ULTRABLUT

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Schwebebahn Blues

Nach dem Demo beziehungsweise der EP „Teneriffa“ im letzten Jahr folgte diesen Juni mit „Tja“ ein Album, auf dem ULTRABLUT aus Wuppertal an ihrer radikalen Stilvielfalt festhält. Die vier Musiker, die auch bei MORAST, WINSTON, GRIM VAN DOOM und DARJEELING tätig waren oder sind, spielen unter anderem Noiserock, Grindcore, Punk und Surf. Warum soll man sich festlegen? Es macht sowieso mehr Spaß, den Hörern kurz vor den Kopf zu stoßen, damit man sich deren Aufmerksamkeit sicher sein kann. Das erhöht zudem die Chance, dass bei den Texten hingehört wird. Gut so, denn hier gibt es Aussagen, an denen man zu kauen hat. Aber um Missverständnissen zuvorzukommen, ULTRABLUT sind, wie in solchen Fällen häufig, sehr korrekte und freundliche Menschen. Unsere Fragen beantwortete Basti (gt/bs).

Gefühlt versucht ihr bei euren Songs jeden eurer musikalischen Einflüsse geltend zu machen. Gab es diesbezüglich auch schon Versuche, die euch misslungen sind?

Nein. Aber die verschiedenen musikalischen Einflüsse in unseren Songs fühlen sich für uns auch weniger als Resultat eines gelungenen Versuchs an, sondern waren von Anfang an Teil einer unüberlegten und deshalb einfachen Art, zusammen Musik zu machen. Uns wäre es wahrscheinlich ziemlich schnell misslungen, wenn wir geplant hätten, eine pure Hardcore-, Punk-, Noise- oder Metalband zu sein. Aber es ist spannend, darüber nachzudenken, weil ganz viel Musik, die wir hören, noch keinen erkennbaren Einfluss auf unsere Songs genommen hat.

Ihr müsstet euch 2023 gegründet haben. Gekannt habt ihr euch alle zu diesem Zeitpunkt aber schon eine Weile, oder?
Lansky, Markus und ich kannten sich gar nicht so lange. Markus und ich sind jetzt seit fast vier Jahren Kollegen an einer Musikschule und unterrichten dort Gitarre und Bass. Leo kennen wir alle schon lange, weil er seit 20 Jahren in jedem Proberaum an jedem Schlagzeug in Wuppertal sitzt, und Lansky und Leo machen ja jetzt auch schon länger GRIM VAN DOOM zusammen.

Bringen Punk und Wuppertal die kleinsten gemeinsamen Nenner von euch korrekt auf den Punkt?
Ja. Und MOTÖRHEAD und ROXETTE.

Idee, Bandgründung, EP, Live-Shows, Album und durchgehend positive Resonanz. Teilt ihr die Wahrnehmung, dass ihr mit ULTRABLUT vom Glück geküsst seid?
Ja, die teilen wir auf jeden Fall. An der positiven Resonanz freut uns am meisten, dass wir die Leute anscheinend nicht langweilen. Uns macht es sehr glücklich, dass wir uns alle musikalisch verwirklichen und ausleben können und es sich gar nicht so schwer anfühlt, ein bisschen mutig zu sein. Hinzu kommt ja noch, dass Markus und ich gerne die Instrumente tauschen und uns in dieser Band noch nicht mal für Gitarre oder Bass entscheiden müssen. Überleg dir das mal!

Welchen Einfluss hat das AZ Gathe beziehungsweise das Veranstalten von Konzerten dort auf euch als Band?
Auf mich hat der Dunstkreis des AZs und die Konzerte, die ich dort sehe und gesehen habe, einen großen Einfluss. Ich wurde musikalisch an diesem Ort sozialisiert und werde manche Konzerte dort nie vergessen. Zum Beispiel das von DISHWATER mit Rick McPhail so um1995. Der Schlagzeuger hatte ein selbstgebautes Drumset aus Regentonnen, das unfassbar gut klang. Und auf einem der Konzerte, die Lansky dort veranstaltet hat, habe ich vor zwei Jahren zum ersten Mal GRIN und EARTHBONG gesehen und beide haben mich genau auf die Art beeindruckt wie DISHWATER damals. Das Ende von unserem Song „Tropfsteinhöhle“ ist das direkte Ergebnis davon, dass ich GRIN und EARTHBONG im AZ gesehen habe.

Ist es in einer zunehmend schlechteren Welt wichtig, sich vor allem auch kritisch mit dem eigenen Umfeld auseinanderzusetzen?
Das ist eine gute Frage und ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir da der richtige Ansprechpartner sind. Das eigene Umfeld liegt natürlich am nächsten und deshalb ist es vielleicht am offensichtlichsten, dass eine Auseinandersetzung mit bestimmten Themen im eigenen Umfeld passiert. Wir machen das innerhalb der Band recht intensiv und haben zu manchen Themen auch unterschiedliche Meinungen. Einerseits irritiert mich aktuell auch die etwas antiintellektuelle und einseitige und aus meiner Sicht stark verkürzte Haltung zu bestimmten Themen wie zum Beispiel zu dem Krieg in Nahost, andererseits sind wir uns aber, glaube ich, auch darüber im Klaren, dass wir zu vielen Themen selbst ebenfalls keine oder nur eine stark verkürzte Meinung haben. Und dann wäre ja da auch noch die Frage, für wen die Welt gerade zunehmend schlechter wird und für wen vielleicht sogar gleichzeitig besser. Ich würde dich gerade gerne fragen, wie du auf die Frage kommst.

Interpretationsspielraum vs. missverstanden werden. Gibt es diesbezüglich Sorge, oder sagt ihr: Hauptsache, die Texte regen zum Nachdenken an?
Ich habe grundsätzlich keine Sorge, missverstanden zu werden, und bin immer irritiert, wenn Leute ihre Kunst selbst interpretieren und mir damit meinen eigenen Interpretationsspielraum und meinen eigenen Film nehmen. Texte sind gut, wenn sie unterhalten. Und ich denke, so missverständlich sind ULTRABLUT auch gar nicht.

Kann man sich mit Humor und Haltung gegen düstere Zukunftsaussichten wappnen?
Ja, bestimmt. Vor allem der Humor und die Haltung anderer erhellen meine Zukunftsaussichten oft. Loriot, Jens Rachut, und die WDR-Doku „My War“ über IRON SKULL und GOLGATHA helfen immer!

Ist es spießig, den eigenen Hund aufs Cover zu packen?
Das ist das Spießigste, das ich jemals im Punk und in Wuppertal gesehen habe, aber selbst das ist bei ULTRABLUT völlig okay.

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