PEPPONE mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks unermüdlich vorwärts. Für das Interview radelte Tuba extra mit dem Fahrrad hinauf auf den Brocken, zur Ox-Außenstelle Harz.

Tuba, hast du schon als kleiner Junge auf den Töpfen deiner Eltern getrommelt?

Ja, das habe ich wirklich gemacht. Ich habe ständig meine Umwelt genervt und mache das auch heute noch. Ich bekomme ständig von meiner Frau gesagt: „Sitz mal still und trommle nicht auf allem herum.“ Mein ganzes Leben, also so lange ich mich erinnern kann, geht das schon so. Es fängt schon damit an, dass ich anfange zu trommeln, wenn ich nur auf der Treppe sitze, mir die Schuhe zubinde und dabei irgendeinen Groove im Kopf habe.

Kommst du aus einer musikalischen Familie, hast du eine musikalische Früherziehung bekommen?
Ja, mein Vater war Hobbymusiker und hatte so eine Tanzmusik-Band, die auch ziemlich viel aufgetreten ist. Bei uns zu Hause waren also immer viele Instrumente verfügbar. Da hingen Gitarren, eine Orgel stand herum, die ich auch benutzen konnte, und weil mir bei uns auf dem Dorf ziemlich oft langweilig war, habe ich die Gitarren auch genommen und darauf herumgespielt. Ein Schlagzeug hatten wir allerdings nicht zu Hause. Die ersten Akkorde hat mir mein Vater beigebracht, aber weil es irgendwann mit meinem Vater nicht mehr so harmonierte, wollte ich bei ihm keinen Unterricht nehmen und habe lieber Songs aus dem Radio nachgespielt. In meiner Kindheit waren die PUHDYS meine Lieblingsband und von denen hatte mein Vater so ein Notenheft, das ich von vorn bis hinten auswendig durchspielen konnte. Mit ungefähr zwölf Jahren waren AC/DC und die ROLLING STONES dann meine eigentlichen Gitarrenlehrer. Ich wusste ja schon früh von meinem Vater, wie man mit Kassetten Musik aus dem Radio mitschneidet, und habe einfach meine Lieblingssongs aufgenommen und danach geübt.

Hast du damals immer nur für dich alleine musiziert?
Ja, das kann man so sagen. Bei uns auf dem Dorf war meistens tote Hose und da auch im Fernsehen immer nur Mist kam, habe ich die Wochenenden oft mit Gitarrespielen verbracht. Ich hätte zwar gern mit anderen zusammen etwas gemacht, aber bei uns gab es wirklich niemanden, der sich ernsthaft für Musik interessierte. Ich hatte zwar immer Ausschau gehalten, ob sich irgendwo die Gelegenheit ergibt, aber es dauerte, bis ich mit 19 zum Studium nach Staßfurt gezogen bin, dass ich meine erste Band hatte. Mit Kommilitonen von mir habe ich damals in einer Coverband angefangen und weil Gitarre und Schlagzeug schon besetzt waren, habe ich angefangen, Bass zu spielen.

Wann hast du das Schlagzeug für dich entdeckt?
Das war schon damals in dieser Coverband, weil ich das Schlagzeug als Instrument schon immer faszinierend fand, und immer, wenn wir bei den Proben Pause gemacht haben, habe ich mich ans Drumset gesetzt und ein bisschen darauf herumgehämmert. Das ging den anderen aber schnell auf die Nerven, weil die in der Pause wirklich ihre Ruhe haben und nicht durch mein Trommeln gestört werden wollten. Ich habe immer geschaut, wann ich mal irgendwo ungestört Schlagzeug spielen konnte, und bin häufig allein in den Übungsraum gegangen, um für mich allein so richtig Gas geben zu können. Die ersten Songs, die ich nachgespielt habe, waren damals tatsächlich die Stücke, die wir mit unserer Band gespielt haben, weil ich da einfach die Grooves unseres Schlagzeugers im Ohr hatte. Außerdem bin ein sehr visueller Mensch und hatte so ein optisches Bild unseres Drummers vor Augen, wie die Moves so ungefähr aussehen müssen, damit ein bestimmter Rhythmus entsteht.

Bist du als Schlagzeuger kompletter Autodidakt oder hattest du auch Unterricht?
Ich habe später mal in zwei Schlagzeugschulen hineingeschaut und mir zwei Bände „Wie lernt man Schlagzeugspielen“ besorgt. Ab und zu gucke ich da noch einmal hinein, aber überwiegend lerne ich von anderen Schlagzeugern, denen ich beim Spielen über die Schulter schaue. Ich gehe nach wie vor viel auf Konzerte und auch wenn wir mit der Band unterwegs sind, sehe ich mir immer die anderen Bands an und schaue für einen Großteil des Konzerts den Schlagzeugern zu. Dadurch kann ich gut nachvollziehen, was da passiert und wie bestimmte Beats funktionieren. Wenn ich später wieder zu Hause bin, fühle ich mich motiviert, im Übungsraum für mich allein neue Sachen auszuprobieren. Ich habe dann noch im Ohr, wie der Beat klang, und sehe vor meinem inneren Auge, wie das Ganze aussah, und so probiere ich, bestimmte Sachen nachzuspielen.

