VENTURAS

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Skatepunk ohne Füllmaterial

20 Jahre Bandgeschichte, ein Album, drei EPs. Wer sich durch ihr Gesamtwerk durchhört, merkt aber schnell: die VENTURAS aus Wermelskirchen schreiben keine mittelmäßigen Songs. Außerdem sind sie seit jeher ohne Label in Eigenregie unterwegs und dennoch gern gesehene Gäste auf diversen Festivals. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Aktuell ist das die im Juni erschienene EP „Supernova“, die wie gewohnt irgendwo zwischen A WILHELM SCREAM und PROPAGANDHI angesiedelt ist. Skatepunk also. Anlass genug, bei Michel (dr), Daniel (bs, voc) und Hoshi (gt) nach dem Stand der Dinge zu fragen.

Ihr habt „Supernova“ in Rom aufgenommen. War das ein mit dem Nützlichen verbundener Urlaub oder habt ihr gezielt ein bestimmtes Studio angesteuert?

Michel: Beides. Wir wollten, dass jemand die Aufnahme macht, der unseren Sound versteht und den entsprechend produzieren kann. Alex Gavazzi vom Shatterdome Studio hat alles gemacht, von den Aufnahmen übers Mixing bis zum Mastering. Geplant hatten wir das schon vor zwei Jahren und im Dezember 2024 waren wir dann mit dem Material soweit, dass wir ein Airbnb fußläufig vom Studio mieten, aufnehmen und die restliche Zeit in Rom genießen konnten.

Wolltet ihr nach eurem letzten Release „Your Weaker Self“ von 2021 nur mal ein Lebenszeichen von euch geben? Oder trägt die kürzere Spieldauer einer EP den veränderten Hörgewohnheiten der Leute Rechnung? Pragmatik oder Kalkül?
Hoshi: Da spielten mehrere Faktoren mit rein. Zwischenzeitlich hatten wir nur 50 Hörer:innen auf Spotify. Seit „Supernova“ sind wir wieder bei über 800. Und wir hatten fünf Songs, die alle von uns gut fanden, ohne Füllmaterial. Mit „Your Weaker Self“ haben wir es damals ähnlich gemacht und später zwei EPs gemeinsam als 12“ veröffentlicht. Sobald wir neues Material haben, können wir das dann mit den Songs von „Supernova“ wieder machen.
Michel: Wir sind in dieser Hinsicht kompromisslos, weil Musik für alle eine Herzensangelegenheit ist. Wenn jemand nicht zu 100% hinter der Komposition steht, nehmen wir den Song nicht.

Eine Supernova entfaltet schließlich auch ihr volles Potenzial in kürzester Zeit.
Hoshi: Ja, und als Titeltrack sticht der auch hervor. Er ist kürzer und simpler als der Rest. Auch das Cover haben wir dieses Mal sehr simpel gehalten.

Das Gegenteil von simpel ist DIY. Ihr seid seit 20 Jahren ohne Label unterwegs. Könnt ihr euch mittlerweile vorstellen, das zu ändern?
Michel: In puncto Vertrieb fände ich das hilfreich.
Daniel: Ich bin da eher Freigeist. Labelfree finde ich entspannter. Wir haben keinen Stress. Deswegen bringen wir auch nur ein volles Album pro Jahrzehnt raus.

In Deutschland hat sich für Skatepunk nie ein Label schwerpunktmäßig interessiert, obwohl es immer gute Bands mit diesem Sound gab.
Michel: In unserer Nische kann man keine hohen Verkaufszahlen erwarten. Bei der letzten Platte haben wir mit dem Vertrieb von Mud Cake Records aus dem Ruhrgebiet zusammengearbeitet. Mud Cake hat Bands in ganz Europa vertrieben. Aber wenn du nicht genügend Platten verkaufst, haut das finanziell nicht hin, daher wurde der Labelbetrieb wieder eingestellt, was total schade war.

Wermelskirchen ist musiktechnisch eine der lebendigsten Kleinstädte in Deutschland. Habt ihr eine Kleinstadt als Homebase der VENTURAS bislang als Vorteil oder Nachteil empfunden?
Daniel: Eher als Vorteil. Es kommt auch darauf an, wohin du mit der Band möchtest. Wollen wir jetzt wie ANTILLECTUAL alles auf eine Karte setzen, hundert Shows im Jahr spielen und dafür auch auf dem Boden schlafen bei irgendwem? Ich kann das nicht. Ich habe drei Kids. Michel hat jetzt auch bald zwei Kids. Wer das kann, ist der Hoshi, der auch noch bei DRUNK TANK spielt.
Hoshi: In unserer Nische spielt es auch keine Rolle, wo du herkommst. In der Szene kennt jede:r jede:n. Man trifft sich auf Festivals, kennt die Booker, die Labels und zum Teil auch das Publikum, das auf die Shows kommt. In einer Großstadt findest du im Bedarfsfall schneller Ersatzleute. Aber die VENTURAS sind ein Projekt von Freunden. Wir haben einen Auftritt beim Punkrock Holiday ausfallen lassen, weil Michel nicht konnte. Ohne ihn war es uns das nicht wert.

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