VOODOO GLOW SKULLS

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Interview mit Frank alias Francisco alias Paco Casillas

Beinahe ein Jahr lang war ich den VOODOO GLOW SKULLS auf der Spur. Zigmal wurde der Interviewtermin verschoben, war irgendwer nicht erreichbar, kam trotz Nachricht auf dem Anrufbeantworter kein Rückruf. Immerhin klappte es dann mit einem exklusiven Song für die CD-Compilation der #18, und schließlich, Ende Januar, erreichte ich Frank alias Francisco alias Paco Casillas, den Sänger der California Ska-Punks, in seinem Plattenladen in den Suburbs von L.A..

Wie heißt du richtig? Frank, Francisco oder Paco?
Mein richtiger Name ist Francisco, aber ich nenne mich Frank. Edgardo Casillas, unser Gitarrist, und Jorge Casillas, der Bassist sind meine Brüder und unsere Eltern kommen aus Mexiko. Deshalb die spanischen Namen.

Und was ist mit dem Rest der Band?
Jerry O'Neil, der Schlagzeuger, kommt aus Costa Rica, Don und Joe sind „richtige" Amerikaner, und Joey kommt auch aus einer mexikanischen Familie.

Für eine US-Punkband ist euer starker Hispanics-Anteil eher ungewöhnlich.
Stimmt. Allerdings nimmt der Anteil der Hispanics in Südkalifornien ständig zu, und immer mehr Jugendliche sind hier geboren und sprechen zwar spanisch, sind aber Amerikaner. Deshalb hat sich in den letzten Jahren hier eine eigene Hispanic-Punkszene entwickelt. Das läuft alles sehr im Underground ab, und ich habe selbst erst neulich entdeckt, daß es in L.A. so eine Szene gibt.

Du meinst, es gibt neben der „normalen“ L.A.-Punkszene eine eigene spanischsprachige Punkszene?
Exakt, und es gibt sogar mehrere Fanzines, eine ganze Menge Bands mit spanischen Texten, und auch ein paar Radiosendungen. So genau habe ich da allerdings keinen Überblick, denn wir wohnen nicht direkt in L.A., sondern ungefähr eine Stunde Autofahrt außerhalb. Das ist eine Underground-Szene innerhalb der Underground-Szene, und das ist wirklich seltsam. Ich finde es auch etwas schade, dass die Sache so abgegrenzt ist, denn so haben diese Bands kaum eine Chance, mit anderen Punkbands zu spielen. Diese Leute haben aber auch die Tendenz, sich abzugrenzen, weshalb ich erst vor zwei Wochen etwas davon mitbekam, als nämlich ein Typ bei einem Konzert in L.A. ein spanisches Fanzine verkaufte.

Du und deine Brüder kommen aber nicht direkt aus der Hispanic-Community, oder?
Nein. Ich und meine Brüder sind hier geboren. Meine Eltern kamen als Teenager aus Mexiko in die USA. Immerhin spreche ich außer Englisch noch Spanisch.

Wann habt ihr die VOODOO GLOW SKULLS gegründet?
Das war vor sechs Jahren. Damals wohnte ich noch zu Hause, hatte irgendeinen Job und meine Brüder waren erst 15, 16. Unser Bassist war sogar erst 14, als wir anfingen, in meinem Kinderzimmer rumzujammen. Die drei klimperten auf ihren Instrumenten rum, ich versuchte zu singen, und dann kam eins zum anderen, und wir spielten in der Nachbarschaft unsere ersten Shows. Unsere Freunde, die uns damals sahen, sind auch heute noch unsere größten Fans und kommen zu allen Konzerten in L.A. und Umgebung, was uns am Anfang wirklich sehr geholfen hat.

Da hattet ihr also die Bläser noch nicht mit dabei. Was für Musik habt ihr damals gespielt?
Als wir anfingen, wurden die RED HOT CHILI PEPPERS gerade richtig groß, und wir versuchten Punk mit funkigen Klängen zu verbinden. Ich würde nicht sagen, dass wir wie die CHILI PEPPERS klingen wollten, sondern schon etwas härter. Ska spielte natürlich auch eine große Rolle. Man könnte unseren damaligen Sound vielleicht als eine rauhe Mischung aus OPERATION IVY und RED HOT CHILI PEPPERS bezeichnen.

Ein Teil eurer musikalischen Einflüsse wäre damit geklärt. Welche Bands waren für euch noch wichtig?
Wie eben schon gesagt, vor allem OPERATION IVY mit ihrem Ska-Punk. Vor zehn Jahren war ich ein totaler Mod- und Ska-Fan und hörte all die großen Ska-Bands. Ich bin aber auch mit VAN HALEN, IRON MAIDEN und AC/DC aufgewachsen, und die haben sicher auch ihre Spuren hinterlassen.

Und wann kamt ihr dann auf die Idee, euch Bläser in die Band zu holen?
Das stand für uns schon ziemlich früh fest, aber wir hatten lange keine Lust darauf, neue Leute in die Band zu holen. Irgendwann, als es die Band schon zwei oder drei Jahre gab, sprach uns dann Joey nach einem Konzert bei uns um die Ecke an, ob wir nicht einen Saxophonisten brauchen könnten, er sei schon lange Fan von uns und so. Wir probierten ihn aus, es klappte gut, und Joey brachte dann eines Tages seinen Schulfreund Joe mit zur Probe, der Trompete spielt. Mit ihm klappte es auch ganz gut. Wir spielten eine Weile mit zwei Bläsern und hatten dann mehrere Posaunisten. Unser derzeitiger Posaunist ist seit einem Jahr dabei, und das scheint jetzt die perfekte Besetzung zu sein.