Gibt es Drummer, bei denen du besonders oft und gerne zugeschaut hast?
Ja, da gibt es schon einige. Peter von TURBOSTAAT habe ich oft gesehen, weil wir auch häufig mit denen gespielt haben. Mit ihm habe ich auch immer gern über Schlagzeugspielen gequatscht. Oder Jens von FLIEHENDE STÜRME, der zwar einen ganz anderen Ansatz hat, bei dem ich aber trotzdem viel abgeschaut habe. Nico von EA80 und PANIKRAUM finde ich auch großartig und zu diesen Leuten habe zum einen einen guten Kontakt und zum anderen kann ich viel von ihnen lernen.

Gibt es außer den befreundeten Drummern internationale Größen, die du als Vorbilder nennen würdest?
Es gibt schon viele Schlagzeuger, die ich großartig finde und wo ich weiß, dass ich da technisch nie hinkommen werde. Viele von denen spielen eher in klassischen Rockbands, so wie Ian Paice von DEEP PURPLE und Bill Ward von BLACK SABBATH, die ich sehr gut finde. Im Metal-Bereich fallen mir spontan Dave Lombardo von SLAYER und Nicko McBrain von IRON MAIDEN ein, die natürlich unerreichbar sind. Ich möchte hier auch mal eine Lanze für Lars Ulrich von METALLICA brechen, über den ja sehr häufig gelästert wird, weil er so ein schlechter Drummer sei. Das kam ich absolut nicht verstehen. Der Typ absolviert mit METALLICA Zweieinhalb-Stunden-Sets und spielt meiner Meinung nach wirklich geilen Scheiß.

In welcher Band hast du deine ersten Erfahrungen als Schlagzeuger gesammelt?
Das war mit den BOITELS, die sich 1998 gegründet haben und bei denen ich der Schlagzeuger war und bin. Die BOITELS gibt es heute immer noch, aber wir sind ein sehr unambitionierter Haufen und spielen ungefähr ein Konzert pro Jahr. Wir freuen uns immer total, wenn wir uns treffen, aber mehr als drei- oder viermal proben im Jahr bekommen wir nicht hin. Die Jungs von PEPPONE kenne ich auch schon seit der Zeit, als die Band noch BRAYING BOREDOM hieß. Als ihr Schlagzeuger ausstieg, beschlossen die anderen drei, als PEPPONE und mit Drumcomputer weiterzumachen. Meine andere Band BEN RACKEN hat damals das eine oder andere Konzert zusammen mit PEPPONE gespielt und irgendwann hat deren Sänger Jens mich gefragt, ob ich nicht mal bei einem Song mitsingen wollte. Zum Singen hatte ich aber keine Lust, stattdessen habe ich ihm gesagt, dass ich lieber bei einem Stück Schlagzeug spielen würde. Da ja das Schlagzeug von BEN RACKEN auf der Bühne stand, war das kein Problem. Ich suchte mir ein Lied aus und das Experiment hat spontan sehr gut funktioniert. Zunächst war es nur ein Lied, dann wurden es drei Lieder und später habe ich halt das komplette Set gespielt.

Hast du neben BEN RACKEN noch genug Zeit für eine weitere Band?
Ja, das ist kein Problem. BEN RACKEN spielen vielleicht acht bis zehn Mal pro Jahr live und da bleibt schon noch genügend Platz für andere Bands oder Projekte. Beide Bands spielen auch oft Konzerte zusammen, so dass die Koordination einfach ist und mir nie langweilig wird. Das ist zwar immer eine Doppelbelastung für mich, aber ich würde das gar nicht Belastung nennen, weil es eine völlig andere Perspektive ist, ob ich gerade singe und Gitarre spiele oder bei PEPPONE am Schlagzeug sitze. Schlagzeugspielen ist tatsächlich mental für mich viel entspannter. Beim Trommeln habe ich das Gefühl, ich kann jetzt meinen Kopf ausschalten und darf einfach nur Spaß haben.

Empfindest du die Situation im Tonstudio als stressiger?
Nein, eigentlich nicht, zumal ich insbesondere bei den Aufnahmen zur neuen PEPPONE-LP „Genug gesehen“ sehr gut vorbereitet war. Ich wusste, dass Jens „Jeans“ Halbauer vom Matatu Tonstudio in Leipzig die Schlagzeugspuren mit Klick aufnehmen wollte, und habe von daher auch bei uns im Übungsraum immer mit dem Klick im Ohr geprobt. Wir haben also schon die Studiosituation simuliert und von daher gab es also keine Überraschungen mehr. Die Band hat zusammen gespielt und wenn der Bass gut gespielt war, haben wir den bei einigen Songs auch gleich mit übernommen. Im Studio brauche ich so ungefähr zwei bis drei Takes pro Song, bis alles passt, wobei man natürlich auch so ehrlich zu sich selbst sein muss, einen Track rechtzeitig abzubrechen, wenn es gar nicht rund läuft. Es bringt ja nichts, sich da in die eigene Tasche zu lügen. Ich habe sogar live schon versucht, mit dem Klick im Ohr zu spielen, aber das habe ich schnell wieder gelassen, weil es sich irgendwie so anfühlt, als wäre man gar nicht dabei, sondern würde nur so für sich alleine trommeln.