Ich frage mich bei Bands wie den MIGHTY MIGHTY BOSSTONES oder euch immer, wie das finanziell halbwegs hinhaut. Ich meine, eine Band bekommt ja nicht mehr Gage, nur weil statt drei sieben Leute auf der Bühne stehen.
Da hast du leider recht. Wir kennen genug Bands, die selbst zu dritt nicht mal genug Geld bekommen, um ihr Benzin zahlen zu können. Wir sind in der glücklichen Position, dass man uns mittlerweile kennt und trotz sieben Leuten genug Geld für jeden übrig bleibt. Wir hatten bisher sieben Touren in den USA, und die ersten beiden waren wirklich hart: Wir saßen zu zehnt im Van, dazu noch das ganze Equipment... Jetzt sind wir in Kalifornien wirklich groß, und im Rest der USA kennt man uns auch. Wir schwimmen zwar nicht gerade im Geld, aber wir können uns einigermaßen über Wasser halten.

Habt ihr noch irgendwelche Jobs, oder ist die Band für euch zur Vollzeit-Beschäftigung geworden?
Ich und mein Bruder Eddie haben in unserer Heimatstadt einen kleinen Plattenladen und wir verkaufen ausschließlich Independent-Punk- und Ska-Platten, und die anderen machen mal dies, mal das.

In Europa kennen euch bisher noch nicht allzu viele Leute.
Das stimmt, aber hier ist es anders. Wir haben von unserem letzten Album bisher rund 40.000 verkauft, und das ist wirklich nicht schlecht. Wir sind die bestverkaufendste Band auf Dr. Strange Records. Aus Deutschland bekommen wir gelegentlich Fanpost, also kennen uns wohl auch da ein paar Leute, aber wie viele CDs wir in Europa verkauft haben, wissen wir nicht.

Steht in absehbarer Zeit eine Europa-Tour an?
Klar, aber wann genau, kann ich nicht absehen. Wir wollen vorher auf jeden Fall ein neues Album aufnehmen und das sollte dann auch vernünftig vertrieben werden, damit uns ein paar mehr Leute kennen lernen. Bisher haben uns Freunde wie RANCID, JUGHEAD'S REVENGE, LAG WAGON oder FACE TO FACE nur vorgeschwärmt, wie genial die Konzerte bei euch waren.

Wann ist euer neues Album zu erwarten?
Wahrscheinlich im Sommer, aber das wissen wir noch nicht genau. Es wird auf jeden Fall auf Epitaph erscheinen. Dr. Strange haben gute Arbeit geleistet, und die Verkaufszahlen sind nicht schlecht, aber wir waren mit dem Sound von „Who is, this is?" nicht besonders zufrieden und würden gerne mit einem guten Produzenten in einem guten Studio aufnehmen. Naja, und da Epitaph derzeit das beste IndependentLabel in den USA sind, wäre es ziemlich dumm von uns, ihr Angebot abzulehnen. Außerdem ist Brett Gurewitz schon seit Jahren ein großer Fan von uns.

Außer den MIGHTY MIGHTY BOSSTONES und BLOW HARD aus Australien kenne ich keine Band, die einen ähnlich fetten Hardcore-Ska-Sound macht. Kennst du denn welche?
Ich kenne zwar BLOW HARD nicht, aber dafür die PORKERS aus Australien. Die sind wirklich phantastisch. Hierin Kalifornien schießen derzeit jede Menge Bands aus dem Boden, die sich an Ska-Punk versuchen. Ich könnte dir mindestens zwanzig aufzählen. Zu den besseren würde ich die BLUE MEANIES zählen, und auch OUT OF ORDER.

Was ist mit SKANKIN' PICKLE?
Ja, das sind Freunde von uns. Die gibt es schon genauso lange wie uns, und ich würde sagen, sie sind neben uns die Ska-Punkband, die in Kalifornien in unserer Liga spielt.

Du sagtest vorhin, ihr kommt aus einem Vorort von L.A.
Ja, wir wohnen in Riverside, das liegt ungefähr eine Stunde östlich von der City, schon halb in der kalifornischen Wüste. Riverside County ist derzeit der am schnellsten wachsende Landkreis in Kalifornien, und seit zehn Jahren ziehen hier all die Leute hin, die die Schnauze voll haben von L.A. Es ist außerhalb, hat nicht die Gewalt- und Kriminalitätsprobleme von L.A., liegt aber noch in Reichweite der Stadt, so dass man es zu Konzerten nicht zu weit hat.

Was für Leute kommen zu euren Konzerten?
Das ist sehr unterschiedlich. Wenn wir in Berkeley spielen, kommen fast nur richtige Punks. Hier in L.A. dagegen sind es sehr viele Kids, ich meine richtige Teenager, die kaum was mit Punk zu tun haben. Es ist wirklich überall anders.

Und was ist mit Skinheads? Die MIGHTY MIGHTY BOSS TON ES ziehen wegen ihres Ska-Einflusses auch eine ganze Men ge Skins, wie ich weiß.
Hier in L.A. gibt es natürlich auch eine traditionelle Skinhead-Szene, und unsere Erfahrung ist, dass, ob rassistisch oder nicht, Skinheads irgendwann Probleme machen. Ich will hier nicht pauschal Leute verurteilen, aber wenn viele Skins zusammen sind, gibt es einfach immer Ärger.

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