Worin siehst du die Unterschiede zwischen live und im Studio spielen?
Im Studio ist man ja viel seltener als auf der Bühne und deshalb ist es besonders interessant zu sehen, wie die einzelnen Lieder entstehen und sich die unterschiedlichen Parts zusammenfügen. Im Studio ist das Schlagzeugspielen ja eher der unspektakulärste Part, weil man einfach die Sachen einspielt, die man vorher geübt hat. Ich finde es eher spannend, sich da auf neue Ideen einzulassen, was noch an zweiten und dritten Gitarrenlinien oder Background-Gesang zu den Songs dazukommen könnte. Das Aufnehmen im Studio ist also alle Jahre wieder so ein besonderer Höhepunkt, den ich schon toll finde.

Gibt es eine andere Herangehensweise bei BEN RACKEN als bei PEPPONE?
Oh ja, bei BEN RACKEN muss ich schon immer aufpassen, dass ich nicht zu kritisch mit unserem Schlagzeuger bin und muss mich ermahnen, dass ich hier nicht der Schlagzeuger bin, aber die Stärke von BEN RACKEN ist wirklich, dass jeder seinen ganz eigenen Stil in die Band einbringen kann. Bei unserem Songwriting ist es sehr spannend, wenn ich einen bestimmten Rhythmus im Kopf habe, aber unser Drummer etwas ganz anderes spielt. Wir müssen dann immer einen Kompromiss zusammen finden. Aber unser Schlagzeuger ist ebenfalls ein sehr guter Gitarrist, so dass er auch zu meinem Gitarrenspiel seine Meinung kundtut, wodurch sich das am Ende alles wieder ausgleicht. Das macht das Songwriting spannender als bei PEPPONE, weil wir da manchmal nicht genau wissen, wo es mit einem Song hingeht, wenn wir um einzelne Parts kämpfen. Bei PEPPONE ist es eher so, dass einer mit einer neuen Songidee in den Übungsraum kommt und meistens geht das dann auch eins zu eins bei den anderen durch. Wir machen da immer eine Vorproduktion und so weiß eigentlich jeder, was er zu tun hat.

Hast du schon immer auf einem kleinen, überschaubaren Set gespielt?
Also ich habe auch schon hinter so einem riesengroßen Drumset mit Hängetoms und Doublebass gesessen und es hat mir sogar Spaß gemacht, darauf zu spielen. Aber es ist mir viel zu aufwändig, so ein großes Set mit auf Reisen zu nehmen und jeden Abend aufbauen zu müssen. Darauf hätte ich gar keine Lust. Ich bin auch niemand, der für seine Breaks viele Toms benötigt, und sehe für mich nicht die Notwendigkeit für ein größeres Set. Mit vielen zusätzlichen Toms müsste ich viel mehr üben, zudem sehe ich eher die Gefahr, dass ich mitten im Song, während eines Breaks, plötzlich nicht mehr weiß, wo es eigentlich hingehen soll. Wenn da viele Toms hängen, will man sie schließlich auch benutzen, und ich glaube, ich wüsste manchmal nicht, wie ich wieder heil aus so einem geilen Break herauskommen soll. Das reduzierte Set hilft mir also, mich auf das zu fokussieren, was ich technisch wirklich beherrsche. Bei der Musik von PEPPONE ist es ja auch die Aufgabe des Schlagzeugers, einen soliden Beat abzuliefern, der halbwegs tanzbar ist und die Leute nicht zu sehr durcheinanderbringt.

Deine beiden Bands haben gerade parallel neue Platten am Start. Werdet ihr da viel auf Tour sein?
Nein, eigentlich nicht, weil wir eine komplette Tour gar nicht auf die Reihe bekommen würden. Wir sind mit Familie und Arbeit viel zu beschäftigt, so dass eine längere Tour für uns illusorisch wäre. Wir sind glücklich und zufrieden, wenn wir einmal im Monat oder alle zwei Monate für ein Wochenende unterwegs sind. Dann können wir die Konzerte auch richtig genießen. Für eine ganze Tour wären wir wohl auch nicht diszipliniert genug. Ab und an mal zwei Konzerte irgendwo, das ist für uns genau richtig. Dann wird es ein großes Happening, wir freuen uns, dass wir uns alle sehen und noch lieb haben, und das gemeinsame Musizieren ist so für uns eine sehr schöne Legitimation für abendliche Treffen und Bierkonsum.

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